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11.07.2018
Zürich West

Raffinierte und zugleich zweckmässige Möbel


Von Susi und Ueli Berger: Stuhl und Tisch, zusammengesetzt aus ihren Buchstaben. Foto: ZHdK

Mit der Ausstellung Pa-Dong zeigt das Museum für Gestaltung (Toni-Areal) aus seiner Sammlung exquisite Möbel des Designer-Paares Susi und Hans Berger.

Elke Baumann

Susi (1938) und Ueli Berger (1937–2008) sind das Vorzeigepaar der Schweizer Designermöbel. Über 40 Jahre gestalteten die Grafikerin und der Künstler Möbel. In den 1960er-Jahren beginnen sie allerdings das Bestehende kritisch zu betrachten. Beide verlassen die Objektkunst der Moderne und wagen, mit Augenzwinkern zum Alltäglichen, eine gestalterische Gegenwelt. Sie spielen mit Symbolen aus Comics oder der Volkskunst: Kung-Fu-Regal, Robot-Kommode, Soft Chair oder Wolkenlampe.

Ein Paar, ein Ziel

Ueli Berger: «Ich bin eher der Macher und Experimentierer, sie die Kritische mit ihrer unkonditionierten Bereitschaft zur Innovation, dem künstlerischen Gespür und der analytischen Begabung.» Susi Berger: «Ich bin ein Erkenntnis-Mensch. Ich analysiere, gehe Dingen auf den Grund. Egal ob im Bereich Medizin, Psychologie, Politik oder Grafik. Doch meine Visionen in Feinarbeit umzusetzen, ist dann oft das Gebiet von Ueli.»

Aus den Siebzigerjahren stammt die Wolkenlampe. Wer sie sich in die Wohnung hängt, besitzt ein Stück Schweizer Designgeschichte. Die Hängeleuchte besteht aus zwei unterschiedlich ausgeformten Polystyrol-Schalen, die in der Mittelachse zu einem Vollkörper verleimt sind. Sie schwebt tagsüber wie eine Schäfchenwolke im Raum, im Dunkeln wird sie zur warmen Lichtquelle.

Das gute alte Taburett

«Dr Hansjakobli u ds Babettli hei mit em Chuchitaburettli es Spieli zäme gschpilt zum Göisse, ‹He he Frou Meier› het das gheisse.» Das klassische Taburett von Mani Matters Hansjakobli und Babettli wird von Susi und Ueli Berger durch eine überlange Rückenlehne aus schwarz lackiertem Mahagoni-Holz zum eleganten Salonmöbel. Entworfen 1987, kann man bis heute auf den Taburetts im Restaurant Linde, Oberstrass, Platz nehmen und sich bequem anlehnen.

Am Anfang steht die Idee

Technisch und handwerklich absolute Meisterleistungen sind unter anderem die Kommode aus gestapelten Schubladen, der Fächermann oder das Kung-Fu-Regal, dessen Tablare gebogen sind und an chinesische Schriftzeichen erinnern. Der Stuhl, der aus fünf Holzteilen in Form der Buchstaben S, T, U, H und L konstruiert und zusammengesetzt ist (was man allerdings erst beim genaueren Betrachten erkennt) oder der Armchair, dessen Hülle aus einer gefalteten Schweizer Fahne gearbeitet wurde, sind einmalige Kompositionen. Den «5-Minuten-Stuhl» aus Drahtgeflecht kann man bei einem unerwarteten Besucherandrang ruckzuck selber zusammenbasteln – man muss nur ein 318 cm langes Drahtgitter zur Hand haben! Die Bauanleitung findet man im Werkkatalog «Susi + Ueli Berger – Möbeldesign» (59 Franken). Das Modell zum «5-Minuten-Stuhl» ist aus einer WC-Rolle entstanden. Es würde perfekt in ein Puppenhaus passen. Alle anderen ausgestellten Modelle übrigens auch.

Mit Ironie, Fantasie und viel Gespür für Material und Formen entwarfen Susi und Urs Berger ungewöhnlich raffinierte und zugleich stets zweckmässige Möbel, die noch immer hergestellt und in der Designszene als Klassiker hoch gehandelt werden. Zusammen mit den originalen S-&-U-Möbeln präsentiert die Ausstellung die dazugehörenden Möbelentwürfe, Skizzen, Pläne sowie Modelle en miniature und Fotos.

Es ist eine brillant inszenierte Ausstellung im Toni-Areal, die den aussergewöhnlichen Exponaten viel Raum zugesteht. Sollte ein junger Designer von heute eine Idee haben – die Bergers hatten sie bereits vorher!

Museum für Gestaltung (Toni-Areal). Ausstellung Pa-Dong, Die Möbel von Susi und Ueli Berger. Bis So, 19. August. Öffnungszeiten: Di bis So, 10 bis 17 Uhr, Mi 10 bis 20 Uhr. www.museum-gestaltung.ch



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