Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
26.07.2018 Von: Stefanie Käser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Gianfranco: Der Showmann ist reifer geworden


Gianfranco, ehemals Bobò, performt im Tonstudio seines Managers in Feldmeilen mit typischer Theatralik seinen neuen Song «Wow mare che blu». Foto: Stefanie Käser.

Bobò aus den 80er-Jahren heisst jetzt Gianfranco. Der Küsnachter ist überzeugt, mit «Wow che mare blu» den Sommerhit des Jahres zu landen.

Seit 1968 wohnt der gebürtige Italiener und Sänger Gianfranco Tognoni in Küsnacht. Bereits in den 1980er- Jahren hat Gianfranco unter seinem damaligen Künstlernamen Bobò Musik gemacht. Zu seinen grössten Hits zählen die Ballade «Amico mio» (1988, zusammen mit Günther Loose) sowie die komödiantisch inszenierten Popsongs «Sole Integrale» (1983) und «Spaghetti, Maccaroni, Cannelloni» (1983).
Nach einer 15-jährigen Pause nimmt der Sänger seine Karriere nun wieder auf, diesmal unter seinem bürgerlichen Namen. Mit seiner Single «Wow, mare che blu» (2018) hat er den Sommerhit des Jahres geschrieben, ist Gianfranco überzeugt. «Das ist ein typisch italienischer Hit für Jung und Alt – am Strand werden alle dazu tanzen.» Auch sein Produzent Lee Jones ist sich des Erfolges sicher. Der Song handle von einem klassischen Tag am Meer einer italienischen Familie der 70er- und 80er- Jahre.
Die Hälfte des Erlöses dieser sowie der Single «L’amore non ha età» (2017) will der Küsnachter an eine gemeinnützige Organisation spenden. «Ich will wieder kranke Kinder unterstützen », sagt der Sänger, «die Gesundheit von Kindern liegt mir sehr am Herzen.»
Bereits bei der Single «Amico mio» spendete Gianfranco, damals noch Bobò, die gesamten Einnahmen des viersprachigen Songs an behinderte Kinder im Kanton Solothurn. Damals sagte der Cantautore gegenüber der «Solothurner Zeitung»: «Ich lernte einmal ein behindertes Kind kennen. Durch diese erfuhr ich erst recht, was es heisst, im Rollstuhl zu sitzen. Ich war tief betroffen und beschloss, mich für diese Leute vermehrt einzusetzen.»

Fünffacher «Nonno»
Wenn der Sänger und Familienvater von Kindern erzählt, strahlt er: «Mit meinen Grosskindern zu spielen, macht mich sehr glücklich.» Allgemein ist der in Italien Geborene ein Familienmensch. Als 18-Jähriger ist er mit seiner Familie in die Schweiz nach Küsnacht gekommen und hat seither dort über 50 Jahre hinweg seine Wurzeln geschlagen. In Küsnacht lernte er seine jetzige Frau kennen. «Irgendwann merkte ich, dass ich für die Musik zu viel unterwegs war, und entschied mich, meine Karriere vorerst zu unterbrechen», so Gianfranco über seine Pause im Showbusiness. Zusammen mit seiner Frau hat er zwei Söhne und fünf Grosskinder. «Vor drei Wochen erst ist meine jüngste Enkelin zur Welt gekommen», strahlt der stolze Grosspapi.
Auch seine Enkel und ihre Kollegen hätten Freude an seinem neuen Ohrwurm «Wow mare che blu». Wenn er sie von der Schule abhole, würden ihre Gspänli jeweils winken und seine typische Pose aus dem Video zum Song zeigen (auf Youtube abrufbar). Neben der neuen Generation wolle er aber vor allem auch seine bisherigen Fans, die Fans von Bobò, ansprechen, sagt Gianfranco. «Meine Musik ist ideal für Fans von Adriano Celentano oder Toto Cutugno – ‹Wow che mare blu› ist ein typisch italienisches, poppiges Sommerlied.»

«Gianfranco ist reifer als Bobò»
Als Bobò war der Küsnachter mehrheitlich als Komödiant und Sänger auf der Bühne. «Spaghetti, Maccaroni, Cannelloni habe ich immer so präsentiert wie auf dem Cover abgebildet. Ich ging mit einer Portion Spaghetti auf die Bühne, ich wollte eine Show machen!», sagt Gianfranco, «Niemand singt einen Song so wie ich. Ich mache eine Inszenierung, wie ein Kabarettist.» Mit der Änderung des Künstlernamens von Bobò zu Gianfranco wird der Imagewandel des Sängers deutlich. «Gianfranco ist zwar immer noch ein lustiger Showman, aber seine Texte sind seriöser und ernster geworden. Kurz: Er wurde reifer», so sein Produzent Lee Jones. Die Liedtexte schreibt Gianfranco grösstenteils selber – auch die Melodien kommen meist von ihm. «Manchmal in der Nacht kommen mir Texte oder Melodien in den Sinn, die ich dann gerade in mein Handy singe. Die aufgenommenen Töne bringe ich dann jeweils am nächsten Tag Lee Jones mit.» Ab und zu müssen einzelne Zeilen angepasst werden, ansonsten sei er als Produzent aber vor allem für die Musik zuständig, meint Lee Jones. «Gianfranco leistet immer gute Vorarbeit.»

Bobò in den Anfängen
Geboren ist Gianfranco Tognoni 1947 in Follonica, Toscana. «Das Lustige ist: Obwohl ich direkt am Meer aufgewachsen bin, kann ich nicht schwimmen. Ich habe Angst. Ich schwimme höchstens zuhause in meiner Badewanne. » In Follonica sang Gianfranco dann auch das erste Mal vor Publikum – im Alter von acht Jahren hatte er seinen ersten Auftritt an einem Dorffest, erinnert sich der Sänger. «Casetta in Canadà» von Mario Penzeri war damals das erste Lied, welches ihn inspirierte und für welches er sich begeistert. Der Cantautore hatte als Bobò in den 80er-Jahren viele verschiedene Auftritte primär in Italien sowie in der deutsch- und italienisch- sprachigen Schweiz. Er trat ausserdem in mehreren Sendungen des Schweizer Fernsehens auf (Risiko, un’ ora per voi ...). Bobò engagierte sich für die Fussball-WM 1990 mit dem Song «Azzurro Vai», gab seine Lieder bei unterschiedlichsten Festivals zum Besten und arbeitete für die Produktion der Single «Amico Mio» mit Mario Robbiani, mit dem Dirigenten des «Orchestra della Svizzera» und Günther Loose («Marmor, Stein und Eisen bricht») zusammen. Der Sänger durfte auch mit einigen anderen bekannten Künstlern arbeiten. «Zusammen mit Nella Martinetti habe ich beispielsweise im Niederdorf dieses Lied hier in einer Grotte gesungen », erzählt er stolz und zeigt auf die «Ciao ciao Italia»-Platte.

«Wow mare che blu»
Als zweite Single unter dem Namen Gianfranco wurde «Wow mare che blu» Ende Mai dieses Jahres unter dem Label «D3 Edition» herausgegeben. Neben der italienischen Sängerin Mina, die der Küsnachter gerne mag, hört er am liebsten seine eigenen Lieder. «Wow che mare blu» ist definitiv mein Lieblingslied. Mina ist gut, aber ich bin besser», zeigt sich der Sänger selbstbewusst.
Und auch beim Publikum scheint der Song anzukommen. «Schon fast 10 000 CDs haben wir verkauft», freut sich der 70-Jährige. Der Song heisst übersetzt «Wow, wie blau ist das Meer». In der Schweiz sind momentan keine Auftritte geplant. Ab Mitte Juli wird Gianfranco in Italien im Urlaub sein. «Wobei, Ferien sind es eigentlich nicht ...», gibt der Sänger zu bedenken, «überall an der Adria- und der Tyrrhenischen Küste Italiens werde ich Konzerte geben.»
Und was wünscht sich Gianfranco für die Zukunft? «Ich will nicht reich werden», stellt der Cantautore klar, «ich will zurückblicken können und sagen, dass ich schwer kranken Kindern mit meiner Musik und deren Erlös helfen konnte.»



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 13. Dezember 2018
Zürich 2 vom 13. Dezember 2018
Zürich Nord vom 13. Dezember 2018
Zürich West vom 13. Dezember 2018
Küsnachter vom 13. Dezember 2018
Küsnachter Amtlich vom 13. Dezember 2018

Sonderzeitungen

Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Tonhalle
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger