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14.11.2018
Zürich West

Bevölkerung soll bei Verdichtung mitreden


Wie sieht Albisrieden in 30 Jahren aus? Die Bevölkerung kann beim kommunalen Richtplan noch mitreden. Foto.: mai.

Wie sieht Albisrieden im Jahr 2040 aus? Um diese Frage ging es an einem Infoabend zum kommunalen Richtplan. Bis zum 29. November bleibt noch Zeit für  Einwendungen.

Lisa Maire

Das Interesse an dem Infoanlass mit Stadtrat André Odermatt (SP) war gross: Gegen 200 Bewohnerinnen und Bewohner der Quartiere Albisrieden und Triemli liessen den Festsaal im Pflegezentrum Bachwiesen aus den Nähten platzen. «Wird Albisrieden auch in 20, 30, 40 Jahren noch lebenswert sein?», heisst die grosse Frage, die Quartiervereinspräsident Christian Tobler einführend stellte. «Wir setzen alles dran, dass es so bleibt», versicherte Hochbauvorsteher Odermatt mit Blick auf die planerischen Instrumente, mit denen die Politik Bevölkerungswachstum und bauliche Verdichtung in die richtigen Bahnen lenken könne.

Dabei geht es einerseits um die neue Bau- und Zonenordnung (BZO 2016), die gerade eben grösstenteils in Kraft gesetzt wurde und die «Verdichtungsreserven» für rund 260 000 zusätzliche Einwohner enthält. Die Zahl übertrifft den bis 2040 prognostizierten Bevölkerungszuwachs um mehr als das Doppelte. Für das Gebiet Albisrieden/Triemli bedeutet die neue BZO gemäss Odermatt vor allem: Aus der Wohnzone W3 wird W4, dazu kommt eine neu definierte Zone für sensible Gebiete an Hanglage.

Auch Albisrieden wird dichter

Zur BZO gesellt sich nun erstmals der kommunale Richtplan «Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen»: ein rein behördenverbindliches Instrument, das eine qualitätsvolle räumliche Entwicklung ermöglichen soll. Dieser Richtplan zeigt Gebiete auf, die baulich verdichtet werden könnten. Für Albisrieden sind Teilgebiete mit «hoher Dichte» und (entlang der Achse Birmensdorferstrasse) «sehr hoher Dichte» ausgewiesen. Im Teilgebiet südlich der Fellenbergstrasse heisst die strukturelle Vorgabe «grüne Wohnstadt», wobei bauliche Verdichtung mit einer Ausdehnung der Freiräume verknüpft sein muss. Im Richtplan geht es zudem um die Sicherstellung von Infrastrukturen wie Schulen oder etwa auch Bauten für Schutz & Rettung.

Als Beispiele, wie hohe Verdichtung in den Quartieren Albisrieden und Triemli aussehen kann, nannte Odermatt die Überbauung Freilager mit ihren fast 1000 Wohnungen, aber auch die Ersatzneubausiedlung am Triemli, die vor ein paar Jahren viel diskutierte neue Massstäbe setzten. «Heute fällt sie schon fast nicht mehr auf», sagte der Hochbauvorsteher. Beispiele mit «mittlerer Dichte» sind die genossenschaftlichen Siedlungen «Les Hiboux» und «Eyhof». Letztere, so lobte Odermatt, wirke eigentlich gar nicht verdichtet, obwohl sich die Ausnützungsziffer (von 40 auf 120 Prozent) verdreifacht habe. In näherer Zukunft stehen die Überbauung auf dem Kochareal (Wohnen, Gewerbe, Quartierpark) und die Erneuerung von Genossenschaftsbauten im Goldacker und Wydäcker («Stadtstück Triemli») an.

Keinen Moloch schaffen

Verdichten heisse nicht, die Stadt zum Moloch zu machen, betonte Odermatt. Er finde es sehr wichtig, dass die Bevölkerung dabei mitreden könne, sagte er mit Blick auf den derzeit öffentlich aufliegenden kommunalen Richtplan. Bei der anschliessenden Publikumsrunde unter der Leitung des Albisrieder Journalisten Urs Heinz Aerni wurde aber dieses Mitspracherecht auch angezweifelt. Angesichts der «Betonwüste» Freilager frage er sich schon, inwiefern die Quartierbevölkerung in der Planungsphase mitdiskutieren könne, sagte ein Albisrieder. Odermatt musste zugeben, dass beim Freilager nicht alles optimal lief. Heute würde man ein Schulhaus vermutlich von Anfang an mit einplanen, sagte er. Die Schule Freilager, die nun bis 2022 entsteht, sei genug gross, um auch den künftigen Schulraumbedarf des Kochareals abzudecken. Der Frage «Warum dann nicht gleich die Schule auf dem Kochareal bauen und uns unsere Familiengärten lassen?» hielt er entgegen, man könne nicht einfach viele Jahre dauernde Planungsprozesse wieder umdrehen. «Das würde Millionen kosten!»

Die heftig geäusserte Kritik an der schlechten öV-Erschliessung des Freilagers kann Odermatt nachvollziehen. Trotz erreichten Verbesserungen gebe es noch Potenzial gegen oben, findet er. Mehr Verknüpfungen zwischen der «Insel» Freilager und dem Quartier erhofft sich der Hochbauvorsteher für die Zeit nach der Umsetzung des Projekts Kochareal.

Weitere Kritik am Freilager wurde in Bezug auf die hohen Wohnpreise und das damit verbundene Gentrifizierungsrisiko laut: Was tut die Stadt, um dieses Phänomen zu stoppen? Odermatt wies einmal mehr auf den kommunalen Richtplan hin. Er lege fest, dass bei höheren Ausnützungsziffern auch ein höherer Anteil an sozialverträglichen Wohnungen einforderbar wird. Bei dem, was die Stadtbehörden beeinflussen können, gebe es allerdings Grenzen. Die «beste Versicherung gegen Gentrifizierung» betreibe die Stadt aber mit der Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus.

«Die Mitwirkung läuft»

Das Stadtraumkonzept 2040 enthält auch für Albisrieden Gebietsstriche mit Ausnützungsziffern bis 270 Prozent. «Müssen wir Hochhäuser befürchten?», wurde prompt gefragt. Es sei genau das Ziel des Richtplans, zu schauen, wo man die Ausnützung erhöhen könne, hiess Odermatts wenig bestimmte Antwort. Eine klare Absage erteilte er hingegen dem Votum, die Bevölkerung werde von den Entscheiden eh überrollt. «Definitiv nicht! Die Mitwirkung beim kommunalen Richtplan läuft! Machen Sie Einwendungen!» Anliegen könne man aber auch über einen Gemeinderat, eine Gemeinderätin aus dem Quartier einbringen. Schliesslich werde das Planungsinstrument ja auch im Stadtparlament diskutiert. Bis es dort durch sei, werde es sicher noch zwei bis drei Jahre dauern.



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