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14.11.2018
Zürich West

Die Begeisterung am Sport nicht verloren


Rolf Lenz trainiert seine Jonglierfähigkeiten noch immer häufig. Foto: gab.

Wegen Verletzungen musste der ehemalige Top-Ten-Triathlet Rolf Lenz mit dem Laufen aufhören. Doch der 57-jährige Altstetter suchte und fand neue Lösungen, um seine grosse Leidenschaft weiterhin zu pflegen.

Gian-Andri Baumgartner

Der Sport ist die grosse Leidenschaft von Rolf Lenz, und das ist durchaus allgemein zu verstehen: Die Liste der Sportarten, die der frühere Triathlet aus Altstetten auch auf Wettkampfniveau aktiv ausgeführt hat, ist lang. Auf ihr stehen natürlich die drei Triathlon-Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen. Lenz ist aber auch in Nicht-Ausdauersportarten unterwegs, so ist er international als Tänzer aufgetreten und testet seine koordinativen Fähigkeiten regelmässig in der Jonglage. Es ist diese Vielseitigkeit, die Lenz Spass macht: «Ich finde es spannender, verschiedene Sportarten auszuüben, verschiedene Talente zu haben.»

Als Triathlet hat Lenz in den 80er-Jahren mehrere Top-10-Rangierungen an nationalen Triathlons über die halbe Ironman-Distanz erreicht und stand kurz davor, auch über die volle Distanz erfolgreich zu sein. Doch dann schlug die Verletzungshexe zu: Durch die grosse Belastung beim Laufen war eine Muskelfaser beim Wadenansatz abgenutzt worden. Lenz war gezwungen, mit dem Laufen und damit auch mit dem Triathlon aufzuhören. «Nach der Diagnose durch den Sportarzt bin ich schon ein wenig in ein Loch gefallen, denn Laufen war mein Lieblingssport», sagt er. Er habe aber ein Lebensmotto: «Ich versuche immer, negative Erlebnisse in positive zu verwandeln. Wäre ich beim Laufen geblieben, hätte ich nie mit dem Tanzen angefangen und die damit verbundenen vielen schönen Momente erlebt. Die negative Wendung in meinem Sportlerleben hatte also durchaus positive Seiten.»

Die «3-Disziplinen-Challenge»

Da der herkömmliche Triathlonsport nicht mehr möglich war, entwarf Lenz seinen eigenen Dreikampf, den er «Rolfs 3-Disziplinen-Challenge» nennt. Vom eigentlichen Triathlon hat er nur das Schwimmen beibehalten. In dieser Disziplin besteht die Challenge darin, 44 Kilometer in 24 Stunden zu schwimmen. Lenz selbst hat diesen persönlichen Rekord 1988 im Rahmen des Zürcher 24-Stunden-Schwimmens im Hallenbad Oerlikon aufgestellt. Ersatz für das Laufen hat er nach seiner Verletzung im Berg-Walking gefunden: «Anstatt zu laufen, marschiere ich sehr schnell Berge hinauf. Das ist ebenfalls sehr anstrengend und befriedigt mich wie das Laufen, schont aber die Gelenke und Sehnen besser.»

Berg-Walking stellt die zweite Disziplin in seiner Challenge dar. Dafür ging Lenz 2013 nach Arosa, wo er in knapp siebeneinhalb Stunden zehnmal von der Mittelstation der Weisshorn-Bahn auf den Weisshorngipfel marschiert ist und dabei insgesamt über 6500 Höhenmeter absolviert hat. 2017 schloss er seine 3-Disziplinen-Challenge mit dem Jonglieren ab: Es gelang ihm, mehr als eine Minute lang mit fünf Bällen zu jonglieren. Dabei komplettierte er in 63 Sekunden 300 Würfe im Muster der Fünf-Ball-Kaskade, bei der es sich um ein sehr schnelles und schwieriges Jongliermuster handelt. Die letzte Disziplin scheint nicht so ganz in die Reihe zu passen, Jonglieren verlangt schliesslich ganz andere Fertigkeiten als Schwimmen und Berg-Walking. Lenz betont aber, dass er schon in jungen Jahren nicht nur Ausdauersportler gewesen sei: «In meiner Jugend habe ich beim FC Biel Fussball gespielt und dabei ein gutes Ballgefühl entwickelt. Deshalb habe ich relativ schnell gelernt, mit drei Bällen zu jonglieren.» Mit vier und fünf Bällen sei es schwieriger gewesen, es habe viel Übung und Geduld gebraucht, bis er sein Ziel mit der Minutenjonglage erreicht hat. Anders als beim Tanzen, wo er unter anderem in Mexiko und Kuba vor grossem Publikum aufgetreten ist, traut er sich beim Jonglieren aber nicht auf die Bühne. «Im Show-Jonglieren darfst du dir keinen Fehler erlauben, sonst ist der gesamte Auftritt gescheitert. Ich fühle mich nicht bereit, mit diesem Druck umzugehen», erklärt Lenz. Weil das Jonglieren als Geschicklichkeitssport ebenfalls Teil der Challenge ist, sieht Lenz sie als Weiterentwicklung des Triathlons: «Für meine Challenge muss man der komplettere Athlet sein als für den Triathlon, wo es vor allem um Ausdauer geht. Das Jonglieren ist also ein zusätzlicher Input», begründet Lenz die Auswahl der Disziplinen.

Suche nach Gleichgesinnten

Gelegentlich stellt er sich vor, wie er alle drei Disziplinen in einen Wettkampf verpacken könnte: «Die Bewertung des Jonglierens und deren Kombination mit der Bewertung der anderen Disziplinen dürften gewisse Probleme verursachen, aber ich denke, man würde eine Lösung dafür finden.» Zurzeit ist er auf der Suche nach Gleichgesinnten, die ebenfalls in diesen drei Sportarten aktiv sind und mit denen er sich messen könnte. Zu diesem Zweck hat er auch eine eigene Homepage erstellt. «Es nimmt mich einfach wunder, ob es noch jemand anderen gibt, der Schwimmen, Berg-Walking und Jonglieren kombiniert. Bisher habe ich aber noch niemanden gefunden», so Lenz.

Speziell hebt er die Tatsache hervor, dass zwischen dem Erreichen der ersten und der letzten Challenge fast 30 Jahre liegen. «Es zeigt, dass ich das Rekordniveau lange konservieren konnte, auch wenn ich es nicht in derselben Disziplin getan habe. Ich kenne viele Athleten, die ebenfalls sportliche Höchstleistungen erbracht haben, sich aber danach haben gehen lassen und heute weit von diesem Niveau entfernt sind. Deshalb sehe ich auch den grossen Zeitraum zwischen den Challenges als eine Leistung an», meint Lenz.

Die Suche nach der Motivation für diese Leistungen fiel Lenz nie schwer: «Ich war immer ein Mensch mit einem grossen Willen, dem zum Teil der Körper Stopp sagen musste. Das Erreichen eines Ziels, auf das man lange und hart hingearbeitet hat, ist ein extrem gutes Gefühl, welches für den ganzen Aufwand belohnt. Diese Emotionen treiben mich an.» Ihm mache das Training an sich auch einfach Freude: «Ich liebe es zum Beispiel, alleine in hohem Tempo einen steilen Berg hinauf zu marschieren. Dieses Erlebnis in der Natur ist immer wieder schön und spannend.» Er fügt hinzu: «Alle meine Leistungen habe ich aus innerer Überzeugung getan, ich habe nie auf Druck von aussen gehört.»

50 Mal 138 Treppenstufen

Diese Freude ist es, die Lenz auch jetzt, wo er seine zum Ziel gesetzten Challenges erreicht hat, zum Training antreibt. Noch immer fährt er täglich Rad, geht schwimmen und im Winter langlaufen. Auch das Jonglieren betreibt er immer noch intensiv. Einen speziellen Weg hat er für das Berg-Walking-Training gefunden: Er marschiert die 138 Stufen der Treppe seines Wohnblocks vom Keller bis zum obersten Stock hinauf, bis zu 50 Mal wiederholt er diesen Treppen-Walk während eines solchen Trainings. Als Pause zwischen den Märschen dient ihm dabei nur die kurze Liftfahrt in den Keller zurück. Da Lenz beruflich selbstständig ist, kann er seine Arbeitszeiten relativ flexibel festlegen und sich so Freiräume zum Training schaffen.

Beim Training hat Lenz aus Fehlern der Vergangenheit gelernt: Er achtet heute darauf, möglichst schonend mit seinem Körper umzugehen. «Ich will meinen Körper nicht aufs Alter hin kaputt machen, weshalb ich zum Beispiel beim Berg-Walking wenn möglich die Bahn hinunter ins Tal nehme, um mich nicht den Schlägen beim Hinunterlaufen auszusetzen. Ich will noch lange Sport machen können.»

Schaut man sich die sportliche Vielseitigkeit von Lenz an, erstaunt es fast, dass «Rolfs 3-Disziplinen-Challenge» nur aus drei verschiedenen Sportarten besteht. Wo ist darin das Tanzen, wo das Langlaufen? «Es hat irgendwie gerade so schön gepasst mit diesen drei Sportarten, weshalb ich diese dann auch in meine Challenge aufgenommen habe. Aber Änderungen sind immer möglich. Ich kann mir gut vorstellen, die Challenge eines Tages zu ergänzen. Allerdings müsste ich dazu schon etwas Spezielles geleistet haben in dieser neu aufgenommenen Disziplin.» Man darf also gespannt sein, schliesslich sind spezielle Leistungen bei Rolf Lenz nie auszuschliessen. 



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