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26.09.2018 Von: Melanie Büchi

Zürich West

Durch Zürich spazieren und Geschichten erleben


Max Frisch hatte eine Abneigung gegen «das quälende Erklingen der Münsterglocken.» Blick von der Quaibrücke aufs Grossmünster. Foto: Melanie Büchi

Bux ist eine kostenlose App, die Literatur erleben lässt. Benutzer begeben sich in Zürich auf eine spannende Zeitreise und erkunden Orte, die in Werken Schweizer Autoren eine Rolle spielen. 

Melanie Büchi

Die Stadt Zürich ist eine Inspirationsquelle für Schweizer Literaten. Mit Bux können Benutzerinnen und Benutzer in die fiktionale Welt der Romane eintauchen und Zürich in einem neuen Licht erleben. Die App enthält eine Auswahl an Routen und eine ausführliche Karte, die das Auffinden der Destinationen erleichtert. Bei der Ankunft beschreiben Videos und Sprachaufnahmen die literarischen Hintergründe dieser Orte.

Ein Gefühl für Heimat entwickeln

Es werden geschichtliche, aber auch moralische Aspekte der Romane erläutert. Ein Beispiel ist die Bedeutung von Heimat. Was ist Heimat? Der Zürcher Autor Max Frisch machte sich auf die Suche nach der Antwort dieser immer widerkehrenden Frage. Vom Schauspielhaus bis hin zur Grossmünsterkirche illustriert die App durch Zitate und Passagen Frischs Hassliebe für seine Heimatstadt. Frisch vermittelt seinen Konflikt: Seine Bewunderung für die «betörende Schönheit des grünlichen Zürichsees» und seine Abneigung gegen «das quälende Erklingen der Münsterglocken.»

Die Zuhörer dieser Route sollen beim Besuchen der Sehenswürdigkeiten ein Gefühl für Heimat entwickeln. Gemäss Frisch hat Heimat eine individuelle Bedeutung und wird unterschiedlich wahrgenommen. Sie könne auch in Verbindung mit Familie stehen oder im Ausland gefunden werden. Ziel der Tour soll sein, sich zu überlegen, was Heimat für einem selbst bedeutet.

Bei der Kollerwiese in Wiedikon liess sich Thomas Meyer inspirieren und hörte zum ersten Mal den Namen «Motti». So entstand die Hauptfigur seines Liebesromans «Wolkenbruch». Die Geschichte handelt von einem jungen orthodoxen Juden aus Zürich, Motti Wolkenbruch, der sich in eine Nichtjüdin verliebt und für die Zustimmung seiner Familie zu kämpfen hat. Zwei verschiedene Kulturen, die zusammentreffen, ist für Meyer kein fremdes Konzept. Als Schweizer Schriftsteller mit jüdischen Wurzeln nimmt er den Zuhörer mit auf eine informative Reise, in der kulturelle Hintergründe dieses Stadtviertels und die Entstehung seines emotionsreichen Romans angesprochen werden. Diese Route umfasst Synagogen, Koscher-Läden und Bibliotheken, die Meyer in seiner Kindheit besonders prägten. Benutzer erhalten ein Gespür für die jüdische Kultur und einen Einblick in Mottis Liebeskummer. Der Weg endet beim Volkshaus-Café und erlaubt es den Bux-App-Nutzern, sich Motti und seinen besten Freund Lorenzo beim Kaffeetrinken vorzustellen.

Korruption und Geheimnisse

Martin Suter geht in seinem Roman Montecristo auf das Thema Korruption ein. «Man kann niemandem vertrauen, denn jeder berücksichtigt in erster Linie sich selbst.» Mit dieser Feststellung startet seine Führung. Im Zug wird ein Mann ermordet und Journalist Jonas Brand, Hauptcharakter von Montecristo, entdeckt einen Koffer, gefüllt mit Banknoten. Was soll er mit diesem Geld machen? Selbst behalten? Dieser szenische Einstieg im Roman soll zum Nachdenken über die eigene Moral führen. Suter will die Botschaft vermitteln, dass die Mehrheit der Menschen einem Luxusleben nachstrebt und aus Eigeninteresse nicht immer zwingend die moralisch richtigen Entscheidungen treffen will.

Die Tour fängt im Hauptbahnhof vor dem Zug Richtung Basel an, in dem das Delikt von Suters Krimigeschichte stattfand. Das Zürcher Rathaus wird in Suters Roman auch neu geschildert, denn in diesem Gebäude treffen sich Finanzverantwortliche und besprechen geheime Angelegenheiten, die den Raum nicht verlassen dürfen. Suter will seine Leser dazu animieren, sich nicht vom Äusseren beeindrucken zu lassen. Viele Menschen würden vom Konsum und der Pracht des Reichtums geblendet.

Suter prüft diese Feststellung: Seine Route führt auch entlang der Schaufenster luxuriöser Läden in der Bahnhofstrasse. Dort werden die Zuhörer mit Gegenständen konfrontiert, von denen sie sich höchstwahrscheinlich hingezogen fühlen werden. Dies soll beweisen, dass der Materialismus in uns lebt.

Nur für Deutschsprechende

Bux eignet sich für Literaturliebhaber und hebt gleichzeitig Ortschaften und Aspekte hervor, die im Alltagsleben übersehen werden können. Wer Zürich aus einem neuen Blickwinkel erleben möchte, kann sich nun dank Bux auf eine faszinierende Reise begeben. Aufgrund der fehlenden Sprachauswahl und Untertitel eignet sich diese App weniger für Touristen, die Deutsch nicht verstehen. Und wenn man Informationen oder eine kurze Wegbeschreibung verpasst, kann man nicht zurückspulen.

Insgesamt bestehen elf Routen mit Spaziergängen, die 50 bis 75 Minuten dauern. Bux ist in Zusammenarbeit von Zürich Tourismus, der Universität St. Gallen, Dreipol und einer Zürcher Agentur für digitale Produktion entstanden. 



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