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25.07.2018 Von: Marcus Weiss

Zürich West

Nicht nur Architekturbegeisterte sind entzückt


Die Siedlung Sunnige Hof beeindruckt durch den alten Baumbestand, der erhalten werden konnte. (Foto: mw)

Im Gebiet zwischen Albisrieden und Altstetten vollzieht sich ein spannender Wandel, der mit zahlreichen grossen Bauprojekten ins Auge sticht. Dass diese Zone schon immer für Auf- und Umbrüche stand, erfuhren die Teilnehmenden einer von der Stadt organisierten Führung.

Auf dem Vorplatz des Albisriederhauses hat sich bei herrlichem Sommerwetter eine Schar interessiert umherblickender Menschen eingefunden. Handelt es sich um eine Reisegruppe auf Zürich-Besuch? Nein, es sind Einheimische, denn auch in diesem Sommer bietet die Stadt Zürich mehrere Stadtteilführungen an, auf denen Fachpersonen die Entwicklung der Quartiere erläutern. Hier startet die Tour durch das Letzigebiet, einer Zone mit besonders turbulenten Umbrüchen zwischen Stadt und Land, Wohnen und Industrie, Tradition und Zukunftsstreben. «Wenn Sie dieses Gebäude anschauen, haben Sie nicht das Gefühl, dass es historisch sei, denn es wirkt noch immer modern», wendet sich Stephan Bleuel vom Amt für Städtebau an sein Publikum.

Mit der Eingemeindung kam eine städtische Moderne

Das Albisriederhaus sei aber schon 1934 fertiggestellt worden, zu jener Zeit, als das einstige Dorf Albisrieden nach Zürich eingemeindet wurde. «Der Bau gilt als Zeitzeuge des Landi-Stils, für den Zürich berühmt war.» Bleuel erklärt, dass man in dieser Epoche dem gemeinschaftlichen Nutzen in Albisrieden mehr Rechnung tragen und einen Treffpunkt für das aufblühende Stadtquartier schaffen wollte. Nur ein paar Schritte weiter liegt die Wohnüberbauung A-Park. Vor zehn Jahren vollendet, entstand diese Siedlung auf einem Gelände, wo zuvor Blumen zum Selberschneiden angeboten worden waren. Die Teilnehmenden des Rundgangs können dem Innenhof viel abgewinnen, er ist mit seinen schattenspendenden Bäumen gleichermassen Begegnungszone wie Spielplatz. Auch der Experte vom Amt für Städtebau nennt die in einem urbanen Stil gehaltene Siedlung der Baugenossenschaft Zurlinden speziell, sind doch auch andere Nutzungen wie etwa ein Supermarkt integriert.

Als Nächstes rückt die Albisrieder Mühle ins Blickfeld. Es ist ein Gebäude mit sehr langer Geschichte, über die es ebenfalls viel zu erzählen gibt. Bereits 1857 sei eine Sägerei in das historische Gemäuer eingezogen, weil sich im 19. Jahrhundert der Mühlenbetrieb nicht mehr gelohnt hatte. «Im Jahr 1932 kaufte dann die Stadt das Gebäude und frischte die Mühle wieder auf», führt Stephan Bleuel aus.

Um drei Geschosse aufgestockt
Im Licht der Abendsonne besonders bunt in Szene setzt sich nun rechter Hand die Siedlung Sunnige Hof. Die 25 Meter hohen Punkthäuser können nicht nur Entzücken bei Architekturbegeisterten wecken, sie sind das Resultat eines Engagements, das Vorbildcharakter hat: Es wurde in die Höhe gebaut, um die alten Bäume stehen lassen zu können und möglichst viel von der parkähnlichen Umgebung zu erhalten. Beim Freilager-Areal taucht die Gruppe in eine andere Sphäre des Letzigebiets ein, jene der grossformatigen Industriearchitektur, die nun Stück für Stück neuen Nutzungen zugeführt wird. Die neue Wohnarchitektur rund um das Backsteingebäude von 1925, das dank seiner tragfähigen Bauweise um drei Geschosse aufgestockt werden konnte, erntet zahlreiche bewundernde Blicke.

Stephan Bleuel schildert bei der Überbauung James, wie dort vor 100 Jahren die Arbenz Motorwagenfabrik blühte und gar auf dem Sprung war, ein ganz grosser Automobilhersteller zu werden. Es kam anders, und nach dem Lüftungsunternehmen Luwa hat sich mit der Wohnbebauung nun schon die dritte Nutzungsform auf dem Gelände etabliert. Wieder in die Zukunft wendet sich der Blick auf der letzten Etappe des Weges, welcher der Flurstrasse entlang in Richtung Hohlstrasse führt. An der Kreuzung beim Letzipark wird als privates Bauprojekt ein Wohnhochhaus entstehen, und links und rechts der Hohlstrasse sollen sich zu den gerade fertiggestellten Wohntürmen noch weitere gesellen. «Eines davon, gegenüber der Einmündung Flurstrasse, wird ausschliesslich dem gemeinnützigen Wohnungsbau dienen, obwohl Hochhäuser normalerweise teurer zu realisieren sind als andere Gebäude», freut sich der Leiter der Besichtigungsgruppe.

Alle ziehen an einem Strang

Auf den restlichen Metern zum Bahnhof Altstetten, wo die Tour endet, sind die sinnvollen Erdgeschossnutzungen und die Backsteinfassaden des Letzibach-Hochhausensembles Thema. «Es ist schön, dass man hier an einem Strang zieht und eine einheitliche Linie gefunden hat, die erst noch an die traditionelle Industrie-Architektur erinnert», lobt Stephan Bleuel, selbst Architekt, die Planer. Die Teilnehmenden der Führung werden bestimmt zurückkehren, um die weitere Entwicklung im Letzigebiet mit eigenen Augen zu verfolgen.



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