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06.06.2018 Von: Sabrina von Elten

Züriberg

Pavillon holt den Goldenen Löwen in die Schweiz


«Svizzera 240: House Tour»: Die Räume scheinen zu schrumpfen oder zu wachsen. Foto: Sabrina von Elten

Ein junges Schweizer Architektenteam der ETH hat an der diesjährigen Architektur- Biennale in Venedig mit seinem Beitrag «Svizzera 240: House Tour» den Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon gewonnen. Das Thema der gerade eröffneten Biennale heisst «Freespace».

Kinder haben keine Angst vor Freiräumen. Der kleine Junge mit seiner blau-weiss gestreiften Latzhose und seiner blauen Schirmkappe rennt befreit durch die Flure und Zimmer des Schweizer Pavillons in Venedig. Für ihn werden die weiss gestrichenen, labyrinthartigen und höhenmässig abgestuften Wohnräume zum Abenteuerspielplatz. Die erwachsenen Besucher hingegen absolvieren die «House Tour» mit verhaltener Neugierde, bestaunen fragend die überdimensionierte Küche oder die Türklinke weit über ihren Köpfen, während sie sich an anderen Orten wiederum ducken müssen, um durch die viel zu niedrigen Türöffnungen zu gelangen.

Der Goldene Löwe
Alessandro Bosshard, Li Tavor, Matthew van der Ploeg und Ani Vihervaara haben mit ihrer Idee sowohl den von der Pro Helvetia ausgeschriebenen nationalen Wettbewerb für die Teilnahme an der Biennale in Venedig gewonnen als auch mit ihrer Umsetzung vor Ort die internationale Jury der Biennale überzeugt. Unter 63 partizipierenden Länderpavillons gewann ihre «Svizzera 240: House Tour» den Goldenen Löwen.
Die Grundlage ihres Projektes bildete eine intensive Recherche auf den Webseiten von Schweizer Architekturbüros und Immobilienagenturen. Die verschiedenen Wohnungsund Hausprojekte waren meist in der Form von unmöblierten und weiss gestrichenen Innenräumen abgebildet. Die lichte Mindest-Raumhöhe von 2,40 m setzte einen weiteren Standard für die Gestaltung der Wohnräume. Diese Beobachtungen haben die Architekten in ihre Hausführung einfliessen lassen. Die masstabsgerechte Verkleiner- und Vergrösserung der Räume lassen den Besucher dabei deutlich spüren, wie sich räumliche Proportionen auf ihn auswirken und was die Architektur mit dem Menschen macht. Der von Bruno Giacometti im Jahr 1952 erbaute Schweizer Pavillon bietet dabei nur noch die Hülle für diese Installation und erscheint aufgrund der Einbauten völlig verwandelt.

Freiräume – Freespace
Das diesjährige Thema der weitläufigen Architekturausstellung, die sich über die traditionellen Ausstellungsorte der Giardini und des Arsenale und darüber hinaus auf einige Paläste Venedigs erstreckt, heisst «Freespace ». Die beiden irischen Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley Mc Namara stellen damit die Debatte um die architektonischen Freiräume in den Mittelpunkt der von ihnen kuratierten Biennale. Es ist ein weitgefasstes Thema, das in den Zeiten städtebaulicher Verdichtung und globaler Einflüsse immer mehr in den Fokus rückt. Die grundsätzliche Rolle der Architektur ist es, unseren Körpern Schutz zu bieten und unseren Seelen einen Hafen.

Die Qualität des Raums
«Freespace» fokussiert sich auf die Qualität des Raumes. Der Begriff beschreibt eine Grosszügigkeit des Geistes und die Möglichkeit der Architektur, freie und zusätzliche Räume für diejenigen zu schaffen, die sie nutzen. Die beiden Kuratorinnen wollen mit «Freespace» auch auf unsere natürlichen Ressourcen aufmerksam machen, auf das Licht, die Luft, die Schwerkraft und die Materialien. Für gute Architektur müssen viele Kompetenzen zusammenkommen. Dabei wird das Anliegen formuliert, dass sich die Architektur in den Dienst des Menschen stelle und jeder die Chance haben solle, von der Architektur profitieren zu können.
Das junge Architektenteam des Schweizer Pavillons hat eine Abfolge von «freien Räumen» realisiert, die auf jegliche gestalterische Individualität verzichten. Es ist eine spannende, erfahrbare Haustour, die das kritische Nachdenken über das eigene Wohnen vertieft, ohne dabei einen theoretischen Unterbau in Form von langen Wandtexten liefern zu müssen.



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