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08.08.2018 Von: Stefanie Käser

Zürich 2

Wahrzeichen ausser Betrieb


Ausgespritzt: Die sonst von Weitem sichtbare Engemer Wasserfontäne legt ein Jahr Pause ein. Foto: Stefanie Käser

Die Empörung scheint sich beim Volk in Grenzen zu halten: Der Springbrunnen, der sonst im See bei der Enge Wasser spritzt, ist dieses Jahr ausser Betrieb.

Die acht Wasserfontänen nahe dem Seebad Enge spritzen diesen Sommer nicht. Der kleine Zürcher Bruder des Genfer Wahrzeichens, der Springbrunnen Jet d’eau, wird die Zürcher-Seebecken-Skyline für eine Weile nicht mehr schmücken. Schade, finden einige Stadtbewohner. Andere wiederum scheinen das «Wahrzeichen» kaum zu vermissen, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.

Viele Badegäste am Ufer bei der Enge haben die Veränderung gar nicht bemerkt. «Es wäre mir, wenn ich ehrlich bin, gar nicht aufgefallen, dass der Springbrunnen im Moment nicht läuft», so etwa Karin Gerber, die im Sommer häufig mit ihrer Freundin beim Arboretum baden geht. Von dort hat man den Springbrunnen eigentlich gut im Blick. Aber auch Marc Zwahlen, begeisterter Enge-Gänger, vermisst die Wasserfontäne offensichtlich nicht: «Ich gehe sehr oft im Sommer hier hin zum Seeufer, aber ich habe bis jetzt tatsächlich nicht bemerkt, dass der Springbrunnen ja gar nicht mehr plätschert.»

«Es fehlt schon etwas»
Es gibt aber auch einige Stimmen, die sich den Springbrunnen «Auqaretum» – gegenüber dem Arboretum – zurückwünschen. «Ich sehe den Springbrunnen eigentlich direkt von meinem Zuhause aus. Ich bin jetzt nicht beunruhigt, dass er ausser Betrieb ist. Aber ich finde es schön, wenn er wieder kommt», so Badegast Sandra Bonfanti. Für die meisten einfach schön anzuschauen, hatte die Fontäne mit ihren Düsen für andere einen durchaus praktischen Nutzen, wie zum Beispiel für Patrick Willinger. «Ich komme sehr viel hier her im Sommer und schwimme dann meistens raus in den See mit meinen Kollegen. Dann sitzen wir jeweils auf die Düsen, das ist noch angenehm - also es fehlt jetzt schon was, so ganz ohne Springbrunnen.»

Den Springbrunnen hatte die Zürich Versicherung der Stadt 1998 aus Anlass ihres 125-jährigen Jubiläums geschenkt. Die Versicherung übernimmt den kompletten Umbau und anschliessend den Betrieb und Unterhalt des neuen Springbrunnens. Frank Keidel, der Mediensprecher der Zürich Versicherung, sagte kürzlich gegenüber der «Neuen Zürcher Zeitung», dass bereits einige sorgenvolle Anrufe eingegangen sind, die sich um die Zukunft des Springbrunnens drehten. Die Leute würden den fehlenden Springbrunnen vermissen.

Allerdings gibt es Entwarnung für Sandra, Patrick und Co. – sie müssen sich zwar noch etwas gedulden, doch die Fontäne wird ab dem Frühjahr 2019 wieder in Betrieb genommen.

Der neue Springbrunnen hat einige Neuerungen gegenüber seinem Vorgänger vorzuweisen. Man habe ein komplett neues Konzept erarbeitet, erklärt Frank Keidel in der «NZZ». In Zukunft werden zwölf runde Kugeldüsen, die wie eine Art Boje auf dem See schwimmen, Wasser in die Höhe schiessen. Sie sind dabei einzeln steuerbar und können so verschiedene Formen in den Himmel zeichnen. Der Durchmesser des ganzen Springbrunnens ist um einiges grösser als der des Vorläufers. Bisher waren 16 statische, senkrechte Fontänen im Einsatz, die fest mit dem Boden verankert waren.

Brunnen spritzt nicht höher
Eine integrierte Wetterstation soll neu die Temperatur, Regen und Wind messen und die Höhe der Fontänen je nach Windrichtung und -stärke anpassen, schreibt die «NZZ». In der Nacht wird der Springbrunnen beleuchtet, wie man es vom Vorgänger gewohnt ist. Auch die Höhe der Fontänen ändert sich mit 25 Metern nicht. Wieso denn nicht höher, wenn sowieso alles neu gemacht wird? Zum Vergleich: Die Fontäne des Jet d’eau kann bis zu 140 Meter erreichen. «Weil das ‹Aquaretum› nur wenige Meter vor der Mole, den anlegenden Booten und dem Uferweg entfernt liegt. Bei der Konzeptionierung und Umsetzung hat Zürich auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen geachtet und eng mit den Behörden zusammengearbeitet», so Riccardo Moretto von der Zürich Versicherung auf Anfrage dieser Zeitung.

Mittlerweile ist die Fontäne nicht mehr aus dem Zürcher Seebild wegzudenken. Auch nicht für Natalie Rotschi, die schon als Kind oft im Seebad zu Besuch war: «Seit ich drei Jahre alt bin, gehe ich jedes Jahr mit meinem Grosi in die Seebadi Mythenquai. Für uns gehört der Springbrunnen einfach zum Zürichsee wie das Wasser darin. Und jetzt ist es einfach nicht dasselbe Gefühl, wenn man hier ist…»
Einen Sommer lang muss die Zürcher Bevölkerung ohne ihren Engemer Springbrunnen auskommen. Zum Glück kommt es im nächsten Frühjahr wieder zurück – das verschwundene «Wahrzeichen» Zürichs.



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