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21.11.2018
Zürich West

Wo verdichtet wird, sind neue Freiräume geboten


Zürich ist noch nicht gebaut: Altstetten hat ein besonders grosses Verdichtungspotenzial. Foto: ho.

Was passiert, wenn dereinst 100 000 Menschen mehr in Zürich wohnen werden? In Altstetten informierten Vertreter des Hochbaudepartements über den neuen kommunalen Richtplan.

Lisa Maire

Mit dem kommunalen Richtplan «Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen» präsentiert die Stadt erstmals ein Planungsinstrument, das mögliche Gebiete für bauliche Verdichtung, aber auch für Freiräume und städtische Infrastrukturen bezeichnet. Gute Wachstumsbedingungen finden sich nach Ansicht des Amts für Städtebau (AfS) vor allem im Norden der Stadt und im Westen, rund um das Zentrum Altstetten. Der kommunale Richtplan sei aber keinesfalls ein Freibrief für ein Zürcher Manhattan, versicherten AfS-Vertreter letzte Woche an einer gut besuchten Infoveranstaltung im Kirchgemeindesaal Altstetten.

Einladung, mitzudenken

Der rein behördenverbindliche Richtplan baue auf der Entwicklung der letzten 20 Jahre auf und akzentuiere diese Entwicklung an einzelnen Orten, sagte Frank Argast, Leiter Fachbereich Planung beim AfS. Und Urs Spinner, Departementssekretär Hochbaudepartement, sprach von einem Versuch, vorauszudenken, wie die Stadt das Bevölkerungswachstum möglichst umwelt- und sozialverträglich verkraften könnte. Die Bevölkerung sei nun eingeladen, mitzudenken, meinte er mit Blick auf die öffentliche Mitwirkung, die noch bis 29. November läuft. Neben dem kommunalen Richtplan «Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen» wird auch der kommunale Richtplan «Verkehr» neu überarbeitet.

Dichte Wohnsiedlungen wie die Krone Altstetten (Lindenplatz), 7Null7 (Badenerstrasse), Hausäcker (Farbhof) oder die Überbauungen Letzibach (Hohlstrasse) und Westlink (Bahnhof Altstetten) waren bereits über die Bau- und Zonenordnung (BZO) aus den 90er-Jahren möglich. Im Grenzgebiet mit Albisrieden steht zudem die Umnutzung des Kochareals an, wo demnächst neben rund 360 gemeinnützigen Wohnungen und einem Gewerbehaus auch ein öffentlicher Park gebaut wird. Denn, so sieht der kommunale Richtplan vor: Wo verdichtet wird, heisst es auch, mehr Frei- und Grünräume zu schaffen.

Ebenso steigt mit der Wohnbevölkerung der Bedarf an öffentlichen Bauten, etwa für Rettungsdienste und vor allem für Schulen: 14 neue Volksschulanlagen sind auf Stadtgebiet geplant, dazu kommen ebenso viele Erweiterungsprojekte. Gemäss den Stadtplanern könnten sie zu drei Vierteln auf städtischem Grund umgesetzt werden. Für das letzte Viertel müsste noch Land gesichert werden. Die meisten Schulbauprojekte im Schulkreis Letzi sind mittel- und langfristig angesetzt. Kurzfristig (bis 2022) wird hingegen die neue Schule Freilager realisiert. Gemäss den Berechnungen der Schulbehörden sei die neue Anlage genug gross, um auch den künftigen Schulraumbedarf der Überbauung Kochareal abzudecken, wurde Zweiflern im Publikum beschieden.

Denkmalschutz nicht sakrosankt

Überhaupt waren die Schulen ein grosses Thema in der Fragerunde, die von Angie Romero von der FDP 9 moderiert wurde. Alt-CVP-Gemeinderat Hans Diem holte aus zu einem Rundumschlag gegen die in mehrfacher Hinsicht befürchtete Überlastung der Stadt, «wenn wir nochmals 100 000 Leute reinpressen». Wie er kritisierten auch weitere Votanten die vielen provisorischen Pavillons, die vor Schulhäusern stehen und dort Pausenplätze und andere Freiräume einschränken. «Warum lässt man sich mit neuen Schulen so viel Zeit? Wir möchten Aktionen, nicht immer nur Planung!», forderten Stimmen aus dem Publikum. Urs Spinner wies demgegenüber auf die langen politischen Prozesse hin, die Schulhausprojekte durchlaufen müssen. «Wir verbauen alles Geld, was wir bekommen können», versicherte er. Und die Stadt tue alles für möglichst genaue Prognosen des (schwankenden) Schulraumbedarfs.

Auch über die Entlassung von Schulen aus dem Denkmalschutzinventar – eine weitere Forderung aus dem Publikum – scheint man beim Hochbaudepartement nachzudenken: «Der Denkmalschutz ist nicht sakrosankt», betonte Spinner. Die Stadt werde nicht darum herumkommen, bei Schulhausprojekten die Prioritäten neu zu diskutieren. Allerdings, so Spinner weiter: Der Stadtrat könne wohl Entlassungen aus dem Schutzinventar beantragen. Wie dann aber – im Rekursfall – die Gerichte entscheiden werden, sei nochmals eine ganz andere Frage.

Stadtklima mit einbezogen

Eine weitere Sorge, welche die Altstetter Bevölkerung umtreibt: «Reichen die geplanten Freiräume aus, um auch den Klimaveränderungen gerecht zu werden? Welche zusätzlichen Massnahmen sind angedacht?», wollte die Grünen-Kantonsrätin Silvia Rigoni wissen. Die Städteplaner wiesen in diesem Zusammenhang auf den «Masterplan Stadtklima» hin, der zurzeit unter Federführung von Umwelt- und Gesundheitsschutz Stadt Zürich ausgearbeitet wird und der sich an künftige Bauherrschaften richtet. Auch der kommunale Richtplan sorgt gemäss den Planern in Sachen Klima vor: Die aktuellen Verdichtungsvorschläge respektieren durchs Band weg topografische Umstände wie etwa Kaltluftströme.

Im Publikum wurde zudem die Furcht vor Enteignungen geäussert. Enteignung sei überhaupt nicht der Gedanke hinter dem kommunalen Richtplan, lautete dazu die Antwort. Die meisten Grundstücke, die für zusätzliche Grünflächen oder Schulraum infrage kämen, befänden sich bereits im Besitz der Stadt. In anderen Fällen könne mit Genossenschaften oder grösseren privaten Eigentümern verhandelt werden. Zudem, so insistierten die Städteplaner: Der kommunale Richtplan sei, im Gegensatz zur BZO, nicht eigentümerverbindlich.

Nicht zuletzt meldeten sich auch Gewerbevertreter zu Wort, die vor allem infolge von Umzonungen eine zunehmende Vertreibung aus der Stadt beklagen. Der Kampf um die letzten Gewerbezonen sei kein neues Thema, sagte dazu Spinner. Es gebe aber noch Alternativen, beschied er einem Altstetter Gartenbauer, der vom Verlust seines Lagerplatzes berichtete. Die SBB zum Beispiel habe entlang dem Gleisraum noch recht viele Gewerbeflächen, empfahl er.

Der kommunale Richtplan «Siedlung, Landschaft, öffentliche Bauten und Anlagen» liegt noch bis 29. November zur öffentlichen Mitwirkung auf. Weitere Infos: www.stadt-zuerich.ch/richtplan



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