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20.03.2019 Von: Karin Steiner

Zürich Nord

«Die Zustände waren apokalyptisch»


Pia Meier mit ihren Gästen Paul Kleger und Heinz Steger (v. l.). Foto: kst.

Viele Affoltemerinnen und Affoltemer kamen am Montag im Zehntenhaus zusammen, um gemeinsam des Grossbrands im Bahnhof Affoltern zu gedenken und Erinnerungen an das Inferno auszutauschen.

Vor 25 Jahren entgleisten mit Benzin gefüllte Kesselwagen eines Güterzugs beim Bahnhof Affoltern, schlugen leck, fingen Feuer und lösten ein Flammeninferno aus. Der Quartierverein Affoltern lud aus diesem Anlass Menschen ein, welche die Katastrophe aus nächster Nähe erlebt hatten. Talkgäste von Pia Meier, Präsidentin des Quartiervereins Affoltern, waren Heinz Steger, ehemaliger Feuerwehrmann beim Pikett Glattal, und Paul Kleger, der damals eine Schreinerei an der Zehntenhausstrasse besass.

«Als der Alarm losging, war ich im ersten Auto, das ausrückte», erzählt Heinz Steger. «Auf der Fahrt sah ich den Pilz über Affoltern und hörte im Funk, dass immer mehr Feuerwehren, auch der umliegenden Gemeinden, aufgeboten wurden. Da lief es mir kalt den Rücken runter.» Vor Ort galt es vor allem, die Wagen der Zugkomposition, die sich noch nicht entzündet hatten, mit Wasser zu kühlen. «Da sah ich, dass ein Dolendeckel am Boden fehlte, und ärgerte mich, dass jemand offenbar aus Spass diesen Kanalisationsdeckel entfernt hatte. Doch bald erlebte ich den Grund dafür: Entzündetes Benzin war in die Kanalisation gelangt. Ein Dolendeckel nach dem anderen flog explosionsartig in die Luft. Es war auch für mich als erfahrenen Feuerwehrmann ein sehr beängstigendes Erlebnis.»

Alles in allem viel Glück
Paul Kleger brachte gerade seine Kinder zur Schule, als er die riesige Rauchwolke sah, und hoffte, dass nicht seine Schreinerei in Brand geraten sei. Er lud die Kinder ab und sah auf dem Weg zur Schreinerei ein Haus, das bereits brannte. «Ich rannte ins Haus und half der Frau, ihre Kinder einzusammeln. Ihr Mann hatte sein Wohnmobil in Sicherheit gebracht. Als ich die Familie zu Bekannten fuhr, sah ich Dolendeckel in die Luft fliegen. Dann kam die grosse Explosion, als sich das Benzin, das ins Klärbecken gelangt war, entzündete.» In der Schreinerei schickte er alle Leute nach Hause und richtete eine Verpflegungsstation für die Feuerwehrleute ein. «Die Hitze war unerträglich, die Fenster wurden siedend heiss und ich befürchtete, dass die Hitze einen neuen Brand auslösen könnte.»

Im Anschluss hatten Leute aus dem Publikum Gelegenheit, von ihren Erinnerungen an die Katastrophe zu erzählen. Herbie Müller beispielsweise berichtete, wie sie zum Unglückszeitpunkt im Auto bei der Barriere stand und mit ansehen musste, wie der Kesselwagen aus der Schiene sprang, mit dem Mast kollidierte und wie die Hochspannungsleitung zu Boden stürzte. Im Retourgang konnte sie sich in Sicherheit bringen. «Die Zustände waren apokalyptisch.»

Am Ende waren sich jedoch alle Anwesenden einig: Affoltern hatte sehr viel Glück, dass nicht viel Schlimmeres geschehen war. Drei Verletzte und 29 Obdachlose lautete die Bilanz. Zum Schluss der Veranstaltung zeigte der Quartierverein die «Tagesschau» vom 8. März, die das ganze Inferno dokumentierte. Bei einem Glas Wein wurde danach rege über die Ereignisse diskussiert.



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