Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
12.12.2018 Von: Pascal Wiederkehr

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Es gab eine Alternative zum Mirage-Einsatz


Ein grosser Schritt, bis man im Tram ist, war es schon 1983: Das Einsteigen in die Mirage ist für gehbehinderte Menschen oder mit dem Kinderwagen kaum zu bewältigen. Foto: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Hässig, Markus J.

Sie erleben ein Comeback: Die Verkehrsbetriebe Zürich setzen auf zwei Mirage-Trams aus den 60er Jahren – weil neue Fahrzeuge knapp sind. Doch es hätte eine Alternative gegeben.

Die Mirage-Trams gehörten über 40 Jahre zum Stadtbild. 2010 drehte zum letzten Mal ein solches Tram im Linienbetrieb seine Runden. Seither sah man die Oldtimer aus den 60er Jahren mit hohem Einstieg und hölzernen Sitzen nur noch selten auf Extrafahrten – beispielsweise als Nostalgie- und Sondertram.

Doch nun soll die Mirage zum Comeback kommen. Die Auslieferung der neuen Tramgeneration Flexity von Bombardier hatte sich durch Rekurse verzögert. Bis das erste neue Tram in Zürich ankommt, wird es November 2019, ein erster fahrplanmässiger Betrieb ist ab Sommer 2020 geplant. Zudem verlängern die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) die Linie 2 ab September nächsten Jahres nach Schlieren. Das führt zu einem Fahrzeugengpass. Aus diesem Grund will die VBZ unter anderem vorübergehend zwei Mirage-Trams einsetzen. Eines soll bei Bedarf ab September 2019 auf der Linie 17 fahren, dies wochentags in der Hauptverkehrszeit am Abend.

Zudem beantragen die VBZ beim Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) die vorzeitige Umsetzung eines zusätzlichen Kurses auf der Linie 8. «Dafür soll ein zweites Mirage-Tram zum Einsatz kommen», heisst es in einer Mitteilung. Ursprünglich war der zusätzliche Kurs für den Fahrplanwechsel im Dezember 2020 vorgesehen. Mit einem Entscheid des ZVV rechnen die VBZ Anfang 2019.

Basler könnten Trams verkaufen

Da die Mirage nicht über Bildschirme verfügt, sollen die Passagiere über die Lautsprecher informiert werden. Zudem ist das Tram aus den 60er Jahren nicht hindernisfrei benutzbar. Ein Anachronismus, verlangt doch das Behindertengleichstellungsgesetz bis 2023 niederflurige Fahrzeuge. Hätte es also Alternativen gegeben – wäre beispielsweise ein temporäres Ausleihen anderer Trams möglich gewesen?

Bei der Baselland Transport AG (BLT), die Betreiberin der gelben Trams, scheint man dafür offen: Aus heutiger Sicht könne die BLT den VBZ etwa zwei bis vier Teilniederflurfahrzeuge zur Verfügung stellen – vermieten oder verkaufen. «Betreffend Verkauf von Fahrzeugen hatten wir in den Jahren 2016/17 bereits Kontakt», so Alfred Schödler, Leiter Betrieb & Technik bei der BLT. Weil die Fahrzeuge nur bedingt auf die Infrastruktur der VBZ passen würden, hätten die VBZ auf die Einlösung dieses Angebots verzichtet. «Die Kosten einer Vermietung müssten wir prüfen, eine Anfrage dazu liegt uns aber nicht vor», sagt Schödler.
Anders tönt es hingegen bei Bernmobil: «Wir haben keinerlei Möglichkeit, Trams an Zürich auszuleihen, und haben dazu auch keine Anfrage erhalten. Wir benötigen selber alle Fahrzeuge für unseren fahrplanmässigen Betrieb», teilt Bernmobil mit. Ähnlich klingt es bei den Basler Verkehrs-Betrieben. Diese betreiben am Rheinknie die grünen Trams. «Die VBZ hat uns diesbezüglich bereits angefragt, jedoch haben wir mit unseren Reserven aktuell keine Möglichkeit.»

Die VBZ erklären ihrerseits auf Anfrage, dass Gespräche mit anderen Städten, unter anderem auch mit Basel, sowie mit verschiedenen Herstellern, stattgefunden hätten. Mediensprecherin Daniela Tobler verweist auf eine Mitteilung vom November 2017. Damals teilten die VBZ knapp mit, ihre Analyse habe ergeben, «dass sich der Kauf von auswärtigen Trams technisch und wirtschaftlich nicht rechtfertigen lässt». Detailfragen zu den Kosten, oder ob sich auch das Mieten von Trams technisch und wirtschaftlich nicht habe rechtfertigen lassen, lassen die VBZ unbeantwortet. «Ihre Rückfragen betreffen allesamt bereits vor einem Jahr verworfene Varianten. Deshalb verzichten wir, darauf näher einzugehen», schreibt Tobler. Die jetzt kommunizierte Lösung erfülle die Anforderungen der VBZ am besten. «Der Vorteil, bei Bedarf unsere eigenen Fahrzeuge – die Mirage – einzusetzen, ist, dass diese bereits im Zürcher Netz verkehren», so Tobler.
Schon früher sind fremde Trams durch die Limmatstadt gefahren, allerdings laut den VBZ nicht für den Regelbetrieb. 2009 und 2010 wurden im sogenannten Tram-Casting zur Evaluation der neuen Tramgeneration Fahrzeuge anderer Städte zum Probefahren für die Fahrgäste eingesetzt.

Von Flexity-Hersteller Bombardier Ersatztrams zur Überbrückung zu leasen, scheint ebenfalls keine Lösung zu sein. «Bombardier hat keine eigenen Fahrzeuge, welche sie den VBZ zur Verfügung stellen können», erklärt Tobler. Die VBZ hätten auch mit Bombardier eine intensive Recherche betrieben, ob allenfalls Fahrzeuge anderer Städte nach Zürich geführt werden könnten. Diese Suche sei ergebnislos verlaufen, «da entweder die Verfügbarkeit von Fahrzeugen anderer Städte nicht gegeben war oder die Fahrzeuge aufgrund ihrer geometrischen Bedingungen nicht kompatibel sind».

Flexity-Auslieferung ist auf Kurs
Dies bestätigt Bombardier Transportation (BT): «VBZ und BT haben verschiedene Möglichkeiten geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass die bestehende Mirage-Flotte am einfachsten in Betrieb genommen werden kann», sagt Kommunikationsberater Andreas Bonifazi.
Laut Bombardier ist das neue Flexity-Tram für Zürich auf Kurs. «Wir erwarten die Lieferung der ersten zwei Fahrzeuge im November 2019», zeigt sich Andreas Bonifazi überzeugt. Insgesamt haben die VBZ 70 Stück bestellt. Sie sollen das Tram 2000 ersetzen.



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