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27.02.2019 Von: Pia Meier

Zürich Nord, Zürich 2, Züriberg

Einhausung Schwamendingen: Ab 4. März wird fünf Jahre lang gebaut


Premiere: Die Sicht von der provisorischen Fussgängerbrücke auf die Autobahn. Ab 2025 wird man hier eine begrünte Überdeckung sehen. Die Kosten betragen gemäss heutigem Kostenvoranschlag 445 Millionen Franken. Foto: Lorenz Steinmann

Am 4. März erfolgt der Spatenstich für die Einhausung Schwamendingen. Dann wird endlich mit den Hauptarbeiten begonnen. Zwei Jahre nach Beginn der Vorarbeiten und 20 Jahre nachdem Anwohner wegen des Lärms eine Volksinitiative eingereicht haben.

Der Autobahneinschnitt zwischen Aubrugg und Schöneichtunnel – eröffnet 1980 – ist eine der meistbefahrenen Verkehrsachsen in Zürich und führt durch ein Wohngebiet von Schwamendingen. Mehr als 110 000 Fahrzeuge benutzen diesen Verkehrsweg täglich. Lärm- und Feinstaubbelastungen liegen regelmässig über den zulässigen Grenzwerten. Die Wohnqualität ist den Anwohnenden kaum zumutbar, die Bausubstanz der angrenzenden Liegenschaften verschlechterte sich zunehmend. Ausserdem bildet der Autobahnabschnitt ein kaum überwindbares Hindernis zwischen den beiden Quartierteilen Schwamendingen Mitte und Saatlen.

Kampf dem Lärm
Nun soll die Einhausung Schwamendingen Abhilfe schaffen. Das Bauwerk wird knapp einen Kilometer lang, 30 Meter breit und 15 Meter über Grund. Die vom Bundesamt für Strassen (Astra) in Zusammenarbeit mit Kanton und Stadt Zürich zu realisierende Einhausung ist in erster Linie ein umweltwirksames Strassenprojekt, wie das Astra festhält. Es beseitigt oder kanalisiert zumindest Beeinträchtigungen, die von der Autobahn verursacht werden, konkret: Lärm und Abgase. Damit verbessert sie die heutige Situation im Quartier nachhaltig und verhilft Schwamendingen und seiner Bevölkerung zu neuer Wohn- und Lebensqualität.

20 Jahre warten
Die Quartierbewohner setzten sich jahrelang für eine Verbesserung der Situation ein. Der Autobahnabschnitt sollte gemäss einer Volksinitiative, die 1999 eingereicht wurde, überdeckt werden. 2006 stimmten die Stadtzürcher für einen Kredit von 39,8 Millionen Franken als städtischer Beitrag an die Gesamtkosten von 206 Millionen Franken. Doch obwohl sich alle einig waren, war der Weg länger als erwartet. Eigentlich hätten die Bauarbeiten für die Einhausung Schwamendingen 2010 beginnen sollen. Ursprünglich war der Kanton Zürich federführend, heute wird das Projekt vom Astra in Zusammenarbeit mit Kanton und Stadt realisiert.

Die Sicherheitsvorschriften wurden in der Zwischenzeit verschärft. Zudem wird die Einhausung zusammen mit dem Schöneichtunnel als Gesamtbauwerk betrachtet. Dabei wird der bisherige Schöneichtunnel im Zuge der Bauarbeiten für die Einhausung lüftungs- und sicherheitstechnisch ausgerüstet und auf den neuesten Stand gebracht. Auch die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung des Tunnels Milchbuck wird einer Teilsanierung unterzogen. Die gegen oben offene Rasterecke Waldgarten (in der Nähe des Tierspitals) wird ebenfalls überdeckt. Aufgrund dieser und weiterer Anpassungen musste der Kredit aufgestockt werden. Die Kosten überstiegen den ursprünglichen Kredit. Gemäss heutigem Kostenvoranschlag wird die Einhausung Schwamendingen 445 Millionen Franken kosten.

Abbrüche, Brücken, Umleitungen
Die umfangreichen Vorbereitungsarbeiten für die Einhausung begannen vor zwei Jahren. Sie umfassten neben Werkleitungsarbeiten zahlreiche Abbrüche. 45 Liegenschaften mussten schliesslich der Einhausung Schwamendingen weichen — 19 wurden durch das Projekt ausgelöst, die übrigen wurden auf Wunsch der Eigentümer rückgebaut. Gegenwärtig gleicht das Quartier in der Umgebung der geplanten Einhausung einer Steinwüste. An verschiedenen Orten wurden Installationsplätze eingerichtet. Die Situation hat aber auch Vorteile, zum Beispiel für die Mieter der Werkerei Schwamendingen, die das Gebäude der ehemaligen Amag-Garage als Provisorium nutzen können.

Über die Autobahn wurden im vergangenen Herbst über Nacht zwei Fussgängerbrücken erstellt. Eine Brücke wurde entlang der Saatlenunterführung gebaut, die andere bei der Tulpenstrasse. So können Fussgänger und Velofahrer die Autobahn queren.

Die Pfahlarbeiten werden für die Anwohner zu Lärmemissionen führen. Das Astra hat aber vielerorts Lärmschutzwände erstellt, damit die Bauarbeiten erträglicher werden.

Im Januar dieses Jahres wurde die Autobahneinfahrt Aubrugg, bekannt als «Hosenbein», geschlossen. Das Quartier hatte dagegen protestiert. Die Befürchtungen, dass dies zu Mehrverkehr im Quartier führt, konnten bisher aber nicht bestätigt werden. Grundsätzlich bleibt die Autobahn A1 zwischen der Verzweigung Zürich Ost und der Ausfahrt Schöneichtunnel auch während des Baus der Einhausung vierspurig befahrbar, wie das Astra mitteilt. Es stehen jeweils je zwei Spuren stadteinwärts und stadtauswärts zur Verfügung. Während der ganzen Bauzeit sind jedoch Spurumlegungen und temporäre Sperrungen von einzelnen Spuren sowie Ein- und Ausfahrten notwendig. Zudem kommt es ab 2023 zu Nachtsperrungen. In diesen Zeiten wird der Verkehr gezielt grossräumig umgeleitet. Eine entsprechend leistungsfähige Route via Nordring–Gubrist–Limmattalerkreuz–Hardturm/Zürich West wird ausgeschildert. Die Ausfahrt Aubrugg Fahrtrichtung St. Gallen bleibt bis Bauende 2024 gesperrt. Mit den getroffenen Massnahmen verringert sich die Leistungsfähigkeit der Autobahn zu den Hauptverkehrszeiten nur unwesentlich. Dies stellt laut Astra den bestmöglichen Kompromiss dar, um einerseits die Einhausung möglichst rasch realisieren zu können und andererseits den motorisierten Individualverkehr nicht zu stark zu beeinträchtigen.

Im Rahmen des Projekts saniert das Astra auch den angrenzenden Schöneichtunnel. Dadurch entsteht ein Tunnel von insgesamt 1,7 Kilometer Länge. Um die Belastung des Quartiers durch die Tunnelabluft zu senken, wird die halb offene Tunneldecke beim Waldgarten geschlossen und beim Portal Tiergarten ein Entlüftungskamin gebaut. Das Bauwerk wird rund 15 Meter über den Grund ragen, was ungefähr der Firsthöhe des höchsten umstehenden Gebäudes entspricht. Auf dem Dach der Einhausung entsteht mit dem Ueberlandpark ein in der Schweiz einzigartiger öffentlicher Grün- und Freiraum. Er verhilft Schwamendingen und seiner Bevölkerung zu neuer Wohn- und Lebensqualität. Eine Reihe von Aufgängen – Treppen, Rampen, Lifte – erschliessen den Park. Neue Wege entlang und quer zum Bauwerk stellen sicher, dass die Einhausung gut an das Quartier angebunden ist. Auch die Wände der Einhausung werden begrünt. Die Wege auf dem Ueberlandpark schliessen an das städtische Velo- und Fusswegnetz an und schaffen eine durchgehende Verbindung zwischen dem Zürichberg und dem Erholungsgebiet an der Glatt, wie die Stadt Zürich festhält.

Die neuen Liegenschaften entlang der Einhausung sind teilweise mit Brücken mit dem Ueberlandpark verbunden. Die Angst, dass hier neue, teure Mietwohnungen entstehen, wird dadurch gemildert, dass die Eigentümer vor allem Baugenossenschaften sind. Diese haben sich bereits vor Jahren zur IG pro Züri 12 zusammengeschlossen.

Infozentrum mit Rundblick
Im Besucherzentrum an der Winterthurerstrasse können sich Interessierte umfassend über das Projekt informieren. Multimediale Installationen, Modelle und Informationstafeln nehmen die Besucher auf eine spannende und lehrreiche Reise mit, wie die Idee der Einhausung entstand, wie das Projekt geplant, der Bau umgesetzt und schliesslich der künftige Hochpark auf der Einhausung aussehen wird. Für den Zutritt zum Besucherzentrum ist eine Anmeldung erforderlich. Dafür steht ein elektronisches Formular zur Verfügung. Pro Woche sind jeweils Führungen am Mittwochnachmittag und am Donnerstagabend vorgesehen. Einmal im Monat werden im Besucherzentrum auch am Samstagmorgen Besucher empfangen. www.einhausung.ch

 

Eckdaten der Einhausung Schwamendingen

März 1999: Einreichung Volksinitiative durch betroffene Anwohner mit 12 000 Unterschriften
• Juli 2001: Kantonsrat beauftragt Regierungsrat mit Planung Lärmsanierung
• Juli 2004: Regierungsrat entscheidet sich für Einhausung
• Februar 2006: Kantonsrat genehmigt Kreditvorlage
• Juni 2006: Gemeinderat genehmigt Kreditvorlage
• September 2006: Stadtzürcher stimmen Kreditvorlage zu
• Januar 2008: Das Bundesamt für Strassen (Astra)ist neu für Projektierung und Bau zuständig anstelle des Kantons
• Januar 2010: Das Astra übernimmt Projektsteuerung
• Januar 2011: Aussteckung der Einhausung beginnt
• März 2011: Ausführungsprojekt öffentlich aufgelegt
• August 2011: Gemeinderat stimmt Zusatzkredit zu
• September 2011: Kantonsrat stimmt Zusatzkredit zu
• Oktober 2012: Ergänzende Auflage aufgrund von Projektanpassungen
• Dezember 2015: Uvek erteilt Plangenehmigungsverfügung
• Februar 2016: Plangenehmigungsverfügung ist rechtskräftig
• Oktober 2017: Beginn der Vorarbeiten
• März 2019: Beginn der Hauptarbeiten
• 2024: Fertigstellung der Einhausung



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