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26.09.2018
Zürich West

Pädagogisches aus der Schulzeit von einst


Bruno Schlatter-Gomez. Foto: zvg.

Der pensionierte Pressefotograf Bruno Schlatter-Gomez aus Albisrieden ist zugleich ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler. In der Rubrik «Brunos Kurzgeschichte» schildert er regelmässig heitere Anekdoten aus drei Generationen. 

Bruno Schlatter-Gomez

An meine Schulzeit erinnere ich mich noch sehr gut. 1. bis 3. Klasse im neu gebauten Schulhaus Untermoos. Wir sangen als Erstklässler bei der Einweihung 1955 sogar ein Lied, an dessen Name ich mich jedoch nicht mehr erinnere. Aber an unseren Lehrer Weber umso besser. Ein kleines schrulliges Männlein mit einer runden, fast randlosen Brille. Und er kam uns uralt vor. Er untermalte den Musikunterricht mit liebevollen Klängen, die er seiner Geige entlockte. Weniger liebevoll ging er mit uns Kindern um, wenn unser Benehmen nicht seinen Vorstellungen entsprach. Dann hiess es antraben vor der schwarzen Wandtafel. Er griff zum Bambusstöckchen und schlug uns kräftig vor der ganzen Klasse. Die Mädchen auf die flache ausgestreckte Hand, die Buben auf die Knödli. Ich kam öfters dran. Was von meinem Zwillingsbruder Ueli, in derselben Klasse wie ich, zu Hause immer sofort brühwarm erzählt wurde. Zu dieser Zeit, als auch eine kräftige Ohrfeige in den Schulen geduldet wurde, machten unsere Eltern kein grosses Aufsehen. «Du wirst es verdient haben», meinte meine Mutter meistens trocken. Meine Eltern aber schlugen uns nie.

Erfahrungen mit pädagogischen Erziehungsmethoden brachte ich schon aus dem Kindergarten mit, damals im Albisriederhaus untergebracht. Unsere Lehrerin, Frau Meier, für uns Kinder war sie sehr alt, sie hatte schon graue Haare und diese zu einem «Riebel» hochgesteckt. Sie war auch immer grau angezogen. Aber sie hatte Humor, sie lachte viel mit uns.

Dass ich einmal einen ganzen Morgen von ihr gedrillt wurde, ja es flossen sogar Tränen, bis ich die Schuhe selbstständig binden konnte, daran erinnere ich mich bis heute noch. Sie schlug uns nie. Wer wirklich ungezogen war, wurde in den grossen, grauen Wandschrank gesperrt. Er war eher ein winziges Zimmer mit drei grossen runden Löchern, durch die man mit einem Auge einen Teil des Klassenzimmers sah. Es war aber trotzdem unangenehm dunkel. Diese Strafe galt nur für die Buben. Die Mädchen mussten in die Ecke stehen.

Als ich wieder einmal im Kasten war und ihr aufbewahrtes Mittagessen, ein Birchermüesli in einem Glasgefäss mit Deckel, erblickte, wollte ich sie strafen. Obwohl ich Birchermüesli bis heute nicht gerne habe, ass ich es mit dem Löffel, der dabei lag, auf. Heimlich im Kasten versteht sich. Als sie mich wieder raus liess, sah sie es sofort. Ihr Gesicht verfinsterte sich und sie rollte mit den Augen. Das tat sie immer, wenn sie wütend war. Ich erwarte etwas ängstlich ein grosses Donnerwetter. Doch Frau Meier entspannte sich und zu meinem Erstaunen begleitete sie mich wortlos nach Hause und klingelte an unserer Tür. Ich sicherheitshalber im Hintergrund. «Grüezi, Frau Schlatter, ich esse heute bei Ihnen das Mittagessen, wenn es recht ist, Ihr Bruno hat mein Birchermüesli gegessen.» Meine Mutter zuckte mit keiner Wimper, tischte einen Teller mehr auf, und wir hatten eigentlich ein vergnügtes Essen. Dazu muss ich sagen, dass Ueli, mein Bruder, voraus rannte und meine Mutter informierte. «Frau Meier kommt, Bruno hat ihr Essen gefressen!» So oder so, ich fand meine Mutter und die Kindergärtnerin, heute wurde man sagen, «echt cool».

 



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