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21.03.2019 Von: Tobias Stepinski

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Beziehung zu den Spielern aufrechterhalten»


Talentleiter leisten sich noch nicht viele Klubs, dabei ist Thomas Maag vom FC Küsnacht überzeugt, dass diese Aufgabe immer wichtiger wird. Foto: Tobias Stepinski

Der Küsnachter Thomas Maag hat im Amateurfussball schon alles erlebt: Er spielte selbst bis in die Zweite Liga. Dann wurde er Trainer. Nun ist er Talentleiter beim FC Küsnacht. Im Interview spricht er über den Bestechungsskandal beim GCZ und über die Zukunft des FC Küsnacht.

Thomas Maag, Sie sind Talentleiter beim FC Küsnacht. Wie sieht Ihre Arbeit genau aus?
Meine Aufgabe ist es, mit den 20 FCKüsnacht- Talenten, die beim FCZ und bei GC spielen, in Kontakt zu bleiben. Bei der individuellen Förderung der internen FC-Küsnacht-Talente wirke ich ebenfalls mit.

Durch das nationale Talentförderungsprogramm «Footeco» (siehe Box) verlassen schon früh gute Spieler ihren Dorfverein. Welche Vorteile hat dann das Programm für Sie?
Wohl «verlieren» wir so unsere talentiertesten Fussballer bereits im Alter von 11 oder 12 Jahren. Im Gegenzug erhalten wir später aber sehr gut ausgebildete Spieler zurück, wenn sie beim FCZ oder GC den Sprung in die nächsthöhere Kategorie nicht schaffen. Von den rund 100 Footeco-Spielern gehen dereinst vielleicht nur etwas zwei bis vier tatsächlich in den Profifussball. Alle anderen kehren in den Amateurfussball zurück.

Wie überzeugen Sie ehemalige Junioren, später wieder zum FC Küsnacht zurückzukehren?
Je weniger lang diese Jungs weg sind, desto einfacher ist es, sie von einer Rückkehr zu überzeugen. Je länger sie aber beim FCZ oder GC gespielt haben, desto grösser sind die Chancen, dass sie sich einem anderen Klub anschliessen, weil dort lieb gewonnene Fussballkollegen spielen oder die sportlichen oder finanziellen Aussichten rosiger sind. Meine Überzeugungsarbeit besteht darin, dass ich dem Spieler und seinen Eltern aufzeige, welche sportlichen Perspektiven es beim FC Küsnacht gibt und dass wir unsere Spieler gezielt intern fördern und unterstützen können.

Wie überzeugt sind Sie selber, dass die Spieler zum Lokalklub zurückkommen?
Wenn noch eine Beziehung besteht, ist die Chance grösser, dass der Spieler irgendwann zu seinem Stammklub zurückkehrt. Diese Beziehung aufrechtzuerhalten, ist eine Aufgabe, die der Klub wahrnehmen muss.

Dass versucht wird, ehemalige Spieler durch einen Talentleiter zurückzulocken, ist ziemlich neu. Ist dies das Ausbildungsmodell der Zukunft?
Es gibt nur wenige Klubs, welche diese Aufgabe aktiv bewirtschaften. Die Funktion wird aber für die Amateurklubs immer wichtiger, denn Spieler kehren heute nicht mehr automatisch zu ihrem Stammklub zurück. Nur wenn wir mit den Spielern, den Eltern sowie auch mit dem FCZ oder GC regelmässig in Kontakt sind, ist die Chance da.

Wie sieht es bei den Frauen und Mädchen des FC Küsnacht aus? Haben sie auch einen Talentleiter?
Nicht in dieser Form, aber auch in der Frauenabteilung des FC Küsnacht wird darauf geachtet, dass der Kontakt mit den Juniorinnen, die beim FCZ und GC spielen, nicht abbricht.

Fünf GC-Nachwuchstrainer sollen gewisse Junioren bevorzugt und dafür Geld angenommen haben. Ist das System daran schuld?
Nein, dieser Fall hat nichts mit dem Footeco-System zu tun. Er basiert auf der einen Seite auf überehrgeizigen Eltern und auf der anderen Seite auf Trainern, die der Verlockung nicht widerstehen konnten.

Was kann man tun, damit dies in Zukunft nicht mehr passiert?
Fussball als Teamsport basiert immer auch auf Vertrauen. Die Eltern und Junioren müssen dem Trainer vertrauen können, ebenso der Klub. Vertrauensmissbrauch kommt leider überall vor, nicht nur im Fussball, sondern auch im wirklichen Leben. Das ist eine Realität.

Sie sind schon lange im Fussballgeschäft tätig. Was unterscheidet heutige Talente von denen vor 20 Jahren?
Heute gibt es aufgrund der sehr guten Juniorenausbildung mehr Talente als früher. Aber es braucht heute auch viel mehr Talente als früher, damit gleich viele Spieler den Sprung in die erste Mannschaft schaffen. Heute ist im Amateur-Leistungsfussball weit weniger Ehrgeiz und Willen vorhanden als früher. Es würde ein Buch füllen, wenn ich alle Gründe für Trainings- und Spielabsenzen niederschreiben würde, die mir in den elf Jahren als Trainer von ersten Mannschaften im Amateurfussball von Spielern angegeben wurden.

Wie beurteilen Sie die Schweiz punkto Talentscouting?
Dank dem Footeco-Programm ist die Talenterfassung in der Schweiz weltweit eine der besten. Trotzdem gibt es noch immer Klubs, die ihre besten Junioren nicht fürs Footeco-Programm melden. Diese Spieler müssen dann die vom Verband beauftragten Profiklubs mit Scouts selbst ausfindig machen.

Falls ein Grossteil der Talente, die beim FCZ und GCZ momentan noch spielen, dereinst zurückkommt: Welche sportlichen Ziele kann sich dann der FC Küsnacht setzen?
Wenn alle 20 aktuell beim FCZ und bei GC spielenden Jungs zu uns zum FC Küsnacht zurückkehren würden, dann könnten wir mittelfristig die interregionale 2. Liga anpeilen. Das ist aber vor allem aus finanziellen Gründen etwas illusorisch. Für den FC Küsnacht sollte es aber ein mittelfristiges Ziel sein, dass er eine aus vorwiegend eigenen Spielern bestehende, erfolgreiche 2.-Liga-Mannschaft haben kann.



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