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20.03.2019 Von: Silvan Rosser

Züriberg

Kommen bald frostfreie Winter und 40-Grad-Sommer?


Auch die Extreme werden immer wärmer: Die kälteste Nacht ist in Zürich heute rund drei Grad wärmer als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Jahreshöchsttemperatur stieg um mehr als anderthalb Grad. Grafik: S. Rosser

Die kälteste Nacht des vergangenen Winters war ausgesprochen mild. Damit bestätigt sich der langjährige Trend. Die Jahreshöchsttemperaturen im Sommer erreichen immer höhere Werte.

Zürich erlebte eines der wärmsten Winterhalbjahre seit Messbeginn vor über 150 Jahren. Das Halbjahr von Oktober 2018 bis März 2019 wies am Zürichberg einen Wärmeüberschuss von rund anderthalb Grad gegenüber der Periode 1981–2010 vor. In den letzten 30 Jahren gab es eine ganze Reihe Winterhalbjahre, die ähnlich mild über die Bühne gingen wie aktuell. In der Zeit davor wurden solch milde Winterhalbjahre mit durchschnittlich über 5 Grad Celsius nie beobachtet. Noch wärmer im vergangenen Winterhalbjahr war es im Winterhalbjahr 2015/16 sowie vor allem im bisher wärmsten Winterhalbjahr 2006/07, welches nochmals ein Grad milder ausfiel.
Abgesehen vom Januar 2019 waren alle Monate des vergangenen Winterhalbjahres übertemperiert. Vor allem die Monate Dezember, Februar und März haben zum deutlichen Wärmeplus beigetragen. Richtig kalt wurde es im Winterhalbjahr 2018/19 nie.

Kälteste Nacht
Die tiefste Temperatur des vergangenen Winterhalbjahres am Zürichberg wurde in der Nacht auf den 23. Januar 2019 gemessen. Das Thermometer zeigte –5,7 Grad an. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erst einen Winter in Zürich, in dem die kälteste Nacht noch milder ausfiel als heuer. So war die kälteste Nacht des Winterhalbjahres 2016/17 gerade mal –4,3 Grad kalt. Deutlich kälter wurde es in der kältesten Nacht im letztjährigen Winter 2017/18. Damals fiel die Quecksilbersäule in der Nacht auf den 28. Februar am Zürichberg auf –13,1 Grad. Eisige Temperaturen unter –15 Grad gab es in Zürich in den letzten 30 Jahren nur im Winterhalbjahr 2011/12. Damals drückte eine markante Kältewelle im Februar das Thermometer am Zürichberg während der kältesten Nacht auf –16,9 Grad. In der Zeit vor den 70er-Jahren traten solch eisige Nächte alle paar Winter auf. In seltenen Fällen sank das Thermometer sogar unter die Minus- 20-Grad-Marke. Die kälteste Nacht seit mindestens Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Zürich am 12. Februar 1929, als knapp –25 Grad gemessen wurden.
Die globale Erwärmung führte bereits zu einer spürbaren Milderung der kältesten Nächte. Noch stärker als die jahreszeitlichen Durchschnittstemperaturen steigen die Temperaturen in den kältesten Nächten. In der Periode 1901 bis 1930 war die kälteste Nacht in Zürich im Durchschnitt noch –13,2 Grad kalt. In den letzten 30 Jahren war die kälteste Nacht im Schnitt noch –10,2 Grad kalt. So sind die kältesten Nächte des Winterhalbjahres heute drei Grad wärmer als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gemäss den neuen Klimaszenarien für die Schweiz (CH2018) erwärmen sich die kältesten Nächte des Jahres bis Mitte Jahrhundert um weitere 2 bis 6 Grad. Ohne globalen Klimaschutz würde die kälteste Nacht bis zum Ende des Jahrhunderts in Zürich sogar um 5 bis 9 Grad wärmer ausfallen als heute. Dann wären sogar Winter denkbar, in denen die kälteste Nacht des Jahres in Zürich nicht einmal Frost bringt.

40-Grad-Marke
Mit dem April beginnt nun das Sommerhalbjahr. Was im Winterhalbjahr die kälteste Nacht ist, ist im Sommerhalbjahr die Höchsttemperatur. Im letztjährigen Hitzesommer lag die Höchsttemperatur in Zürich beispielsweise bei 34,6 Grad. Noch heisser wurde es im Sommer 2013 mit 35 Grad. Über 35 Grad gab es in Zürich bisher in fünf weiteren Sommern: 1921, 1928, 1947, 1983 und 2003. Der Rekordwert von 36,4 Grad aus dem Hitzesommer 2003 hält bis heute. Auch hier zeigt sich eine deutliche zeitliche Entwicklung hin zu heisseren Jahreshöchsttemperaturen. Sie liegen heute um anderthalb Grad höher als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die neuen Klimaszenarien zeigen, dass neben der Hitze zukünftig auch die Trockenheit im Sommer immer häufiger zum Problem werden kann. Aufgrund der geringen Bodenfeuchte kann in solchen Hitzesommern weniger Wasser verdunsten, wobei die Kühlung des Bodens ausbleibt. Daher ist in Zukunft bei fortschreitendem Klimawandel mit einem erheblichen Anstieg der Jahreshöchsttemperatur zu rechnen. Die heissesten Sommertage werden in naher Zukunft (2020–2049) voraussichtlich um weitere 1 bis 3 Grad heisser.
Bis Mitte Jahrhundert sogar um bis zu 6 Grad. Ohne globalen Klimaschutz dürfte die Jahreshöchsttemperatur in Zürich bis Ende des Jahrhunderts (2070–2099) sogar um 4 bis 9 Grad zulegen. Das bedeutet, dass Zürich sich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts mit der 40-Grad-Marke auseinandersetzen werden muss.



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