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21.03.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Zu dritt weibeln sie für ihre Vision


Ein «neues Lebensgefühl» an den Zürichsee bringen (v. l.): Kantonsrat Lorenz Schmid mit «Hecht»-Gründern Hannes Strebel und Urs Esposito. Foto: Manuela Moser

Der Zürcher Regierungsrat will die U-Bahn um den See nicht, doch das stoppt CVPKantonsrat Lorenz Schmid nicht: Er will die kühne Vision der Planergruppe Hecht weiter vorantreiben. Ein erster Gedankenaustausch fand beim Bahnhof Tiefenbrunnen statt.

«Die Antwort des Regierungsrates ist mutlos und visionslos», kommentiert Kantonsrat Lorenz Schmid (CVP, Männedorf), «aber Politiker können in der Regel nicht anders als reagieren. » Er selbst handelt jetzt. Denn Schmid hat sich anstecken lassen von einem kühnen Wurf der unabhängigen Planergruppe Hecht und ihrem «Masterplan Zürichsee 2050».
Dahinter stecken die «Masterhirne » Urs Esposito aus Küsnacht und Hannes Strebel aus Uetikon am See. Die beiden Architekten hatten ursprünglich sechs Vorschläge für die Entwicklung der Region Zürichsee entworfen. Dazu gehörten ein Pfannenstiel- und ein Seeautotunnel, ein durchgehender Seeuferweg, Passagierbootsverbindungen über den See und ein U-Bahn-Ring rund um den Zürichsee. Auf dem stillgelegten Bahntrassee wäre ein E-Bike-Trail geplant. Kantonsrat Schmid konzentriert sich nun auf deren zwei: die UBahn und den E-Bike-Trail am rechten Seeufer. Ende des vergangenen Jahres hatte er eine entsprechende Anfrage beim Zürcher Regierungsrat eingereicht.

«Vision ist zu teuer»
Der Regierungsrat will auf die kühnen Planerideen aber nicht näher eingehen. «Zu teuer», heisst es in der aktuellen Antwort. Und zwar nicht nur die Baukosten, sondern auch die fortlaufenden Betriebskosten. Diese seien bei «langen Tunneln und unterirdischen Stationen erheblich grösser als bei oberirdischen Strecken». Der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Zusatznutzen gegenüber der klassischen Bahnerschliessung, heisst es weiter. Einzig den E-Bikes räumt der Regierungsrat ein «grosses Potenzial» ein. Diese könnten die Reichweite «erheblich erhöhen». Konkret bis zu 20 zusätzliche Kilometer, rechnet er.
Trotz abschlägiger Antwort wollen Politiker Schmid und die beiden «Hecht»-Gründer nun aber nicht aufgeben. Die Vision bringe der Bevölkerung am See «ein neues Lebensgefühl, eine neue Identität, eine Lake Area». «Wir holen jetzt die Bevölkerung und die Verantwortlichen vor Ort mit ins Boot», sagt Schmid. Gerade auch die Jungen, die offen seien für eine modernere Art von Mobilität, sollen informiert werden. Ein konkreter nächster Schritt ist die Gründung einer Interessengruppe (IG), die sich halbjährlich trifft.

Am Tisch ein erstes Gespräch
Auch hat bereits ein erstes unverbindliches Gespräch mit möglichen «Stakeholdern» stattgefunden: vergangene Woche beim Bahnhof Tiefenbrunnen. Eingeladen waren ein Experte für die Planung (Michael Stünzi, Mitglied der Planungs- und Baukommission Thalwil), ein Experte für den Tunnelbau (Stefan Maurhofer, Dozent an der Hochschule für Technik Rapperswil) und ein Vertreter der ansässigen Hauseigentümer (Markus Dudler, Präsident HEV Küsnacht und Umgebung). Nicht teilnehmen konnte der Zumiker Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP). Er hätte die einzige Gemeinde an der Goldküste mit einem unteririschen Bahnhof für die Forchbahn vertreten sollen.
Schriftlich liess Eberhard ausrichten: «Seit 1976 fährt die Forchbahn, die heutige S18, auf Zumiker Gemeindegebiet fast vollständig unterirdisch. » Ohne Tunnel hätte man heute ein Bahntrassee mitten durchs Dorf. Mit dem Tunnel habe sich nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern die Bahn könne auch schneller fahren.

Bahn durchschneidet Dörfer
«Noch deutlicher als im Bezirk Horgen durchschneidet die bestehende Trasseeführung der Bahn im Bezirk Meilen die Seegemeinden», führte auch «Hecht»-Mitbegründer Hannes Strebel an der Tischrunde beim Bahnhof Tiefenbrunnen aus. Gleichzeitig nehme die Zersiedelung zu. «Ein Siedlungsbrei von flachen Häusern», ergänzte «Hecht»-Partner Urs Esposito. «Es braucht jetzt einschneidende planerische Massnahmen.» Eine unterirdische Bahnführung würde nicht nur zu einer höheren Lebensqualität beitragen, war sich die Runde schliesslich einig, sondern würde auch die Grundstücke an der Goldküste aufwerten.
HEV-Präsident Dudler zeigte sich darob etwas kritisch. «Was, wenn die Wohnpreise wegen der zusätzlichen Attraktivitätssteigerung noch mehr explodieren? », fragte er. Gleichzeitig gab er zu bedenken, dass er sich im unterirdischen Bahnhof Zumikon gerade nachts nie ganz sicher fühle. «Es ist kein schöner Ort, um spätabends auf den Zug zu warten.»

«U-Bahn-Tunnel nicht so teuer»
Tunnelexperte Maurhofer sah dies ganz anders. «Mit den heutigen Möglichkeiten der Beleuchtung und der neuen Bauart kann man auch solche Orte wohnlich gestalten.» Maurhofer ist weltweit tätig und kennt gute Beispiele in Singapur. Auch die Kosten relativierte er: «Ein Tunnel für eine U-Bahn ist nicht so breit wie ein Tunnel für Autos.» Gleichzeitig, so warf Politiker Lorenz Schmid ein, sollte die Bahn dereinst von Privaten betrieben werden. «Der Mehrwert, den die Liegenschaften erzielen würden, könnte abgeschöpft werden», lautete der Input von Strebel. Und Esposito rechnete vor, dass allein in Küsnacht das Bahnhofareal und das Trassee einen Wert von 100 Millionen Franken hätten. Wenn also die SBB verkauften und stattdessen in eine neue Verkehrsinfrastruktur investierten, wäre dies laut Esposito ein Nullsummenspiel.
Planer Michael Stünzi meinte schliesslich, die Zeiten seien vorbei, als die Bahn und auch die Autostrassen durch die schönsten Orte der Schweiz führten. «Heute will man schnell vorwärtskommen», behauptete er, «und niemand schaut mehr während einer Bahnfahrt zum Fenster hinaus. Es sind alle mit ihren Smartphones beschäftigt.» Daher könne man den Bahnverkehr in Zukunft genauso gut auch unterirdisch führen.
Kantonsrat Schmid merkte an, dass er seit 40 Jahren im Bezirk Meilen wohne. Es fehle hier besonders an Zukunftsperspektiven. «Ich muss Jacqueline Fehr teils recht geben, Nicht vieles hat sich an der Goldküste verändert.» Vergangenes Jahr hatte die SP-Regierungsrätin mit dieser Bemerkung einen Empörungssturm besonders unter den Bürgerlichen am rechten Ufer ausgelöst. Schmid: «Aus dieser Empörung kann man jetzt etwas machen.»



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