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20.06.2018 Von: Redaktion und Verlag

Züriberg, Zürich 2, Zürich Nord, Zürich West

Zum viel zu frühen Tod unseres Redaktors Oliver Linow


Oliver Linow (21) ist seinem Krebsleiden erlegen. Foto: Andreas J. Minor

Am 7. Juni ist unser Redaktionsmitglied Oliver Linow mit nur 21 Jahren bei seiner Familie in Herrliberg gestorben – an Leukämie. Ein Nachruf.

Am vergangenen Freitag verabschiedeten sich die Familie, Freunde, Bekannte und Nachbarn von Oliver Linow in der Vogtei Herrliberg mit einer berührenden Trauerfeier. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Und rund ein Drittel der Trauernden musste stehen – so gross war die Anteilnahme. Ganz hinten im Saal standen zum Beispiel die Kollegen des Nachwuchsteams des FC Rapperswil-Jona in ihrer knallroten Trikots. Oliver hat dort Fussball gespielt. Alle Mitglieder der Mannschaft waren gekommen.
Verwandte, Freunde und Arbeits- und Sportkollegen traten nacheinander vor die Trauergemeinde, um ihren Blick auf Oliver Linow in Worte zu fassen, aber auch, um gemeinsame Momente mit ihm Revue passieren zu lassen. Zwischen den bewegenden Rückblicken und Anekdoten erklang immer wieder Musik: Klavier, Violine und Saxofon. Es war ein Abschied ohne Pfarrer, so wie ihn sich Oliver Linow gewünscht hatte.
Wir von der Lokalinfo, die auch den «Küsnachter» herausgibt, für den Oliver Linow mehrheitlich gearbeitet hat, erfuhren noch viele Dinge, die unser Oliver neben seinem beruflichen Alltag beschäftigten. Und umgekehrt erfuhren die anderen Trauergäste Dinge über den Verstorbenen, die ihnen bisher verborgen gewesen waren.
Bei der Lokalinfo absolvierte Oliver nach seiner Matura ein dreimonatiges Praktikum. Dabei schrieb er Texte für alle Titel des Verlags, für den «Küsnachter, aber auch für den «Züriberg», «Zürich West», «Zürich 2» und «Zürich Nord». In jener Zeit stellte er sein Potenzial als Journalist sehr schnell unter Beweis. Auch dann, wenn er nicht in seinem Lieblingsressort «Sport» eingesetzt wurde. So entdeckte er selber, dass ihm auch Geschichten aus der Kultur und der Politik grosse Freude bereiteten und dass er sehr gerne Menschen portraitierte.
Sich ganz auf den Sport als Thema konzentrieren konnte er später dann, bei einem weiteren Praktikum in der Sportredaktion des Online-Portals Watson. Damals äusserte er gegenüber unseres Redaktionsleiters, gerne an der ZHAW in Winterthur Journalismus studieren zu wollen.
Ende 2015 kam es beim «Küsnachter » zu einem Wechsel. Um die Berichterstattung aus Küsnacht und Umgebung zu verstärken, wurde neben der neuen, verantwortlichen Redaktorin Annina Just eine zusätzliche Stelle geschaffen. Die Lokalinfo machte Oliver den Vorschlag, ins Redaktionsteam einzutreten und am Medienzentrum MAZ in Luzern die Diplomausbildung zum Journalisten zu absolvieren. Der MAZ-Studiengang ist ausgelegt für Journalisten, die schon einiges an Erfahrung mitbringen. So kann man das im MAZ Gelernte direkt umsetzen, der Praxisbezug ist gross. Oliver schaffte die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung auf Anhieb und wurde so zu einem der jüngsten Studenten in der Geschichte des MAZ. Die Lokalinfo musste sogar ein Gesuch stellen, damit der Jungjournalist aufgenommen wurde. Und so fing Oliver im Frühling 2016 bei uns auf der Redaktion als Stageaire an, gleichzeitig zum Studienbeginn in Luzern. Es folgte eine sehr enge Zusammenarbeit. Obwohl Oliver einige Jahre jünger war als Annina Just und noch in Ausbildung, erfolgte die Zusammenarbeit sofort auf Augenhöhe. Schnell wurde klar, wie seriös Oliver recherchierte und redigierte.
Eine seiner weiteren Stärken war, kritische Fragen zu stellen. Wir auf der Redaktion gaben ihm sehr gerne Texte zum Gegenlesen und stellten uns seinem kritischen Urteil. So war Oliver sofort eine grosse Unterstützung, für Annina Just, die neu den «Küsnachter» zu verantworten hatte. Dabei zeichnete sich Oliver auch durch viel zwischenmenschliches Feingefühl aus, indem er zum Beispiel sagte: «Man soll und muss auch einmal zurückschrauben. Und eine Story etwas später oder auch gar nicht schreiben – ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.»
Gleichzeitig wussten wir alle: Auf Oli kann man sich zu 100 Prozent verlassen – etwa bei Ferienabwesenheiten. Für eine spannende Geschichte stand Oliver auch schon mal um vier Uhr in der Früh auf. Etwa, um die Kühe bei den Vorbereitungen zu den Herrliberger Misswahlen zu besuchen. Oder er fuhr mit dem Fancar der Küsnachter Jasserinnen und Jasser nach Chur, als es um das «Rückspiel» in der SRF-Sendung «Dunschtig-Jass» ging.
Für die gesamte Redaktion der Lokalinfo war Oliver auch darum ein grosser Gewinn, weil er sich zusammen mit Pascal Wiederkehr vermehrt um unseren Social-Media-Auftritt kümmerte. So sind mit einfachen Mitteln ein paar unterhaltsame und informative Internet-Filme entstanden, die unseren Online-Auftritt frischer und spannender machten.
In bester Erinnerung bleibt etwa eine Strassenumfrage in Küsnacht bei Minustemperaturen zum Thema «Meine Wünsche fürs neue Jahr». Oliver stellte trotz fast eingefrorenen Fingern seine Bastel- und Improvisationskünste unter Beweis, indem er bildgewaltige Sterne fabrizierte. Auch wenn sich die Journalisten fast die Füsse abfroren, kam die Aktion überall sehr gut an. Auch für die Beteiligten war die Produktion wertvoll; das Gefühl, zusammen neue multimediale Wege einzuschlagen, war toll.
Überhaupt haben die Ideen und Erfahrungen von Oli unserer Redaktion viel frischen Wind gebracht, sein jugendliches Alter tat unserem Team sehr gut. Dabei trat der 21-Jährige gleichzeitig als seriöse, verantwortungsbewusste Person auf. Er war ein grosses Talent, und er wäre mit Sicherheit ein hervorragender Journalist geworden, ist nicht nur unser Redaktionsleiter Andreas Minor überzeugt.
Oliver fehlt uns nicht nur als Journalist, sondern auch als zuvorkommender und lebenslustiger Kollege. Sein trockener Humor, seine Neugier, seine feinfühlige Art und sein Fachsimpeln über Fussball werden uns fehlen. Ja, jetzt ist Fussball-WM – aber ohne Oli wollten wir nicht einmal ein Tippspiel auf die Beine stellen. Es machte einfach keine Freude.
Auch während seiner Krankheitszeit besuchte er uns auf der Redaktion wann immer möglich. Sobald es ihm ein wenig besser ging, meldete er sich, um Artikel zu schreiben. Leider dauerte es jeweils nicht lange bis zum nächsten gesundheitlichen Rückschlag. Wir vermissen Oli so sehr. Trotzdem sind wir auch dankbar, dass wir mit ihm einen guten Arbeitskollegen haben durften.



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