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24.10.2018
Zürich West

Vom Bund gab es Gold lange vor dem Ziel


Ein ausgezeichneter Bau: Weil Teile der Fassade ungenau gefertigt waren, standen die Arbeiten an der Hohlstrasse 100 monatelang still. Bauherrschaft und Planer sind nach wie vor zerstritten. Foto: David Herter

Das Haus an der Hohlstrasse erhielt vom BFE einen Preis für «Energieexzellenz». Die Bauherrschaft nahm den Preis aber nicht entgegen. Im Februar soll das Gebäude endlich fertig sein. 

David Herter

Eigentlich hätten die 69 Ein- bis Dreieinhalbzimmerwohnungen im Herbst 2016 fertiggestellt sein sollen. Nun wird für die Wohnungen an der Hohlstrasse 100 wieder Werbung gemacht. Bezogen werden können sie im kommenden Februar.
Wohnen werden die neuen Mieterinnen und Mieter in einem Haus, das vom Bundesamt für Energie (BFE) lange vor Abschluss der Bauarbeiten mit dem «Watt d’Or»-Preis ausgezeichnet wurde, dem «Gütesiegel für Energieexzellenz». Das Planungsteam der Dietrich Schwarz Architekten AG habe «mit kluger und umsichtiger Planung ... zahlreiche unkonventionelle Lösungen umgesetzt», schreibt das BFE. Gemeint sind die flächige Anwendung eines Isoliergels und der erstmalige Einsatz von ultradünnen Vakuumisolierfenstern.

Die Bauherrschaft mag sich an der Goldmedaille nicht freuen. Dies, obwohl die Zürcher Independent Capital Group ihr Geld bewusst in nachhaltige Projekte investiert und nach wie vor überzeugt ist, dass die Isolation funktionieren wird. Man sei erstaunt gewesen über den Preis, teilt die Bauherrschaft mit. Das BFE habe das Isolationskonzept der Planer ausgezeichnet, «ohne zu wissen, ob es funktioniert». Das sei umso verblüffender, als zum Zeitpunkt der Preisvergabe im Januar die Probleme bei der Montage bekannt gewesen seien. Weil Teile der Fassade ungenau gefertigt waren, standen die Arbeiten monatelang still.
Zum Zeitpunkt der Preisvergabe waren nicht nur die Probleme bei der Montage bekannt. Bekannt war auch, dass sich Bauherrschaft und Architekten deswegen verkracht und ihre Zusammenarbeit beendet hatten («Zürich West» vom 5. November 2017). An der Preisverleihung in Bern nahm die Bauherrschaft nicht teil. Auch neun Monate später ist der Streit ungelöst. Worum es im Detail geht, sagen die Parteien nicht.

«Krumme Wende»

«Ich freue mich, wenn das Haus bald bewohnt ist und die Sache auf dieser Ebene zu einem Abschluss kommt», sagt Architekt Dieter Schwarz. Er ist von seinem Projekt noch immer überzeugt und der Meinung, sein Büro habe dafür zu recht den «Watt d’Or»-Preis erhalten. Am Anfang der Probleme hätten handwerkliche Mängel gestanden, sagt Schwarz. Teile der Gebäudehülle seien in ungenügender Qualität angeliefert worden. In der Folge habe das Projekt «eine krumme Wende genommen».

Das für die Gebäudehülle angewandte Konzept bleibe aber zukunftsweisend, sagt Schwarz. Gerade für die angestrebte Wohnraumverdichtung in den Städten eigne es sich ausgezeichnet. Wenn Wände bei gleichbleibender oder besserer Wärmedämmung dünner gebaut werden könnten, bleibe mehr Raum zum Wohnen. Den Silicium-Werkstoff Aerogel und die Vakuumisolierfenster hat Schwarz mittlerweile auch andernorts verbaut – mit Erfolg, sagt er. Das Gebäude in Meilen sei bereits bewohnt. Schlüssel für den Erfolg sei die Zusammenarbeit mit ausgewiesenen Fachleuten gewesen.

Den «Watt d’Or» habe sein Büro für die Anwendung von innovativen Lösungen erhalten, nicht für die Architektur, sagt Schwarz. «Der Preis ging an uns und an die Bauherrschaft.» Einer gemeinsamen Feier seien leider die besagten Differenzen im Weg gestanden. Das sei gleichermassen schade für beide Beteiligte.

«Eine Momentaufnahme»

Der «Watt d’Or» sei eine Momentaufnahme, sagt Marianne Zünd, Leiterin Abteilung Medien und Politik beim Bundesamt für Energie. «Ausgezeichnet werden innovative Konzepte, Produkte und Projekte, die zum jeweiligen Zeitpunkt überzeugen.» An der Hohlstrasse sei zum Zeitpunkt der Preisvergabe ein Grossteil der Arbeiten bereits gemacht gewesen. «Die wichtigsten innovativen Elemente waren installiert», sagt Zünd. Der Bau sei nicht dadurch, sondern vor allem wegen des zerstrittenen Konsortiums verzögert worden.

«Bisher wurde noch nie ein ‹Watt d’Or› nachträglich wieder abgesprochen», sagt Zünd. Dies, obwohl es schon vorgekommen sei, dass die ausgezeichnete Innovation nicht alle Erwartungen erfüllen konnte. Das liege aber in der Natur von Innovationen. «Der ‹Watt d’Or› soll deshalb gerade Mut machen, neue Konzepte und Ideen umzusetzen.» 



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