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25.07.2018 Von: Lisa Maire

Zürich West

Lichtfänger zwischen Nachtblau und Zartrosa


Ein Werk von Jürgen Zumbrunnen aus dem Jahre 2005 (Ausschnitt), Öl auf Leinwand und ohne Titel. (Foto: mai.)

Der Maler Jürgen Zumbrunnen war vor allem in der Zürcher und Berliner Kunstszene verankert, sein Werk darüber hinaus breit anerkannt. Die Galerie Baviera im Kreis 4 zeigt Bilder aus dem Nachlass des 2016 verstorbenen Künstlers.

Steht man vor Jürgen Zumbrunnens Bildern, tut sich eine Welt voll intensiver Rätselhaftigkeit vor einem auf. Mit differenziertem Farbauftrag, klassisch-präzisem Strich und oft grossformatig bis zum Triptychon gestaltete der Künstler grandiose Bildlandschaften zwischen dunkler Nachtmär und hellem Tagtraum. Der erste Blick der Betrachterin erfasst die farbliche und gestalterische Harmonie, der zweite die vielen inhaltlichen Irritationen. Ob Birkenwälder, Interieurs, Stillleben, Fensterblicke, Porträts – Zumbrunnens Bilder haben das Zeug zu allegorischen Kammerstücken. Das Ambivalente, die Einsamkeit des Menschen zwischen Lust und Tod spielen darin eine gewisse Rolle. Doch einer Aufteilung in «Gut und Böse» entzieht sich das Bildgeschehen – ebenso wie dargestelltes Fiasko sich nicht eindeutig auflösen lässt. Ist es überhaupt ein Fiasko? Diese junge Frau im kurzen gelben Rock – liegt sie wirklich von stürzenden Birken begraben? Der seltsam direkte, wache Blick der weissen Katze lässt einen daran zweifeln, dass da Lebens- und Liebeslust für immer erloschen ist.

Nomade und Einzelgänger

Jürgen Zumbrunnen, 1946 als Schweizer im deutschen Zittau geboren, lebte ab 1968 an verschiedenen Orten in der Schweiz als freischaffender Künstler, wobei er stark in der Zürcher Kunstszene verankert war. Auch das Kunsthaus und das Helmhaus Zürich zeigten damals seine Arbeiten. Später kamen Aufenthalte in New York und in Berlin dazu – und damit eine lange Reihe weiterer zum Teil renommierter Ausstellungsorte vom Kunsthaus Glarus über die Kunsthalle Berlin oder die Monumenta Antwerpen bis zur New Yorker Broad Way Gallery (2011).

Er sei ein Nomade und Einzelgänger gewesen, sagt Galerist Silvio Baviera über den Maler und Zeichner, mit dem ihn in den 1970er- und 1980er-Jahren eine intensive Zusammenarbeit verbunden hatte. 18 Einzel- und 57 Gruppenausstellungen zeugen davon. 1988 sei er ihm allerdings «abhandengekommen», so Baviera. Der Künstler brach damals mit der Schweiz und zog nach Berlin, ohne eine Erklärung, geschweige denn eine Kontaktadresse zu hinterlassen. Erst 2013 sei er ihm zufällig auf der Strasse in Berlin wieder begegnet, erzählt Baviera. Das Wiedersehen habe er – 23 Jahre Funkstille hin oder her – als herzlich und interessiert empfunden. Zu einer Ausstellung in Zürich kam es trotzdem nicht mehr, weil Zumbrunnen kurze Zeit später einen Hirnschlag erlitt. Dessen Folgen und eine später dazukommende Krebserkrankung bewegten ihn zu einer Rückkehr in die Schweiz. Im Mai 2016 erlag er seinem Leiden schliesslich in einer Pflegeeinrichtung in Affoltern am Albis. Begraben liegt er auf dem Zürcher Friedhof Manegg.

«Ich bin glücklich, dass ich Jürgen Zumbrunnens Werke wieder hier habe», sagt Baviera, der mit der Aufarbeitung und der Veräusserung des Künstlernachlasses beauftragt wurde. Der Galerist ist begeistert von der einmaligen künstlerischen Qualität der Bilder, ihrer teils ironischen, teils melancholischen, teils poetischen Anmutung. Öffentlich ausgestellt sind nun Arbeiten aus den Jahren 1980 bis 2015 – zusammengesammelt aus zahlreichen Depots, wohin der leidenschaftlich-produktive Künstler seine Werke wegen Platzmangels in seinen stets kleinen Ateliers ausgelagert hatte. Aus früheren Jahren sei praktisch nichts mehr vorhanden. «Alles verkauft», bilanziert Baviera. Wohl auch die «fantastischen Holzskulpturen», die Zumbrunnen eine Zeit lang geschaffen hatte. Doch wer weiss, vielleicht tauchen einige von ihnen ja noch in einem bis anhin unbekannten Depot auf.

 

Galerie Baviera, Zwinglistrasse 11. Ausstellung bis 25. August. Öffnungszeiten jeweils Mi–Fr 13–18 Uhr, Sa 13–16 Uhr.



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