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05.07.2018 Von: Toni Spitale

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Wir hatten immer das Gespräch zueinander gesucht»


Diese drei Herrliberger Gemeinderäte sagten «Goodbye» (v.l.): Ernst Frei, Gemeindepräsident Walter Wittmer und Reto Furrer. Foto: Toni Spitale

Einstimmig und in Windeseile genehmigte die Gemeindeversammlung Herrliberg zwei Rechnungsabschlüsse – etwas länger dauerte die Verabschiedung von drei Gemeinderäten.

«Das ist die kürzeste Traktandenliste in meiner Amtszeit», begrüsste Walter Wittmer vergangene Woche 115 Stimmberechtigte im Zehntensaal der Vogtei Herrliberg. Für Wittmer war es zugleich der letzte offizielle Auftritt als Gemeindepräsident – nach 12 Jahren zieht er sich aus dem Gemeinderat zurück.
Eine Premiere stellte die jüngste Gemeindeversammlung hingegen für zwei 18-jährige Herrliberger dar. Als kleine Anerkennung für ihr erstmaliges Erscheinen erhielten sie, nebst Applaus von den Anwesenden, je einen Regenschirm und einen Büchergutschein. «Aber das grösste Geschenk ist, dass Ihr von nun an Euer ganzes Leben lang an die Gemeindeversammlungen kommen dürft», bemerkte der scheidende Gemeindepräsident mit einem Augenzwinkern.

Eklatant hoher Ertragsüberschuss
Das erste Geschäft, die von der Schulpräsidentin Marion Bartels vorgelegte Jahresrechnung des Zweckverbandes der gemeinsamen Sekundarschule Erlenbach-Herrliberg, gab zu keinen Wortmeldungen Anlass und wurde einstimmig genehmigt.
Auch die vom Finanzvorsteher Reto Furrer vorgelegte Jahresrechnung 2017 der Politischen Gemeinde, deren Ertragsüberschuss dank einem nicht budgetierten Buchgewinn von 10,4 Millionen Franken auf den ersten Blick «eklatant hoch ausgefallen sei», wurde von den Stimmberechtigten kommentarlos durchgewunken. In seinen vorgängigen Ausführungen zur Rechnung relativierte Furrer den Ertragsüberschuss in der Höhe von 15,3 Millionen Franken und betonte, dass unter Ausklammerung der Sondereffekte letzen Endes «nur» ein Nettogewinn von 1,3 Millionen Franken in der Gemeindekasse hängen blieb.

Nicht gut, sondern sehr gut
Furrer packte die Gelegenheit beim Schopf, um sich mit einem kurzen Rückblick von seinem Amt zu verabschieden. Während insgesamt 16 Jahren sass er im Gemeinderat. «Finanziell und infrastrukturell stehen wir heute nicht gut, sondern sehr gut da», so sein Fazit. Mit einem stabilen Steuerfuss von 78 Prozent zähle Herrliberg nach wie vor zu den zehn steuergünstigsten Gemeinden im Kanton. Viele Infrastrukturprojekte wie Schulanlagen, das Kinderbetreuungshaus oder der Umbau der Vogtei hätten mit einem hohen Selbstfinanzierungsgrad verwirklicht werden können.
Nichtsdestotrotz mahnte der abtretende Finanzvorsteher zur Vorsicht: Immer mehr Kosten würden von Bund und Kanton auf die Gemeinden verlagert. «Wir dürfen uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen und müssen das Dorf auch in Zukunft weiterentwickeln.»

Von Zahlen nicht beirren lassen
Einen ähnlichen Appell richtete der RPK-Präsident Joel Gieringer an die Stimmberechtigten. Anlässlich seines Wechsels von der Rechnungsprüfungskommission in den Gemeinderat nahm er die Gelegenheit wahr, um seinen Kommentar zur Rechnung und zu den Finanzen im Allgemeinen etwas ausführlicher zu gestalten.
Herrliberg sei zwar in den vergangenen Jahren gewachsen und der Steuerfuss konnte stabil gehalten werden, doch massgeblich sei das Verhältnis von Preis und Leistung, gab Gieringer zu bedenken. «Wir dürfen uns von diesen guten Zahlen nicht beirren und verwirren lassen.» Mit Blick voraus mahnte Gieringer: «Nach dem Bau und der Sanierung von verschiedenen Schulhäusern müssen wir uns in Zukunft auf höhere Kosten in den Bereichen soziale Wohlfahrt und Gesundheit gefasst machen.» Der Gemeinderat schätze sich glücklich, dass er stets ein sehr korrektes Verhältnis zur RPK gehabt habe, freute sich Wittmer in seiner kurzen Würdigung für den RPK-Präsidenten. Zu seinem eigenen Rücktritt meinte Wittmer: Nach drei Legislaturen mache er nun Platz, dass Herrlibergs Zukunft von Jüngeren gesteuert werden könne.

Der «Realisierer» nimmt den Hut
«Er war für uns ein echter Präsident, der die Gemeinderatssitzungen kameradschaftlich, aber doch konsequent geführt hat», hob der bisherige Vize Ernst Frei hervor. Er ehrte den Gemeindepräsidenten ferner als eine Persönlichkeit, die in ihrem Amt eine grosse Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit an den Tag gelegt habe.
Frei war schlussendlich der Dritte im Bunde, für den die Behördentätigkeit mit der Gemeindeversammlung zu Ende ging. Von seinen Kollegen wurde er als «der Realisierer» im Gemeinderat verabschiedet. Als ehemaliger Feuerwehrkommandant sei er für das Ressort Sicherheit prädestiniert gewesen. Und als Zuständiger für die Liegenschaften habe er die gemeindeeigenen Immobilien so betreut, als würden ihm diese selber gehören. Rund 65 Millionen Franken hat Frei während seiner zehnjährigen Tätigkeit «verbaut», wie Finanzvorsteher Furrer vorrechnete.

«Gemeindekasse dichtgehalten»
Für Beträge in Millionenhöhe war aber auch Furrer zuständig: Während seiner Zeit im Ressort Finanzen und Steuern hat er rund 450 Millionen Franken an Steuereinnahmen verbucht, wovon 200 Millionen an den Finanzausgleich überwiesen wurden, erwähnte der Gemeindepräsident und ergänzte: Furrers Stärke habe darin bestanden, dass er die Kasse, auf der er acht Jahre lang gesessen sei, möglichst «dichtgehalten» habe.
Nach dem offiziellen Teil dislozierte die Versammlung ins Untergeschoss, wo die «Rössli»-Crew mit einem Apéro aufwartete.



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