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07.11.2018
Zürich West

Gräber-Vandalismus: Stadt macht nichts


Die östliche Urnengräberwand im Friedhof Sihlfeld weist wegen Vandalismus auffällige Lücken auf. Für die Stadt kein Grund zu Eile. Foto: ls.

Der Anblick ist schockierend. Verschiedene Urnengräber im Friedhof Sihlfeld sind nach Vandalenakten zerstört. Unternehmen will die Stadt vorderhand aber nichts.

Lorenz Steinmann

Es sind verstörende Bilder: «Fanny Zollinger 1876–1961» ist knapp lesbar auf der zerbrochenen Marmortafel. Weitere Namen von Verstorbenen sind nur noch zu erahnen, weil die Tafeln der Urnengräber in den letzten Jahren schrittweise von Vandalen zerstört wurden.

Zerstörte Gräber im Jahr 2018 in Zürich? Rolf Steinmann (nicht mit dem Autor verwandt), Leiter des städtischen Bestattungs- und Friedhofamts, ist es spürbar unwohl bei der Beantwortung. Denn auch ihn stört die Situation. Aber: «Die interne Abgrenzungsfrage betreffend der Zuständigkeit für die Sanierung von Friedhofmauern und Gemeinschaftsgräbern zwischen den beiden Dienststellen ‹Immo› und ‹Grün Stadt Zürich› sind noch nicht geklärt. Dies soll 2019 nachgeholt werden», erklärt er. Demnach gilt die Wand mit den zerstörten Gräbern nicht mehr als Friedhof, zuständig sind andere Amtsstellen. Was also sagt die Immobilienabteilung der Stadt? «Der Zustand der betreffenden Mauer ist uns bekannt und die Stadt Zürich ist sich des Handlungsbedarfs bewusst», antwortet Silvan von Wartburg auf die Anfrage. Gegenwärtig liege kein konkretes Projekt vor. «Im Laufe des nächsten Jahres sind jedoch die entsprechenden organisatorischen Vorabklärungen angedacht.» Von Wartburg ergänzt, dass «allfällige Arbeiten selbstverständlich in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege geplant» werden. Sprich: Vier städtische Amtsstellen sind in die Sache involviert. Der abschliessende Satz aus der Kommunikationsabteilung tönt sehr vage: «Genauere Angaben kann ich gegenwärtig leider weder zur Entwicklung noch zur zukünftigen Funktion der Mauer oder des Teils B des Friedhofs Sihlfeld machen.» Immerhin: Laut Rolf Steinmann wird trotz Vandalismus «der Totenfrieden nicht gestört». Grund: Die Urnen der zerstörten Wandgräber wurden schon vor Jahren entfernt.

Vandalismus: Kein Einzelfall

Dennoch ist das Kopfschütteln gross, etwa beim Wiediker Quartiervereinspräsidenten Urs Rauber: «Der Anblick der beschädigten Grabplatten verstört». Dass die Stadt die Sanierung auf die lange Bank schiebe, sei nicht akzeptabel. «Es ist eine Respektlosigkeit gegenüber den Verstorbenen», erklärt der ehemalige Redaktor der «NZZ am Sonntag». Für Rauber ist das passive Abwarten der Stadt leider typisch. «Beim Kampf gegen den alltäglichen, oft leicht versteckten Vandalismus ist die Stadt keineswegs Weltklasse.» Zwar liege Zürich in den Hochglanz-Rankings meist weit vorne, doch der Alltag sehe vielfach anders aus. «Die zerstörten Gräber sind kein Einzelfall, in Wiedikon sind viele Abfallkübel versprayt, Strassentafeln mit Kleber übersät und Hauswände verunstaltet», führt Rauber (70) weitere Beispiele an. Er hofft nun, dass die involvierten Ämter nach diesem Artikel schneller vorwärtsmachen bei der Beseitigung «dieser unwürdigen Situation und nicht einfach den Ball hin- und herspielen.»



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