Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
26.09.2018 Von: Lorenz Steinmann

Züriberg, Zürich 2, Zürich Nord, Zürich West

Analyse sorgt für Freude – oder Frust

Mit Skepsis reagieren viele Quartiervereine auf die Ankündigung der Stadt, die Leistungen der 25 Quartiervereine mit externer Hilfe zu analysieren. Erfreut hingegen sind Organisationen wie die IG Hardturmquartier oder der Einwohnerverein Kreis 6.

«Die Haltung der Quartiervereine ist ziemlich anmassend», findet Erich Suter vom Einwohnerverein Kreis 6. «Sie sind nicht die alleinigen Vertreter der Quartiere, nur schon von der tiefen Anzahl Mitglieder her.» Suter, Gründungsmitglied des seit 1984 bestehenden Vereins, begrüsst das Bestreben der Stadt, die Leistungen der 25 Quartiervereine zu durchleuchten und beim Partizipationsverfahren auch «quartiervereinsähnliche Organisationen» zuzulassen. «Das haben wir uns schon immer gewünscht», erklärt Suter.

Ähnlich tönt es von der IG Hardturmquartier. «Ein Nachdenken über die eigene Leistung bietet da die grosse Chance, sich dieser Aufgabe neu zu stellen und die eigenen Strukturen zu überprüfen», so Co-Präsidentin José Wolf. Und: «Ob ‹traditioneller› Quartierverein oder nicht, es liegt in unser alle Interesse, alles dafür zu tun, die Lebensqualität im Quartier nachhaltig zu verbessern», so Wolf.
Den von der Stadt aufgegleisten Prozess begrüsst auch der Verein Hochneun aus Albisrieden. «Wir setzen uns seit vier Jahren für eine lebendige, gut vernetzte, soziale und zukunftsfähige Nachbarschaft im Kreis 9 ein», heisst es vom fünfköpfigen Vorstand auf Anfrage. «Wir zählen mittlerweile 140 Mitglieder, wovon ein grosser Teil aktiv im Quartier mitgestaltet, und gegen 700 Abonnenten unseres monatlichen Newsletters.»

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit dem Quartierverein? «Wir sind bereits jetzt mit dem Quartierverein Albisrieden gut vernetzt und tauschen uns aus. Wir sind als Verein Hochneun selber Mitglied im Quartierverein, und der Präsident des QV ist seinerseits ebenfalls bei uns Mitglied.»

«Aufwand ist erheblich»
Die etablierten 25 Quartiervereine reagieren verhalten zum angestossenen Prozess. Christian Relly, der Präsident der Konferenz aller Quartervereine, schreibt, man sei «selbstverständlich bereit, am Projekt der Überprüfung mitzuwirken – wenn auch die meisten nicht mit besonderer Begeisterung». Der Aufwand dafür sei erheblich, und die Gefahr, dass damit Kräfte gebunden werden für eine Arbeit, die den Quartieren keinen Nutzen bringt, nicht zu unterschätzen.

Ähnlich tönt es von Martin Bürki, Wollishofer Quartiervereinspräsident und amtierender Gemeinderatspräsident. Der FDP-Politiker moniert, die Stadt betreibe einen riesigen Aufwand, um ein im Grunde bewährtes System auf den Kopf zu stellen. Und: «Die Kosten der Überprüfung betragen 150 000 Franken, das ist fast die Hälfte des Betrags von 330 000 Franken, den die Quartiervereine pro Jahr bekommen. Dieses Geld könnte man sinnvoller einsetzen», so Bürki.

Gegen die Gleichstellung der Quartiervereine mit anderen «quartiervereinsähnlichen Organisationen» ist auch Urs Rauber, Wiediker Quartiervereinspräsident. Raubers Argumente: Quartiervereine arbeiten nachhaltig (statt kurzlebig, einmalig, zufällig), gemeinnützig (statt kommerziell motiviert), überparteilich (statt Partikularinteressen verpflichtet) und ehrenamtlich (statt besoldet). Die Kombination all dieser Faktoren zeichne die teils über 100-jährigen Quartiervereine aus.

Die inhaltliche Diskussion über die künftige Zusammenarbeit beginnt in wenigen Wochen. Schlussendlich entscheidet der Gemeinderat der Stadt Zürich spätestens Ende 2020, wie es ab 2021 weitergeht mit den Quartiervereinen. Momentan gilt noch die Weisung vom 29. Juni 2016.

Kolumne von Redaktor Thomas Hoffmann

Die Stadt will nebst den Quartiervereinen auch «quartiervereinsähnliche Organisationen» unterstützen. So möchte sie die Quartierbevölkerung noch besser mit einbeziehen. Aber hat sich die Stadtverwaltung eigentlich überlegt, was sie selbst dazu beitragen kann? Wohl nicht, denn sie gleiste das Mitwirkungsverfahren eigenmächtig auf, ohne ihre bisherigen Partner, die Quartiervereine, mit einzubeziehen. Herausgekommen ist ein aufwendiges Prozedere mit zwei Grosskonferenzen und fünf Treffen einer sogenannten Spurgruppe. Für dieses arbeitsintensives Vorgehen wird die Stadt ihre Angestellten bezahlen, aber die Vertreter der Vereine müssen diesen Aufwand ehrenamtlich bewältigen.
Den 25 Quartiervereinen zahlt die Stadt insgesamt bescheidene 330 000 Franken pro Jahr. Dafür erhält sie eine enorme Gegenleistung. Allein der Quartierverein Wiedikon organisiert im Jahr über 20 Anlässe, die von fast 1500 Personen besucht werden. Noch wichtiger ist allerdings die Vermittlungsarbeit der Quartiervereine. Sie nehmen Anliegen der Bürger auf, wirken an unzähligen Sitzungen bei Bau- oder Verkehrsprojekten mit. Da würde es der Stadt gut anstehen, diesen Vereinen künftig ein bescheidenes Sitzungsgeld zu bezahlen. Was sie natürlich nicht tun wird. Denn die Stadt schreibt, dass es weder mehr noch weniger Geld geben wird. Um die 330 000 Franken buhlen also nebst den Quartiervereinen bald auch die «quartiervereinsähnlichen Organisationen» (siehe nebenstehenden Artikel). Somit ist der Fall für die Quartiervereine klar: Sie können nur verlieren.
Wie konnte es so weit kommen, dass diese teils über 100-jährigen Vereine um ihre Bedeutung als Sprachrohr der Quartierbevölkerung bangen müssen? Die Antwort findet man im Kreis 5. Dort hat sich der Quartierverein unter seinem früheren Präsidenten oft nicht an Vorgaben gehalten. Da hätte die Dachorganisation der Quartiervereine vehement einschreiten müssen – aber die Quartierkonferenz Zürich darf den einzelnen Quartiervereinen keine Vorschriften machen. Zudem wollte im Kreis 5 die Interessengemeinschaft Hardturmquartier als Quartierverein aufgenommen werden. Doch eine klare Mehrheit der 25 Quartiervereine lehnte ab, vielleicht weil sie befürchtete, ihr Anteil an den 330 000 Franken der Stadt werde kleiner. Damit signalisierten sie wenig Reformwillen. Jetzt spricht die Stadt ein Machtwort. Sie lanciert ein Mitwirkungsverfahren, zu dem sie mehrere «quartiervereinsähnliche Organisationen» ins Boot holt. Die 25 Quartiervereine wollen bei diesem Prozedere mit einer gemeinsamen Strategie auftreten. Ob ihnen das gelingt, muss bei der schwachen Führungsstruktur bezweifelt werden.

 



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