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08.08.2018 Von: Lisa Maire

Zürich West

Achthändige Hommage an einen Aussenseiter


Das Kukuruz Quartett mit Simone Keller, Philip Bartels, Lukas Rickli und Duri Collenberg (v.l.) beim Konzert im Brockenhaus an der Neugasse. Foto: mai.

Alles an den «Guerilla-Konzerten» des Zürcher Kukuruz Quartetts ist aussergewöhnlich. Von den vier bespielten Klavieren über die Musik von Julius Eastman bis zu den Auftrittsorten – etwa im Brockenhaus wie zum Tour-Auftakt.

Das Kukuruz Quartett, das sind die vier experimentierfreudigen Klaviervirtuosen Simone Keller, Philip Bar-tels, Duri Collenberg und Lukas Rickli. Am Vortag hatten ihre Klaviere noch im Massnahmezentrum Uitikon gestanden, wo zusammen mit jugendlichen Straftätern der Abschluss eines gemeinsamen, sechsmonatigen Musikprojekts mit einem Konzert gefeiert wurde. Nun waren die vier altgedienten Klaviere in einem Gewusel von ebenso altgedienten Möbelstücken im Brockenhaus aufgebaut: Das Ensemble lud zum ersten öffentlichen Konzert ihrer «Guerilla-Tour» abseits von konventionellen Konzertsälen.

Vor einem altersmässig bunt gemischten Publikum kamen für vier Klaviere geschriebene minimalistische Kompositionen von Julius Eastman zur Aufführung. Wer sich auf diese Musik einlässt, gerät in den Sog eines abenteuerlichen Klangstroms von seltsam tranceartiger Wirkung. Wild und uferlos gleichzeitig, von vielerlei Farben durchzogen, zieht er dahin, dieser Strom. Lässt Repetitionswut auf die Tasten prasseln und kraftvolle Klangballungen erdonnern. Sodass es die Pianisten beim Spielen manchmal vom Stuhl reisst und die Topfpflanzen auf den Klavieren ins Wanken geraten: Eastman-Musik, leidenschaftlich vorgetragen, kann durchaus auch visuell ein Abenteuer sein.

Schwarz, schwul, drogensüchtig
Das Kukuruz Quartett setzt sich seit etlichen Jahren intensiv mit der Musik von Julius Eastman auseinander. Der schwarze, schwule Pianist, Sänger und Komponist, der seine Werke mit Titeln wie «Evil Nigger», «Crazy Nigger» oder «Gay Guerilla» versah, starb 1990 mit 49 Jahren heroinsüchtig und obdachlos in New York. Nach Jahren der Vergessenheit erlebt seine Musik heute ein grosses Revival. Das Kukuruz Quartett ist daran nicht unbeteiligt. Zählte doch Eastmans sogenannte Nigger-Trilogie bereits zu seinem Kern-Repertoire, als Eastman auch in Expertenkreisen noch mehr oder weniger unbekannt war. Bei mehreren Konzerttouren in der Schweiz, Deutschland und Holland machte das Ensemble die Musik des Aussenseiter-Komponisten einem breiteren Publikum zugänglich. 2017 erntete sie an der Documenta im Athener Konzertsaal Megaron stehende Ovationen, nachdem sie – für einmal auf prächtigen Konzertflügeln statt auf den eigenen alten Klavieren – Eastmans Kompositionen «Evil Nigger», «Gay Guerilla», «Buddha» und «Fugue No. 7» interpretiert hatten.

Kein Easy Listening

Genau diese vier Stücke beinhaltet auch das erste Album des Quartetts, das vor kurzem beim renommierten Label Intakt Records erschien. Der CD-Release bildet nun den Anlass zur «Guerilla-Tour» quer durch die Schweiz. Mit den eigenen Klavieren und an so ungewöhnlichen Orten wie Gefängnissen, Brockenhäusern, Spitälern, Banken, Bürohäusern. Man wolle Eastmans von «rauer Wildheit» und «schmerzhafter Schönheit» geprägte Musik eben nicht nur als Easy Listening verpackt in Hochkultur-Tempeln spielen, erklärt das Ensemble dazu in Interviews.

Neben Eastman-Kompositionen erklingen auf der Tour – erstmals am 9. August – zum Teil auch einzelne Uraufführungen von Simone Keller, Lara Stanic, Léo Collin und Martin Lorenz, die sich auf unterschiedlichste Weise auf Eastmans Leben und Werk beziehen. 

 

Zürcher Guerilla-Tour: 

• 9. August, 20 Uhr, Rost&Gold, Uetlibergstrasse 15

• 14. August, 12.15 Uhr, Unispital Foyer Nord 2 (Spöndlistrasse)

• 14. August, 16 Uhr, Bildhalle, Stauffacherquai 56

• 15. August, 20.30 Uhr, Bürohaus Kreuzung Schönegg-/ Langstrasse (Voranmeldung)

• 22. August, 19 Uhr, Galerie Jedlitschka, Seefeldstrasse 52

• 23. August, 18 Uhr, Limmatklinik, Cafeteria 4. Stock, Hardturmstr. 133

• 25. August, 14 Uhr, Genossenschaft Brockenhalle/ Schreinerei Tigel, Hornbachstrasse 62

• 26. August, 15 Uhr, Tram-Museum, Forchstrasse 260

• 2. September, 20 Uhr, Hauptbühne Theaterspektakel, Landiwiese.

 

Alle Konzerte freier Eintritt, Kollekte. www.kukuruzquartett.ch – Programmdetails aktualisiert auf www.facebook.com/kukuruzquartet.



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