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03.10.2018 Von: Pia Meier

Zürich Nord, Züriberg, Zürich 2, Zürich West

Migrationskonferenz: «Es braucht das kommunale Ausländerstimmrecht»


Zürich ist eine Stadt, die mehrheitlich aus Minderheiten besteht. Foto: mai

Bei der Zürcher Migrationskonferenz standen die 30- bis 39-Jährigen im Mittelpunkt. Die Forderungen dieser grössten Altersgruppe an die Stadt unterscheiden sich vom Rest der Bevölkerung. Sie ist von demokratischen Prozessen jedoch weitgehend ausgeschlossen.

Die Zürcher Migrationskonferenz greift jedes Jahr Fragestellungen auf, die sowohl aktuell als auch für die Zukunft der Stadt von Bedeutung sind. Speziell an der diesjährigen Konferenz war, dass die Dienstabteilung Stadtentwicklung Zürich in ihrem aktuellen bereichsübergreifenden Projektzyklus «Stadt der Zukunft» die Fragestellung der 30- bis 39-Jährigen aufgriff. Diese Gruppe ist ausgesprochen mobil. Sie bietet sich exemplarisch an, um für die Zukunft der Stadt Zürich wichtige Fragestellungen und Herausforderungen zu diskutieren. Diese Menschen benötigen auch keine traditionellen Integrationsmassnahmen.

Grösste Altersgruppe
Die 30- bis 39-jährigen Zürcherinnen und Zürcher machen mit 90 000 Personen die grösste 10er-Altersgruppe in der Stadt Zürich aus, wie Christof Meier, Leiter Integrationsförderung der Stadt Zürich, festhielt. Die meisten von ihnen sind im Ausland geboren und im Erwachsenenalter nach Zürich gezogen: 37 Prozent aus dem Ausland und 57 Prozent aus anderen Teilen der Schweiz. Sie sind in über 160 Ländern geboren. Sie leben mehrheitlich in kinderlosen Haushalten, arbeiten vorwiegend in akademischen Berufen und sind häufiger als andere konfessionslos. Ihre Wohnorte sind mehrheitlich in den Kreisen 11, 3 und 9. Die 30- bis 39-Jährigen haben andere Forderungen an die Stadt als die Gesamtbevölkerung, sind aber fast zur Hälfte von demokratischer Mitwirkung ausgeschlossen, das heisst, ihr Anteil an Personen ohne Stimm- und Wahlrecht ist mit 46,7 Prozent überdurchschnittlich hoch. Sonst liegt der Ausländeranteil in Zürich bei einem Drittel. Ihre grössten Probleme sind gemäss Umfragen Verkehr und Wohnungsprobleme. Ihre Wünsche an die Stadt sind Förderung des Veloverkehrs, Gleichstellung von Mann und Frau, Integration der ausländischen Wohnbevölkerung, Verkehrsberuhigungsmassnahmen, Verbesserung der Umweltsituation, Gestaltung Stadtbild und öffentlicher Raum.
Ein Videoporträt der Fotografin und Videokünstlerin Thi My Lien Nguyen mit 30- bis 39-Jährigen ergänzte die Ausführungen von Meier. Weiter äusserten sich drei Frauen, die selbst zwischen 30 und 39 Jahre alt sind.

Mehrheitlich aus Minderheiten
Zudem wurde an der Zürcher Migrationskonferenz festgehalten, dass die Entwicklung in der Stadt Zürich in eine Richtung geht, in der die migrantische Bevölkerung als Ganzes zwar eine Mehrheit bildet, es aber letztlich keine homogenen Mehrheiten mehr gibt. Zürich ist zu einer Stadt geworden, die mehrheitlich aus Minderheiten besteht und die angesichts ihrer inneren Vielfalt mit dem Begriff der Superdiversität beschrieben werden kann. Steven Vertovec, Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen, hat diesen Begriff erstmals verwendet. Dies ist ein globaler Prozess. Damit ist die zunehmende Vielfalt an ethnischen, sprachlichen und religiösen Hintergründen, kombiniert mit der in diesem Ausmass neuen Migration von Hochqualifizierten, gemeint. Der traditionelle Integrationsbegriff ist für Vertovec überholt, wie er festhielt: Spracherwerb, soziale Netzwerke, der Zugang zu Jobs, Bildung und Gesundheitssystem brauche es nicht mehr im gleichen Ausmass wie früher. Stadtplanerische Bemühungen, Begegnungen im Alltag zu fördern, seien wichtig, ebenso freundliche Umgangsformen. Er forderte auch das Ausländerstimmrecht auf kommunaler Ebene: Das in Zürich fast 50 Prozent der 30-39-Jährigen ohne politische Stimme sind, sei problematisch.



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