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12.09.2018 Von: Tobias Stepinski

Zürich 2

Hier haben die Lernenden das Sagen


Sie haben in der Wollishofer Postfiliale das Sagen: Die Lernenden mit Urs Schanz, der die motivierten Jungen unterstützt. Foto: Post CH AG

In der Wollishofer Postfiliale arbeiten nur Lernende. Es war die erste Poststelle dieser Art. Zehn Jahre später ziehen Lernenende und Verantwortliche Bilanz.

Von aussen sieht die Wollishofer Filiale wie eine herkömmliche Poststelle aus. Betritt man sie jedoch als Kunde, merkt man schnell, irgendetwas ist anders. Ausschliesslich Lernende bedienen und beraten die Kundschaft. Kürzlich hat die Filiale das zehnjährige Bestehen gefeiert. Vor Ort mit dabei war auch «Zürich 2».

Gleich bei der Begrüssung erklärt Urs Schanz das Ziel der Post: «Die Lernenden, sollen in die Verantwortungsrolle schlüpfen und damit erarbeiten sie sich eine gute Basis für eine erfolgreiche berufliche Zukunft.» Schanz ist einer der zwei Berater, der die jungen Angestellten bei Problemen unterstützt und sie coacht.

Die Lernenden arbeiten das erste Jahr ganz normal in einer anderen Filiale der Post. Danach, falls sie eine grössere Herausforderung suchen, können sie sich bei der Filiale in Wollishofen bewerben und dort die letzten zwei Jahre der Detailhandelslehre absolvieren. Die Auszubildenden packen direkt an und übernehmen eine breite Palette an Tätigkeiten. Sie springen ständig zwischen der Arbeit am Schalter, der Administration und sogar der des Filialleiters hin und her. «Vieles ist learning by doing», so Schanz.

Pilotprojekt bewährt sich
Die Filiale in Wollishofen war 2008 die erste mit diesem Konzept. Es wurde damals als Pilotprojekt ins Leben gerufen, obwohl man noch nicht wusste, wo es hinführen würde. Als Kunden und Lernende darauf positiv reagierten, entschied sich die Post, weitere Filialen zu eröffnen. Heute gibt es sieben Lernendenfilialen, unter anderem in Basel, Luzern, St. Gallen und der Romandie. Das Konzept konnte aber nicht überall umgesetzt werden. In der Filiale in Biel musste der Versuch bald wieder abgebrochen werden. Das Jonglieren zwischen Französisch und Deutsch in der zweisprachigen Stadt überforderte die Lernenden. Insgesamt zieht die Post aber eine positive Bilanz. «Wir hatten noch nie gröbere Beschwerden zu einer der Filialen», sagt Mediensprecher Markus Werner. In Wollishofen arbeiten zehn Lehrlinge. Probleme haben die Lernenden selten und wenn, «dann lösen sie sie im Team untereinander», sagt Urs Schanz, und fährt weiter: «Die Planung der Schultage und der Arbeitseinsätze ist nicht immer einfach.»

Verlangt ein Kunde den Filialleiter, kommt Wiederrum der Lernende, der gerade die Chef-Position innehat. Für die Stelle des Filialleiters gibt es aber eine Regelung: Der Auszubildende muss sich im dritten und letzten Lehrjahr befinden und alle zwei Monate wird gewechselt. Unterstützung bekommt der Filialleiter von seinem Coach, der ihn in die Bereiche Führung sowie Waren- und Geldbewirtschaftung einführt.

Keine weiteren Filialen geplant
Der momentane Filialleiter Samuel Domenico Papa geniesst seine Position: «So jung schon ein Team zu leiten, gibt mir Erfahrung, die ich sonst nirgendwo machen würde.» Er müsse überall ein Auge drauf werfen, weil man als Leiter schlussendlich die Verantwortung trage.

Dass der Posten des Filialleiters im Turnus vergeben wird, sieht der Filialleiter auf Zeit, obwohl er natürlich gerne bleiben würde, positiv: «Es ist für jeden und jede eine sehr gute Erfahrung, in jungen Jahren auch mal Führungsaufgaben zu übernehmen.»

Einen weiteren positiven Aspekt des Konzeptes sieht Urs Schanz bei den erfolgreichen Abschlüssen: «In den letzten zehn Jahren, haben alle – trotz der höheren Arbeitsbelastung – die Lehrabschlussprüfung erfolgreich bestanden.»

Samuel Domenico Papa weiss schon, wohin sein Weg nach der Lehrabschlussprüfung hinführen soll: «Ich werde auch nach der Lehre bei der Post arbeiten, um noch mehr Berufserfahrungen zu sammeln.»

Obwohl sich das Konzept in den letzten Jahren bewährt zu haben scheint: «Wir sind sehr zufrieden, aber weitere Lernendenfilialen planen wir nicht», sagt Post-Mediensprecher Markus Werner.



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