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25.10.2018 Von: Arthur Phildius

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Ältere Personen werden oft unterschätzt»


Zwar öffnet der SBB-Schalter in Erlenbach nie mehr. Aber Bahnhöfe wie Küsnacht, Billettautomaten, Rund-um-die-Uhr-Telefonkundendienst und SBB-App versorgen Bahnreisende weiterhin mit allem, was sie brauchen. Foto: Arthur Phildius

Seit Monatsbeginn bleibt die Tür zum SBB-Schalter in Erlenbach zu: Zuletzt wurde er zu wenig genutzt. Bevölkerung und Gemeinderat bedauern es. Die SBB steht mit Schulungen und dem Railservice zur Seite.

Am 28. September um 18 Uhr war im Bahnhof Erlenbach etwas anders als sonst: Der SBB-Mitarbeiter schloss die Tür zum Billettschalter nicht nur fürs freie Wochenende, sondern für immer. Gleich tat es ihm auch sein Kollege in Zürich-Tiefenbrunnen.
Was genau mit den nun freien Räumen geschehen soll, bleibt laut den SBB offen, bis diese Gebäude sorgfältig analysiert sein werden. «Der Gemeinderat bedauert die Aufgabe des Bahnhofschalters», kommentierte die Behörde im «Erlenbacher Dorfbott» kurz und knapp. «Gegen den Entscheid der SBB besteht keine Rekursmöglichkeit.»

«Schlechte Nachricht»
Ausführlicher äusserten zufällig Befragte, alles Erlenbacher, am Bahnhof ihre Meinung. Die klang fast einhellig: «Das ist eine ganz schlechte Nachricht für die Leute hier.» – «Ich finde das gar nicht gut.» – «Es dünkt mich schade.» – «Mir wird der Schalter sehr fehlen.» Aber auch: «Das ist etwas blöd. Aber wenns so ist, ists halt so.» So sprach eine 23-jährige Floristin. Selbst sie betonte: «Es ist natürlich einfacher, wenn einem eine Fachperson hilft, wenn man ein Problem beim Billettlösen oder Fragen hat.» Das sei bei ihr aber schon ein Weilchen her: «Ja, voll.» Denn: «Ich habe ein Jahresabo, das mir immer wieder zugeschickt wird.»

Hoher Jahresverlust
Ebenso verhält es sich bei den angetroffenen Senioren: Das Servicecenter Brig erneuert ihnen jedes Jahr in Generalabonnement (GA). «Heute brauchen wir den Schalter schon lange nicht mehr», bekannten daher Paul und Trudy Haltiner, beide 77. Auch nicht für ihre Reiseplanung.
Genau darin liegt laut Mediensprecher Daniele Pallecchi das Problem der SBB: «89 Prozent aller Billettkäufe in Erlenbach finden mittlerweile nicht mehr am Schalter statt, sondern über die selbstbedienten Kanäle. » Indes sei Erlenbach damit nicht allein: «Diese Umwälzungen beobachten die SBB schweizweit.» Es sei «ein massiver gesellschaftlicher Wandel im Gange». Pallecchi begründet weiter: «Unser Eigner, der Bund, verlangt jedoch, dass die SBB haushälterisch mit ihren Mitteln umgehen müssen. Mit einem durchschnittlichen Absatz von weniger als sechs Produkten pro Stunde am Schalter Erlenbach und damit einem jährlich sechsstelligen Verlust ist das betriebswirtschaftlich nicht mehr vertretbar. »

Sorge um Senioren
Das klingt nachvollziehbar. Gleichwohl sorgen sich die 23- bis 77-jährigen Befragten um die Seniorinnen und Senioren. Besonders um jene, die nicht mehr so mobil seien und mit Technik, Internet und Smartphones nichts am Hut hätten. «Wenn ich mit 42 schon manchmal meine Mühe mit Automaten habe», argumentierte zum Beispiel der Gebäudetechniker Turhan Hakan, «was sollen erst die älteren Leute machen?»
Mutig eine der vielen Seniorenschulungen besuchen, raten die SBB. Zwei solche führte Corinne Sonderegger am Mitte September für total 14 Angemeldete durch. Sie waren etwa 40- bis 85-jährig, geschlechtergerecht verteilt, an allerlei Freizeitreisen erfreut und besassen alle ein Halbtax- oder Generalabo.

«Gar keine Zauberei!»
Die Vertriebsgebietsleiterin Zürich Südost ging dabei auf die verschiedenen Bedürfnisse ein: Fahrplan und Reiseplanung, Billette wie kaufen, usw. Im Zentrum stand, «was die SBB-App alles kann», so Sonderegger. «Viele waren mit ihr so zufrieden, dass sie danach den Automaten gar nicht mehr näher kennen lernen wollten. Ich glaube, dass sie auch langfristig damit sehr gut umgehen können.»
Pallecchi ergänzt: «Wir beobachten, dass ältere Personen häufig unterschätzt werden.» Die Teilnehmenden zahlreicher Beratungen und Schulungen seien stets «positiv überrascht: ‹Das ist ja gar keine Zauberei!› ist die meistgehörte Äusserung.»

Man muss nicht nach Zürich
Komplex kanns für alle dann werden: Für Reisen nach Deutschland oder «eine spezielle Fahrkarte fürs Wochenende » nutzte ein 50-jähriger Handwerker, gebürtiger Süddeutscher, den Schalter «ein-, zweimal im Monat. Das wird jetzt blöd.» Gisela Gutenberg war «im Minimum dreimal im Monat sehr froh, hierher kommen zu können». Sie möchte nicht gefühlt «stundenlang» in der Stadt anstehen: «Für Auslandreisen wirds einfach schwieriger.»
Pallecchi verweist zunächst darauf, dass man dafür nicht zwingend in Zürich anstehen müsse. Weiter in Betrieb bleiben nämlich die näheren Schalter in Küsnacht und Meilen. Aber auch daheim könne man sich seit 1. Mai am Telefon gratis beraten lassen (siehe Kasten). Das «freundliche Beratungsteam» liefere die Tickets auch nach Hause.

«Alle kommen zu ihrem Billett»
Ebenso sei dies auch eine zuverlässige Hotline für Leute, die mit einem der zwei Erlenbacher Billettautomaten ihre liebe Mühe haben: Bedienung, Reiseweg, Bezahlung, technische Panne oder was auch immer. Die dort angezeigte Gratis-Hotline helfe rund um die Uhr weiter: «Da helfen wir den Kunden auch und können den Automaten sogar fernbedienen », weiss Sonderegger. Pallecchi fasst überzeugt zusammen: «Alle kommen zu ihrem Billett und zu ihrer Beratung.»



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