Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
28.06.2018 Von: Toni Spitale

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Grabfund schreibt Küsnachts Geschichte neu


Unter dem Singsaal des Gymnasiums liegen mittelalterliche Gräber. Derzeit werden die Skelette geborgen, um damit einer neuen Lüftungszentrale den Weg zu ebnen. Erste Erkenntnisse werfen auch ein neues Licht auf das Alter der Dorfkirche.

Der Nebenflügel des Hauptgebäudes der Kantonsschule Küsnacht weist verschiedene bauliche Mängel auf und muss dringend saniert werden. Vor allem der Singsaal im Erdgeschoss wird umfassend instand gesetzt, unter anderem wird darunter eine zentrale Lüftung installiert. Aufgrund der Nähe zur Dorfkirche und der einstigen Nutzung des Areals als Johanniter-Komturei und Amtshaus wurden im Sommer 2017 Sondiergrabungen durchgeführt. Dabei stiess die kantonale Baudirektion auf mittelalterliche Grabfelder. Ein Knochen wurde daraufhin an der ETH Zürich mittels sogenannter Radiokarbonmethode (C-14) zur Altersbestimmung untersucht. Er stammt aus dem 10. Jahrhundert nach Christus.

Durchschnittliche Bevölkerung
Bis zirka Mitte Juli führt der Kanton nun eine Rettungsgrabung durch, danach kann die geplante unterirdische Lüftungszentrale eingebaut werden. Die aktuelle Ausgrabung umfasse nur einen kleinen Teil des mittelalterlichen Friedhofs, wie Experten von der Kantonsarchäologie am Dienstag an einem Augenschein vor Ort erklärten. Letzterer war im Bereich des Singsaals mehrfach verändert worden. Einmal im 14. Jahrhundert beim Bau des Johanniterhauses, 1778 bei der Überschwemmung durch den Dorfbach und 1834 beim Bau des Singsaals.
Es sei nun eine besondere Herausforderung, zwischen den Skeletten, welche durch die lange Friedhofsnutzung und die Überschwemmung teilweise zerstört sind, die kompletten und dadurch aussagekräftigen Bestattungen freizulegen. Fest steht, dass in diesem Teil des Friedhofs Erwachsene beider Geschlechter und Kinder nebeneinanderliegen. Bestattet wurde in Särgen und in Leichentüchern, so wie es im Mittelalter üblich war. Gemäss aktuellem Kenntnisstand spiegeln die Individuen eine durchschnittliche Landbevölkerung wider. Aus weiterführenden Analysen erhoffen sich die Kantonsarchäologen zusätzliche Informationen über Lebensumstände und Gesundheitszustand der damaligen Bevölkerung. Da die Verstorbenen ohne Beigaben bestattet wurden, könne man die ältesten Gräber erst nach Abschluss der Ausgrabung mittels C-14-Methode zeitlich einordnen.

Kirche ist älter als angenommen
Für Küsnacht besonders interessant: Die Ausgrabung wirft ein neues Licht auf das Alter der Dorfkirche. Gemäss Projektleiter Werner Wild entstand sie lange vor ihrer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1188, wie die entdeckten Grabfelder nun zeigen würden.
Nach der Bergung werden die Skelette in den Räumlichkeiten der Kantonsarchäologie gereinigt und weiter analysiert. Abschliessend werden sie – wie alle im Kanton bei archäologischen Untersuchungen geborgenen Überreste – in die Sammlung des Anthropologischen Instituts der Universität Zürich integriert.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 13. Dezember 2018
Zürich 2 vom 13. Dezember 2018
Zürich Nord vom 13. Dezember 2018
Zürich West vom 13. Dezember 2018
Küsnachter vom 13. Dezember 2018
Küsnachter Amtlich vom 13. Dezember 2018

Sonderzeitungen

Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Tonhalle
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger