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12.07.2018 Von: Elsbeth Stucky

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Als eine Flutwelle Küsnacht überschwemmte


Blick von der Bahnhofbrücke: Alfred Egli (Zweiter von rechts) erinnerte an einem öffentlichen Rundgang an die Tragödie von 1778. Foto: Elsbeth Stucky

Vor 240 Jahren starben 63 Menschen in den Fluten des Dorfbachs. Der Verein für Ortsgeschichte Küsnacht führte Interessierte an den Ort der Katastrophe und würdigte im geschichtlichen Rückblick die Verdienste von Salomon Landolt.

Drückende Hitze und ungewohnter Nebel gingen sintflutartigen Regengüssen voraus. Eine Tragödie bahnt sich an und die Bewohner von Küsnacht sind ahnungslos. Man schreibt das Jahr 1778. Davon erzählte Alfred Egli lebendig und detailreich am letzten Sonntag.
Gut 40 Interessierte haben sich am Tobeleingang um den Präsidenten vom Verein für Ortsgeschichte gesammelt. Sie sind gekommen, um der Katastrophe zu gedenken, die auf den Tag genau vor 240 Jahren Küsnacht heimsuchte.
Es stellt sich heraus, dass nicht nur Küsnachterinnen und Küsnachter mit auf Spurensuche gehen, sondern auch museumsnahe Besucher von Eglisau und Maur dabei sind. Das hat einen triftigen Grund. Zum 200. Todesjahr von Salomon Landolt haben sich heuer geschichtlich interessierte Gemeinden zusammengetan, um, wie Jürg Girsberger vom Ortsmuseum Eglisau erklärt, mit verschiedenen Anlässen «Salomon Landolt als ganze Person wahrzunehmen ». Die Obermühle und das Haus gegenüber auf sicherem Fels hielten stand. Doch einen Steinwurf entfernt, forderte der reissende Strom seine ersten Opfer. 17 Bewohner, darunter 7 Kinder, starben unter den Trümmern ihrer Behausung oder in den Fluten.

Bach sechs Meter angeschwollen
Der Dorfbach überschwemmte nachts das Weinbauerndorf mit solcher Gewalt, dass 63 Menschen zu beklagen waren. Die Flutwelle führte Felsbrocken und Bäume mit sich und zerstörte sämtliche Stege und Brücken auf seinem Weg. Hausgegenstände trieben auf dem See bis nach Wädenswil und Horgen. Auf die Frage einer Dame, wie viele Einwohner wohl damals hier lebten, schätzt Ortskundler Egli die Zahl auf gut 1000. Gebäude fielen wie Kartenhäuser in sich zusammen. Vor allem linkerhand des Bachlaufs, wo die Flutwelle auch den Friedhof aufwühlte und die Gebeine der Toten und die Leichname mit zum See nahm. Beim Weitergehen zeigt Egli auf ein Haus mit grünen Läden: «Dort in diesem Haus sind sieben Menschen ums Leben gekommen.» Der Bach im Dorfkern soll sechs Meter angeschwollen sein, ist die Überlieferung von Augenzeugen.
Gewaltige Wassermassen suchten sich ihren Weg vom oberen zum unteren Dorfteil. Die obere Mühle hielt stand, die untere nicht. Einst ein schönes Haus, so Egli, aber leider stand es in der Stossrichtung des Bachs. Es ist also nicht verwunderlich, dass Bett und Sohle des Bachs heute so ausgebaut sind, dass sich die Überschwemmungskatastrophen nicht wiederholen können.

Salomon Landolt schritt zur Tat
Buchstäblich über Nacht war aus dem wohlhabenden hübschen Küsnacht ein schwer gebeuteltes Dorf geworden. Das Wasser hat eine Schneise der Zerstörung, obdachlose Menschen und ein wüstes Durcheinander hinterlassen. Alleine hätten die Bewohner ihr Schicksal nicht gemeistert. Sofortige Hilfe kam tags darauf von Bewohnern der Nachbargemeinden. Zur Stelle war auch Salomon Landolt, und er übernahm beherzt den Oberbefehl über die Rettungskräfte. Die Zeit nach der Flutwelle ist geschichtlich festgehalten. Es ist Salomon Landolt zu verdanken, sagt Egli, dass nach der Flutwelle etwas wie Ordnung ins Chaos kam. Strenge «Mannszucht» übte er aus und kannte auch keine Gnade für Plünderer. Verprügelt wurden sie und an den Schandpfahl zum Gespött aller gebunden.
Nach zwei kurzweiligen Stunden ist das Seebecken erreicht. Manchmal, sagt Egli, höre er, «lasst doch die alte Geschichte ruhen». Doch wir vom Verein Ortsgeschichte finden: Es lohnt sich. Es macht uns geistig reicher und dankbar.



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