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07.06.2018 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Eine Reise durch die 125-jährige Geschichte


«Und was wünschst Du dir?» Regisseur Michael Schwyter (mit Akkordeon) setzt die Mitwirkenden stets gekonnt in Szene. Foto: Annina Just

Die Martin Stiftung lässt Besucherinnen und Besucher in die Vergangenheit eintauchen: Anlässlich ihres 125-jährigen Jubiläums zeigt sie das Bildertheater «Tanz um Mariahalden» – ein Spektakel mit über 130 Mitwirkenden.

Mit einem Spaziergang vom Eingangsbereich der Martin Stiftung über den Landsitz Mariahalde bis zum «Badhüsli» am See nimmt die Martin Stiftung ihre Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch die letzten 125 Jahre. An zehn Stationen zeigen Schauspielerinnen und Schauspieler zehn Ausschnitte aus der bewegten Geschichte der Erlenbacher Stiftung.
Es ist vor allem die Geschichte von Louise Escher-Bodmer, welche die Stiftung 1893 in Andenken an ihren behinderten Sohn Martin gründet hatte. Einst voller Hoffnungen und Träume, muss Louise einen harten Schicksalsschlag ertragen: Ihr Gatte Hans Conrad Escher begeht Suizid, nachdem er sich verspekuliert und sein ganzes Vermögen verloren hatte. Nach seinem Tod zieht sich die Witwe mit ihrem behinderten Sohn in die Sommerresidenz Marienhalde zurück. Das Haus ist heute eines der sieben Wohnhäuser der Martin Stiftung und hat mit mehreren Besitzerwechseln ebenfalls eine bewegte Vergangenheit – sie wird mit einer Rückblende innerhalb der Bildergeschichte erzählt.

Stück verändert sich laufend
Werden alle zehn Bilder zusammengehängt und führt sich der Zuschauer dazu die verschriftlichte Version im Flyer zu Gemüte, ergibt sich ein informativer Rückblick. Doch die zehn Stationen können auch in sich auch als einzelne Geschichten betrachtet werden – als Geschichten von Liebe und Leid, Erfolg und Unglück. Es gehe nicht primär um das intellektuelle Verständnis, erklärt dann auch Regisseur Michael Schwyter. Dank der Form eines Bildertheaters soll das Stück für alle zugänglich sei – genauso für Bewohner und Bewohnerinnen sowie Mitarbeitende der Martin Stiftung mit kognitiver Beeinträchtigung wie auch für Besucherinnen und Besucher.
Auch zu den Mitwirklenden gehören sowohl Bewohner und Mitarbeiter der Martin Stiftung mit kognitiver Beeinträchtigung wie auch Fachmitarbeiter der Institution. Es sei dieses Arbeiten «Hand in Hand», das ihn am meisten berühre, sagt Regisseur Schwyter. Er selbst ist in allen Szenen mit seinem Akkordeon mittendrin – und versteht es ausgezeichnet, auf spontane Inputs der Darstellerinnen und Darsteller einzugehen. «Das Stück lebt von der Interaktion und wird bei allen Aufführungen anders sein, es entwickelt sich jeweils auf dem Weg», verspricht Schwyter, der Künstlerischer Leiter beim «stattTheater Stäfa» ist und für die Jubiläums- Produktion mit der Martin Stiftung zusammenarbeitet.
Besonders ist am Stück auch, dass es praktisch keine Einzelbesetzungen der Rollen gibt. «Jeder, der möchte, ist die Louise oder der Martin», so Schwyter. Einzelbesetzungen seien keine Option in einer solchen Produktion. «Dann würde es ganz viele Darsteller geben, die nicht verstehen können, wieso sie nicht eine dieser beiden zentralen Figuren sein dürfen», führt er Regisseur und Drehbuchautor aus. So wird zum Beispiel die Hochzeit von Martin und Louise in sechsfacher Ausführung gezeigt – eine Inszenierung, die eine intensive Wirkung entfaltet und dank ganz unterschiedlicher Charakteren trotz inhaltlicher Wiederholung abwechslungsreich ist. Die Mehrfachbesetzung der Rollen soll verschiedene Aspekte der Figuren zur Geltung bringen, erklärt auch Schwyter. Aus praktischen Gründen nur eine Louise gibt es in der letzten Szene, die beim Badhüsli am See stattfindet. Die Hauptfigur wird verabschiedet und entschwindet in einem Ruderboot über das Wasser. Zurück am Ufer bleiben zahlreiche strahlende Gesichter – der erste Gesamtdurchlauf des fast zweistündigen Wandertheaters und nach über einem Jahr Probearbeit ist gut geglückt. «Für Böcke habe eigentlich nur ich selber mit meinen technischen Pannen gesorgt», meinte der gut gelaunte Regisseur danach. Bis zur Premiere am 12. Juni bleibt ihm und seinem Team zum Glück noch einige Zeit, um die technischen Feinheiten zu perfektionieren. Dann steht einem lebendigen und bereichernden Theaterspaziergang für die ganze Bevölkerung wohl nichts mehr im Weg.



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