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10.10.2018 Von: Jakob Metzler

Zürich 2

Engemer Kanti-Schüler wurden zu Politikern


Während der staatsbürgerlichen Woche an der Kantonsschule Freudenberg im Enge-Quartier stimmten die Schülerinnen und Schüler über eigens formulierte Massnahmen ab. Foto: Jakob Metzler

Wie kann man langweilige Fakten spektakulär klingen lassen? An der Politik-Projektwoche der Engemer Kantonsschule Freudenberg schlüpften die Schülerinnen und Schüler in die Rolle etablierter Politikerinnen und Politiker.

«Die Jugend interessiert sich nicht mehr für Politik», heisst es immer wieder. «Entweder geht es Schülern viel zu gut oder sie hängen nur an ihren Smartphones.» So oder so ähnlich könnte man sich ein Stammtischvotum zum Thema der angeblichen Politikverdrossenheit der Jugend vorstellen. An der Kantonsschule Freudenberg im Enge-Quartier zeigten die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen während der «Staatsbürgerlichen Projektwoche», kurz Stabü, dass man es auch anders sehen kann.
Statt einer wöchentlichen Lektion Staatskunde veranstaltet die Fachschaft Geschichte der Kantonsschule jedes Jahr eine Stabü zu aktuellen politischen Themen. Dieses Mal verteilten sich die Gymnasiasten auf die grössten Schweizer Parteien, erarbeiteten Vorschläge, diskutierten diese in einer «Parlamentssitzung» und stimmten darüber ab. Inhaltlich wurde das Thema «Politischer Extremismus» behandelt, begleitet durch Vorträge verschiedener Experten.
Laut Hauptleiter Patrick Hersperger war es dabei zentral, dass zuerst «Factsheets» zu Themen wie Linksextremismus oder Rechtsextremismus verfasst und Präventionsmassnahmen formuliert wurden, bevor man sich in Parteien aufteilte. «Die Themen sollten zu Beginn grundsätzlich angeschaut und objektiv erarbeitet werden, bevor diese Objektivität zwangsweise durch die Parteienperspektive verloren ging», erklärte der Geschichtslehrer.

Parteien glaubhaft vertreten
Obwohl die Schüler Anfang der Woche möglichst wissenschaftlich genau gearbeitet hatten, klappte der Rollenwechsel: In der abschliessenden Debatte am Freitagmorgen vertrat jeder «seine» Partei glaubhaft. Linda Steiner, Medienverantwortliche der Politikwoche, war überrascht, wie sehr sich jeder und jede die Debatte zu Herzen nahm. «Ich hatte befürchtet, dass die Reden einfach nur heruntergelesen würden», sagte sie. Es sei wie ein Schauspiel, befand sie weiter. Das Vertreten von Meinungen, die man persönlich nicht teile, sei schliesslich eine grosse Herausforderung.
Immer wieder wurde in den Reden auf typische Formulierungen zurückgegriffen, die man sich genauso gut aus der damit vertretenen Partei hätte vorstellen können. Ein Schüler sprach so von «ehrlich politisch engagierten Hausbesetzern» in einer Rede zur «Zwischennutzung leerstehender Häuser». Beim Thema «Wahl von Repräsentanten für ethnische Minderheiten» pfefferte eine Schülerin aus der gegenüberliegenden Fraktion: «Das Schweizer Volk vertritt die Schweiz und das ist gut so.»

Abstimmungen waren knapp
Ab und zu gab es einen Lacher, wenn sich die Rednerinnen besonders pointiert ausdrückten, trotzdem schienen alle ihre Aufgabe ernst zu nehmen und hielten sich grösstenteils möglichst an die politische Realität. Niemand kam auf die Idee, die Sozialistische Republik Schweiz auszurufen oder pauschal alle Ausländer auszuschaffen. Derweil waren die meisten Massnahmen umkämpft. Es gab jeweils Wortmeldungen und kurze Diskussionen. Dies spiegelte sich am Ende in den grösstenteils knappen Abstimmungen. So wurde der «Dauerbrenner» schülerischer Vorschläge, die Legalisierung von Marihuana, überraschend knapp angenommen (23 Ja- zu 20 Nein-Stimmen). Die Schaffung einer nationalen polizeilichen Stelle, die Rassismusvorfälle im Internet untersuchen sollte, wurde hingegen knapp abgelehnt, nachdem Zensur-Vorwürfe aufgekommen waren (23 Ja- zu 24 Nein-Stimmen).

Zum Abschluss stimmten die Schülerinnen und Schüler nochmals über alle Massnahmen ab – diesmal jedoch ohne Parteienbindung. Interessanterweise änderten sich die meisten Ergebnisse nicht, ausser dass es teilweise etwas deutlicher wurde. Viele Argumente hatten offensichtlich verfangen.
Abschliessend waren sowohl Hauptleiter Patrick Hersperger als auch die Medienverantwortliche Linda Steiner glücklich mit der Projektwoche. Beide freuten sich besonders über die grosse Motivation der Schülerinnen und Schüler. Diese seien allgemein begeistert von der Stabü. Sie hätten sich aktiv eingebunden gefühlt und eine gewisse Verantwortung gespürt, so Steiner. «Schüler haben so viel mehr Potenzial als einfaches Herumsitzen und Zuhören», fügte sie an.



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