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08.08.2018 Von: Lisa Maire

Zürich West

Grosse Bühne für grüne Senkrechtstarter


Ökologisch sinnvoll und auch fürs Auge eine Freude: Grüne «Kunst am Bau» in der Stadtgärtnerei. Foto: Lisa Maire

Wie funktioniert die Vertikalbegrünung? Eine Ausstellung in der Stadtgärtnerei stellt verschiedene Systeme vor und informiert, worauf es ankommt, damit Pflanzen Hausfassaden in der Senkrechte erobern können.

Obwohl gerade die Schweizer Nati im WM-Achtelfinale zu Gange war und gewittrig-schwüles Wetter herrschte: Zur Führung durch die Open-Air-Ausstellung «Grün am Bau» versammelte sich in der Stadtgärtnerei eine überraschend grosse Teilnehmerschar. Das Thema «grüne Fassaden» interessiert. Nicht zum ersten Mal, wie Botanikerin Ilona Sutter zu Führungsbeginn informierte. Schon in den 1980er-Jahren sei Vertikalbegrünung eine Zeit lang Trend gewesen, jetzt schwappe wieder eine solche grüne Welle über das Land, die «hoffentlich etwas länger andauert».

Grosse Bedeutung hat die Begrünung von Dächern und Fassaden vor allem in den Städten. Die Gründe dafür sind evident: Grünes direkt am Bau braucht wenig Boden und hat im Sommer mildernde Auswirkungen auf das zunehmend heisse Stadtklima. Infolge von Verdunstungs- und Abkühlungsprozessen sorgen Pflanzenflächen am Haus für ein Mikroklima, das im Wohn- und Arbeitsumfeld als angenehmer empfunden wird. Die Pflanzenteppiche sind zudem Lebensraum für zahlreiche Insekten, Vögel, Fledermäuse, können Fassaden optisch aufwerten, vor Sonne und Schäden schützen, Feinstaub aus der Luft binden, eine lärmdämmende Wirkung haben und – auf dem Dach – bei Starkregen Wasser zurückhalten.

Boden- oder wandgebunden

Bei Grün Stadt Zürich (GSZ), so die Botanikerin, sei man überzeugt: Die Vorteile von Fassadenbegrünung überwiegen bei weitem die Nachteile. Letztere bestehen vor allem in den Investitionskosten. Bei der Anschaffung ist mit Quadratmeterpreisen im drei- bis vierstelligen Bereich zu rechnen. Im Gegenzug lassen sich mit Fassadenbegrünungen gewisse bauliche Massnahmen einsparen. Auch der Unterhaltsaufwand für Pflanzen und Technik muss bedacht werden. Sutter: «Eine Vertikalbegrünung gibt langfristig zu tun. Einmal pflanzen und dann fertig – das funktioniert nicht.»

In der Ausstellung auf dem Areal der Stadtgärtnerei kann man verschiedene Beispiele von Fassadenbegrünungen bestaunen und studieren. Die einfachste Variante ist dabei die bodengebundene: Kletterpflanzen wie Weinreben, Brombeeren, Kiwi, etc. wachsen aus dem Erdboden an Kletterhilfen die Wand empor – ein preiswerter Klassiker. Günstiger sei nur noch direkter Bewuchs mit Kletterpflanzen wie Efeu oder wildem Wein, meint Sutter. Deren Haftwurzeln könnten allerdings mitunter Bauschäden verursachen.

Von den wandgebundenen Beispielen ist das Regalsystem das einfachste: Die Pflanzen wachsen dabei aus Einzelgefässen, die etagenweise in eine Trägerkonstruktion eingebunden sind, wobei ihnen ein Drahtseilnetz als Rankhilfe dient. Solche «Pflanzenregale» können je nach Fall Brüstungen und Absturzsicherungen oder auch Sonnenstoren ersetzen. Wie eine vorgehängte Fassade kommt das textile System daher. Es besteht aus einer Vliesfläche, die von einem Alurahmen gehalten wird und aus der die Pflanzen durch Schlitze hindurch aus dem Substrat herauswachsen. Mit diesem System, das auch fassadenisolierend wirken kann, habe man die längste Erfahrung, so Sutter. Es sei seit 2010 auf dem Markt.

Die aufwendigste der wandgebundenen Varianten ist das modulare System: ein massiver Rahmen aus feuerverzinktem Metall mit lamellenartig angeordneten Substrat-Taschen. Wegen ihres hohen Gewichts braucht diese Variante allerdings sehr massive Wände.

Alle wandgebundenen Begrünungssysteme sind mit automatischen Bewässerungsanlagen ausgestattet und werden vorzugsweise mit einheimischen Pflanzen bestückt, die auch kalte Winter überstehen. Wer mit einer solchen Fassadenzierde liebäugelt, muss jedoch zuerst einmal eine Reihe von Vorabklärungen treffen, auch rechtliche. Braucht die Begrünung eine Baubewilligung? Wie ist der Zugang für die Pflege gewährleistet? Was verträgt die Fassade an Gewicht? Welche Pflanzen eignen sich für welches Begrünungssystem?

Offenheit und Mut gefragt

Mit der Ausstellung in der Stadtgärtnerei will GSZ die Vertikalbegrünung in der Öffentlichkeit bekannter machen. Denn das Wissen darüber sei noch wenig verbreitet, bilanziert Sutter. Allgemein werde sie bisher eher als Risiko wahrgenommen denn als Chance, ein ökologisches und optisch wirkungsvolles Vorzeigeprojekt zu lancieren. Eine Vertikalbegrünung in Angriff zu nehmen, brauche sicher auch eine gewisse Portion Offenheit und Mut. GSZ biete aber individuelle Beratungen für Interessierte an – ob für Gärtner, Architektinnen oder Private. Zu den Fördermassnahmen gehört zudem ein Projekt im Kreis 5: Die Stadt habe etwa 100 Hausbesitzer angeschrieben und Informationen zu Fassadenbegrünung angeboten, erzählt Sutter. Dabei habe es immerhin zehn Rückmeldungen von Interessierten gegeben. «Irgendetwas wird sich da also auf jeden Fall tun.»

 

«Grün am Bau – Grüne Dächer und Fassaden für Zürich», Stadtgärtnerei, Sackzelg 25/27. Ausstellung bis 31. März 2019, täglich geöffnet, Eintritt frei. Termine Rahmenveranstaltungen und Download der schön illustrierten Begleitbroschüre: www.stadt-zuerich.ch/stadtgaertnerei.



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