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08.08.2018 Von: Annina Just

Zürich West

Im Spagat zwischen Sozial- und Gewerbeunternehmen


Der Neubau bietet Platz für ein Personalrestaurant, ein öffentliches Café und sieben Gewerbeabteilungen. Ein Geschoss – momentan an ein Fitnesszentrum vermietet – gilt als Reservefläche. Foto: A. Just

Neben dem Viadukt wird seit Kurzem im neuen St. Jakob Gewerbezentrum geschreinert, gebacken und geflochten. Dank dem Neubau will die Stiftung ihren Output steigern und mit seinen vielfältigen Produkten am Markt bestehen.

Mitten im Kreis 5, gleich neben dem Lettenviadukt, thront es: das neue «Gewerbezentrum» der Stiftung St. Jakob. Von der Limmatstrasse kommend erscheint der neue Betonbau etwas trist und klobig. Doch von der Gegenseite aus betrachtet lässt die im typischen St.-Jakob-Gelb geplättelte Fassade schon eher darauf deuten, wer hier zu Hause ist.

Neben der stadtweit bekannten Bäckerei, Konditorei und Confiserie sind im Neubau auch eine Schreinerei, eine Flechterei, eine Ausrüsterei, je eine Abteilung für Elektronik und Digitalisierung sowie der Betriebszweig Gebäude- und Gartenpflege untergebracht. In sieben Abteilungen arbeiten 500 Menschen, wovon 400 in einem sogenannt «geschützten» Arbeitsverhältnis stehen. Die meisten von ihnen beziehen eine IV-Rente, einige sind auch durch die Maschen des Sozialsystems gefallen.

«Lösung, gegen die niemand ist»

Das bisherige Stiftungszentrum an der Kanzleistrasse war stark renovierungsbedürftig und auch platzmässig ist das «Behindertenwerk» dort an seine Grenzen gestossen. Weil eine Renovierung während des Betriebs nicht möglich war, habe man nach einem neuen Standort gesucht, erklärt Geschäftsführer Christian Kuhn. Das städtische Areal an der Ecke Heinrich-/Viaduktstrasse – 3300 Quadratmeter gross und bis 2016 als Parkplatz genutzt –  war da geradezu ideal, denn es ist ähnlich zentral gelegen wie der ehemalige Standort. «Während das eine Lager hier einen Park wollte und das andere ein Parkhaus, waren wir dann die Lösung, gegen die niemand etwas haben konnte», erinnert sich Kuhn an die politische Vorgeschichte des 36,5 Millionen Franken teueren Neubaus. Schliesslich erhielt die Stiftung den Zuschlag für ein 100-jähriges Baurecht. Zur Finanzierung kamen neben Eigen- und Fremdkapital 14 Millionen Franken des Kantons und beinahe fünf Millionen von privaten Spendern.

Im April dieses Jahres war es dann so weit, der Betrieb wurde «gezügelt». In den hellen und modernen Werkstätten des Neubaus habe man nun optimale Produktionsabläufe und zeitgemässe Arbeitsbedingungen, sagt Kuhn. Dies ermögliche wiederum effizienteres Arbeiten und einen höheren Output – Faktoren, die für das «wirtschaftlich orientierte Sozialunternehmen» zentral sind. Denn auch wenn die Stiftung hauptsächlich Menschen mit einer Beeinträchtigung beschäftigt, will sie mit ihren Produkten am Markt mithalten können.

Wohnungen an der Kanzleistrasse

Gemäss Geschäftsführer Kuhn benötigt die Stiftung vom Kanton rund 3,5 Millionen Franken Subventionen pro Jahr für eine schwarze Null. «Damit haben wir vergleichsweise pro Kopf relativ tiefe Subventionen», betont er. Möglich sei die wirtschaftliche Orientierung, weil man als «Betreuungspersonen» nicht Sozialarbeiter anstelle, sondern Berufsfachleute aus den unterschiedlichen Betriebszweigen «mit einer angeborenen Sozialkompetenz», beschreibt der ehemalige CEO aus der Telekom-Branche das Erfolgsrezept. Kuhn: «Unter Anleitung dieser Fachpersonen erledigen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Auftragsarbeiten, die in der Wirtschaft gefragt sind.» Wie der Geschäftsführer, der nun Ende Jahr in Pension geht, betont, sei es schon immer die Philosophie der Stiftung gewesen, nicht um Barmherzigkeit zu bitten, sondern mit vielen Händen Aufgaben zu erledigen, welche die Auftraggeber nicht selber ausführen wollen.

Das alte Stiftungsgebäude wird derzeit saniert und umgebaut. Es entstehen je drei Stockwerke mit Gewerberäumlichkeiten und Wohnungen in einem mittleren Preissegment. Spätestens in einem Jahr soll alles vermietet sein. Mit den Mieteinnahmen bezahlt die Stiftung den Baurechtszins und die Hypothek des «Jahrhundertwerks».



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