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03.10.2018
Zürich 2, Zürich Nord, Zürich West, Züriberg

Stadt will vor allem Fussgängerwege ausbauen


Oft kommen sich in Zürich Autos, Velos und Fussgänger in die Quere, wie hier oberhalb des Wipkingerplatzes. Die Stadt will nun den Fussgängerinnen und Fussgängern mehr Platz einräumen. Foto: Lorenz Steinmann

Die Stadt Zürich hat eine Revision des kommunalen Verkehrs-Richtplans vorgelegt. An einer öffentlichen Veranstaltung betonten die Herausgeber, man wolle bis 2040 vor allem die städtischen Fussverbindungen ausbauen.

Im kommunalen Richtplan Verkehr geht es um sogenannte «Netzergänzungen zur Erschliessung der Quartiere». Dies beinhaltet den motorisierten Individualverkehr, den öffentlichen Verkehr, den Velo- und den Fussverkehr. Was wie in der von der Stadt überarbeiteten und jetzt diskutierten Version gewichtet wurde, war am Montagabend Thema einer öffentlichen Veranstaltung. Dabei kam durchaus Erstaunliches zutage: Richard Wolff, seit wenigen Monaten Chef des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements und damit auch oberster städtischer Verkehrsplaner, gab sich zurückhaltend kämpferisch. «Wir befinden uns in einer Zeitwende. Wir müssen vorwärtsmachen – mit oder ohne Kanton.» Er sprach damit ein gewichtiges Problem an. Denn der Kanton ist und bleibt übergeordnete Instanz, wenn es um die Verkehrsplanung geht. «Wo ist unser Spielraum?», fragte Stadtrat André Odermatt (Hochbau) in seinem Eingangsreferat rhetorisch und beschrieb damit das Dilemma. Freimütig gaben Wolff und Odermatt preis, man habe Felder gesucht, die man «alleine gestalten und aufwerten könne». Da der Kanton, salopp gesagt, bei jeder grösseren Strasse bauliche Änderungen bewilligen muss, erstaunt es nicht, dass sich die Stadt bei ihrer Revision des kommunalen Verkehrs-Richtplans vor allem auf den Ausbau des Fussverkehrsnetzes konzentriert. Katrin Gügler, Direktorin des Amts für Städtebau, bestätigte, man wolle mit einem engmaschigen Wegnetz die Zirkulations- und Aufenthaltsqualität verbessern. Ulrike Huwer, Co-Präsidentin der Schweizerischen Vereinigung der Verkehrsingenieure und Verkehrsexperten, ergänzte: «Fussgänger brauchen auch Platz, doch dort wird platzmässig am meisten gespart.»

«Einen Gemeinderat suchen»
Im kommunalen Richtplan Verkehr wird auf den Fussverkehr demnach grosses Gewicht gelegt. Für jedes Quartier ist detailliert aufgelistet, wo welche Verbesserung geplant ist. Vilmar Krähenbühl, Direktor des Tiefbauamts, betonte leicht launisch, es liege nun an der Bevölkerung, sich einzubringen. Er gab folgenden Tipp ab: «Die erste Frage ist, den eigenen Wohnort in der Stadt zu suchen. Dann würde ich einen Gemeinderat suchen und ihm sagen, dass man diesen oder jenen Punkt umgesetzt haben möchte.» Oft brauche es für den behördenverbindlichen Verkehrsrichtplan nämlich einen Anstoss von aussen, so Krähenbühl.
Und wo bleibt der Motorisierte Individualverkehr (MIV)? Für Krähenbühl steht fest: Trotz den prognostizierten 25 Prozent mehr Einwohnern für Zürich bis 2040 will man nicht, dass der MIV zunimmt. «Schon heute leben 53 Prozent der Stadtzürcher ohne Auto», so Krähenbühl. Und der Pendlerverkehr aus der Agglomeration? «Wir haben sogenannte Tropfenzähler an den Einfallsachsen, also Verkehrssignale.» So gebe es keine Überlast und die Stadt «werde nicht von Autos überflutet».
Beim öffentlichen Verkehr sieht Krähenbühl Nachholbedarf bei den VBZ-Bussen. «Wir sind schlechter unterwegs als vor fünf Jahren, oft müssen die Busse mit dem MIV mitfahren und stehen im Stau.» Darum seien das Tram wie auch die S-Bahn das idealere öffentliche Verkehrsmittel.
Eigentlich hat sich die Stadt die Veloförderung auf die Fahne geschrieben. Laut dem Masterplan Velo will der Stadtrat den Veloverkehr bis 2025 verdoppeln. Zudem hat eine aktuelle Umfrage der Stadtentwicklung ergeben, dass die 30- bis 39-jährigen Zürcherinnen und Zürcher – ein wichtiger Teil der Bevölkerung – bessere Veloverbindungen wünschen. Trotzdem wird der Veloverkehr im Entwurf spürbar allgemeiner abgehandelt als der Fussverkehr. Für Dave Durner, Geschäftsführer von Pro Velo Zürich, ist klar: «Für uns kommt das Velo zu kurz. Wir werden noch diverse Strecken zur Aufnahme in den Richtplan vorschlagen. Ausserdem verlangen wir auch stärkere Velo-Gewichtung im Textteil, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Veloparkierung.»

Noch bis 22. November
Wie geht es nun weiter? Die öffentliche Auflage des kommunalen Richtplans Verkehr dauert noch bis zum 22. November. Der Bericht und die Pläne sind im Amtshaus V am Werdmühleplatz 3 (4. Stock) einzusehen. Online ist der Bericht nicht ganz einfach zu finden. Mit den Stichworten «Stadt Zürich TED Planauflage» klappts. Mitdiskutieren können nicht nur Parteien und Verkehrsverbände. Auch Einzelpersonen können Änderungswünsche einbringen. Dann geht der bereinigte Verkehrsrichtplan in den Gemeinderat. Das letzte Wort hat der Regierungsrat. In Kraft tritt der Verkehrsrichtplan frühestens 2020.

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Carparkplatz: Stadt will Standort nach Altstetten verlegen

Der heutige Carparkplatz am Sihlquai liegt in Gehdistanz zum Hauptbahnhof und ist deshalb bei den Reisenden sehr beliebt. Seit Juni 2018 gehören zudem die hier haltenden Fernbusse von Swiss-Express (ehemals Domo-Reisen) zum öffentlichen Verkehr. Die Zahl der Benutzer ist also nochmals deutlich angestiegen, weil hier der Umstieg Bahn/Bus perfekt funktioniert. Trotzdem will die Stadt den Standort an die Aargauerstrasse in Zürich-Altstetten verlegen.
Im Entwurf zum städtischen Verkehrsrichtplan ist die Aargauerstrasse als künftiger Standort des «Reisebus-Terminals» eingetragen. Die eine Zeit lang diskutierte Alternative auf dem Gelände der heutigen Kehrichtverbrennungsanlage Josefstrasse wurde beerdigt. Die Stadt ist überzeugt, dass der neue Standort ideal ist. Mike Sgier vom Tiefbaudepartement: «Das Areal Aargauerstrasse beim Bahnhof Altstetten hat eine der besten öV-Anbindungen Zürichs und entspricht vollständig den Anforderungen nach einer sehr guten öV-Anbindung.» Zudem sei der Standort ausgezeichnet ans übergeordnete Strassennetz angebunden. Eine Forderung, die im Kantonalen Verkehrsrichtplan festgehalten ist.
Auch Nicole Barandun von der IG Kongress ist vom Standort überzeugt. «Die IG Kongress ist der Meinung, dass der Carparklatz am jetzigen Standort eigentlich am falschen Ort angesiedelt ist.» So begrüsse man es, wenn sich die Stadt Zürich ebenfalls Gedanken dazu macht. Barandun: «Wir sind ebenfalls der Meinung, dass der Busterminal an einem Standort anzusiedeln ist, der mit dem öV gut erreichbar ist und auch dem Teil des Busverkehrs, der als öV zu qualifizieren ist, einwandfreie Umsteigemöglichkeiten bietet.» Der Standort in Altstetten erfülle diese Voraussetzung zweifellos. Die IG Kongress will am heutigen Standort des Carparkplatzes ein Kongresszentrum realisieren. Die Abstimmung darüber findet voraussichtlich 2019 statt. (ls.)

 



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