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22.08.2018
Zürich West

«Das Gemeinschaftliche ist sehr wichtig»


Knapp drei Wochen vor der Premiere von «Sommernachtstraum – Und was ich sonst noch so alles verpasst habe» probte das Schalktheater fleissig im Mediacampus.

Ein Raum. Sieben Stühle. Trommelnde Musik. Langsam treten sie in das Blickfeld – die Schauspielerinnen und Schauspieler des Schalktheaters. Einer nach dem anderen. Schleichend durchqueren sie den Raum, setzen sich auf die Stühle, nur um sich gerade wieder auf den Boden zu werfen, als ob der Stuhl ein eigenartiger Fremdkörper wäre. Eine Schauspielerin richtet sich auf, läuft zum Mikrofon und beginnt, die Rollen des zu spielenden Stücks vorzustellen. So beginnt beim Probebesuch die diesjährige Produktion des Schalktheaters – ein Theater von psychisch erkrankten Menschen mit dem Ziel der Reintegration in die Arbeitswelt.

Unter neuem Berliner Regisseur

Dieses Jahr steht auf Wunsch des Ensembles ein Bühnen-Klassiker auf dem Programm: Shakespeares «Sommernachtstraum». Unter dem Namen laufen auch die kommenden Aufführungen im Kulturmarkt in Wiedikon, mit dem Untertitel «Und was ich sonst noch so alles verpasst habe».

Regisseur Malte Schlösser ist mit der eben geschilderten Szene noch nicht ganz zufrieden: «Ihr müsst euch sicher fühlen. Versucht, die Arme zu heben und nach einer Zäsur etwas schneller auf den Boden zu kommen.» Die Gesamtleitung des Theaters hat seit zehn Jahren Nina Hesse. Bis jetzt führte sie bei den Stücken jeweils selbst Regie – dieses Jahr begleitet sie die Regie von Malte Schlösser. Hesse hat an der «Accademia Dimitri» im Tessin Schauspiel studiert. Zudem ist sie ausgebildete Linklater-Stimmlehrerin. Ihr Talent stellt sie schon jahrzehntelang auf der Bühne des Schauspielhauses, des Theaters Rigiblick und des sogar Theaters wie auch im Fernsehen oder Kino unter Beweis. Beispielsweise im Kinofilm «Happy New Year» oder in der Fernsehproduktion «Altes Haus».

Nina Hesse, was hat Sie am Schalktheater gereizt?

Nina Hesse: Das alles war eigentlich gar nicht geplant. Ich wurde damals vor zehn Jahren zum Aushelfen angefragt. Beim ersten Probetraining wurde mir bewusst: Diese Leute wollen und können etwas ausdrücken! Es hat mich sehr beeindruckt, wie an so einem unperfekten Ort wie dem Proberaum schon so starke Szenen entstehen konnten.

Ziel dieses Theaters ist es ja, die Integration der psychisch kranken Schauspieler zu fördern. Schubladisiert man sie nicht erst recht, wenn ein eigenes Theater für sie geführt wird?

Es geht darum, gute Arbeitsbedingungen zu schaffen und Stabilität anbieten zu können. Dafür braucht es einen professionellen Rahmen. Wir müssen an dem Begriff «psychisch krank» arbeiten und dieses Tabuthema enttabuisieren.

Was ist im Schalktheater denn anders als in den Theatern, in denen Sie bisher verkehrt haben?

Das Gemeinschaftliche ist hier sehr wichtig. Das professionelle Team stützt die Produktion. Auch das Ensemble hat einen enormen Zusammenhalt. Das ist sehr schön. Häufig gehen sie nach den oft sehr anstrengenden Proben noch gemeinsam einen Kaffee trinken.

Friede, Freude, Eierkuchen – das sieht aber auch mal anders aus, oder?

Ja, klar. Wir haben immer mal wieder Schauspieler, die plötzlich aussteigen wollen. Sie denken auf einmal, sie schaffen das nicht. Oder sie fallen zurück in alte Muster wie zum Beispiel «Hilfe, ich habe hier keinen Raum». Oder Schauspieler müssen krankheitsbedingt aussteigen. Das kann kurz vor einer Premiere ein zusätzlicher Kraftaufwand sein, der manchmal fast nicht zu stemmen ist und nur dank dem Rückhalt des Teams zu bewältigen ist. Raum für persönlichen Austausch ist da entscheidend. Manchmal gerate ich auch selber ein wenig in einen Zwiespalt: Ich will die Schauspieler fordern, aber nicht überfordern.

Sie haben ja das Theater vor zehn Jahren stärker in die professionelle Richtung gelenkt.

Genau. Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass man auch mit psychischer Krankheit zu vielem fähig ist. Man ist nicht weniger wert in der Gesellschaft – man muss und soll eine Leistung vollbringen. Bei den Schauspielern, die ich nun schon länger begleite, sehe ich enorme technische, sprachliche, körperliche Fortschritte. Die professionellere Herangehensweise hat zusätzlich den positiven Effekt der grösseren Resonanz. Und das wiederum führt dazu, dass wir jetzt von der öffentlichen Hand unterstützt werden, was für uns Anerkennung und zugleich Entlastung bedeutet.

Zurück in die Theaterprobe: Nach der Gesamtprobe der Einstiegsszene geht Nina Hesse mit einer Spielenden ihren Text nochmals eins zu eins durch. Die Schauspielerin beginnt zu sprechen. Nach ein paar Sätzen unterbricht sie Hesse: «Kannst du dort, nach ‹Ich hatte einen Traum› zuerst einmal eine Pause machen? Das baut Spannung auf, das ist wichtig.» Die Stelle wird nochmals durchgesprochen, dieses Mal mit Pause. So geht es weiter, bis Satz für Satz so sitzt, wie er muss. (Stefanie Käser, Text und Foto)

Premiere heute Donnerstag, 23. August. Weitere Aufführungen am 24., 25., 28. und 29. Aug., jeweils um 20 Uhr. Kulturmarkt, Aemtlerstrasse 23, Wiedikon. Reservation: reservation@kulturmarkt.ch oder Tel. 044 457 10 60. Mehr Informationen unter www.schalktheater.ch oder www.kulturmarkt.ch



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