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14.03.2019 Von: Céline Geneviève Sallustio

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Der wunde Punkt der Frauen


Eine Regierungsrätin, drei Kantonsratskandidatinnen: Silvia Steiner (CVP), Claudia Hollenstein (GLP), Nina Fehr Düsel (SVP) und Marianne Zambotti-Hauser (FDP), von links, Mitte: Moderator Marco Huber. Foto: Céline Geneviève Sallustio

Was treibt Frauen in der Politik an? Was bremst sie aus? Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP) diskutierte zusammen mit Kantonsrätin Nina Fehr Düsel (SVP) und den beiden Kantonsratskandidatinnen Marianne Zambotti-Hauser (FDP) und Claudia Hollenstein (GLP).

«Politik ist Männersache». Mit diesem Statement eröffnete Podiumsleiter Marco Huber, Redaktor beim «Zürcher Oberländer», Anfang vergangener Woche die überparteiliche Podiumsdiskussion. Das Statement liess er jedoch nicht unbegründet. Denn auch 48 Jahre, nachdem die Frauen das Stimm- und Wahlrecht in der Schweiz erhalten haben, bilden sie in der Politik und Wirtschaft nach wie vor eine Minderheit. Aktuell beträgt der Frauenanteil auf kantonaler Ebene knapp einen Drittel, im Ständerat sind es sogar nur 15 Prozent.

Stolpersteine für Frauen
Um zu wissen, was die Frauen in der Politik ausbremst und was sie antreibt, wurden Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP, Zürich), Kantonsrätin und Nina Fehr Düsel (SVP, Küsnacht) sowie die Kantonsratskandidatinnen Marianna Zambotti-Hauser (FDP, Meilen) und Claudia Hollenstein (GLP, Stäfa) in den kleinen Stadtsaal Zollikon eingeladen.
Schnell wurde klar, dass alle vier anwesenden Frauen aus denselben Gründen in der Politik tätig sind: Sie möchten Verantwortung übernehmen, mitentscheiden und mitgestalten dürfen. Ausserdem haben Nina Fehr Düsel und Marianne Zambotti-Hauser bereits als Kind mit ihren Eltern viel diskutiert, wie sie dem Publikum verrieten. Dennoch bilden die vier Politikerinnen eine Ausnahme, denn die erwähnten Zahlen zeigen die starke Prägung der Männer in den politischen Organen der Schweiz. «Wo liegen also die Stolpersteine für Frauen in der Gesellschaft?», wollte der Moderator wissen. «Frauen haben immer noch ein Defizitdenken», meinte Claudia Zambotti-Hauser, «und stellen sich und ihre Fähigkeiten in Frage. » Ganz das Gegenteil sei dabei die Haltung der Männer.
Auch Claudia Hollenstein schloss sich diesem Frauenbild an. «Als Ehefrau, Mutter und Politikerin fragt man mich oft: Wie schaffst du das? Wo hingegen den Männern diese Frage nie gestellt wird.» Frauen müssten daher aufpassen, nicht in eine Opferrolle zu fallen. Ausserdem dürften Frauen frech genug sein, um zu kontern. Doch nicht nur die Einstellung von und gegenüber Frauen muss sich ändern. Silvia Steiner sagte, es müssten passende Rahmenbedingungen wie beispielsweise bezahlbare Krippenplätze und die Integration von Tagesschulen im Alltag geboten werden, um den Frauen überhaupt eine Chance zu ermöglichen.
«Bei der SVP stellen sich zehn Männer zur Wahl. Bei den Frauen sind es nur zwei. Vor allem die bürgerlichen und rechten Parteien sind weiterhin in Männerhand», meinte Marco Huber und wandte sich dabei direkt an Nina Fehr Düsel. Auch sie sieht dieses Problem, doch den Grund dafür kann sie sich nicht erklären. Denn sie fühlte sich stets sehr gut aufgehoben und erhielt immer Unterstützung. Als Frau hätte sie nie einen Nachteil in der Partei gesehen. Doch was braucht es dann konkret, damit sich mehr Frauen in der Politik engagieren? Die Antwort der vier Frauen war eindeutig. Es brauche Vorbilder, die die Frauen ermutigen.

Mehr Mut gewünscht
Silvia Steiner frustriert das Thema Frauen in Kaderpositionen. «Wenn ich auf die letzten vierzig Jahre zurückblicke, dann könnten wir heute viel weiter sein, als wir tatsächlich sind.» Denn Frauen müsse man doppelt so lang überzeugen, um sich für eine Stellenausschreibung zu bewerben. Und solange Männer in der Mehrheit sind, werden sie von Männern gefördert.
Die Frage zur Frauenquote wurde am Schluss der Diskussion gestellt. «Eine Quote ist der falsche Weg. Ausserdem möchte ich keine Quotenfrau sein», meinte Nina Fehr Düsel. Dieser Meinung stimmten die anderen Frauen zu. Dennoch: Würde sich die politische Debatte noch weiter in die Länge ziehen, wären sie nicht ganz abgeneigt davon, die Frauenquote als Mittel zum Zweck zu befürworten. Eine ganz andere Meinung zur Frauenquote hatte eine Zuschauerin: «Für mich wäre die Frauenquote ein Türöffner und Antrieb für das weibliche Geschlecht.» Eine weitere Wortmeldung aus dem Publikum sah das Problem im Mentalitätsunterschied und der Selbsteinschätzung von Mann und Frau, wie er es täglich in seiner Arztpraxis miterlebt. Knapp, aber klar meinte Silvia Steiner zu dieser Erkenntnis: «Finger auf den wunden Punkt: Am Selbstbewusstsein der Frauen müssen wir arbeiten.»
Die vier Politikerinnen waren sich in den meisten Fragen einig: Bezüglich Vorbilder, die es für Frauen braucht und den passenden Rahmen



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