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27.03.2019
Zürich West

Sogar Theater macht das Quartier zur Bühne


Persönliche Geschichten des Quartiers hörbar und sichtbar machen: Der Live-Audio-Walk führt jeweils 25 Zuschauerinnen und Zuschauer durch den Kreis 5. Foto: Alex Urosevic/zvg.

Wenn nächste Woche die Sanierung des Sogar Theaters startet, steht der Theaterbetrieb noch nicht gleich still: In den ersten zwei Aprilwochen lädt das Theater mit dem Projekt «Kreis 5 – ein Live-AudioWalk» zu einem Spaziergang durchs Quartier.

Lisa Maire

Von der Langstrasse bis zum Röntgenplatz, vom Sihlquai bis zum Riffraff: Im Kreis 5 verstecken sich unzählige Geschichten. Während des etwa 80-minütigen Audio-Walks begleitet die bekannte Schweizer Schauspielerin Mona Petri Zuschauerinnen und Zuschauer durch das «Foifi»: Über Kopfhörer hören sie die Stimmen von Menschen aus dem Quartier, die im Walk mitspielen: Sie tauchen unterwegs auf, schauen aus einem Fenster am Wegesrand, in einer Bar, in einem Schaufenster oder in einem Friseursalon. Sie sind Flüchtlinge, Migranten und Alteingesessene, die von ihrer Vergangenheit und ihren Zukunftsplänen erzählen, von ihren Ängsten und Träumen.

Im Kreis 5 wohnen und arbeiten heute Menschen aus 79 Ländern. Wenn sie auf dem Audio-Walk von sich und ihrem Leben im Quartier erzählen, mischt sich Bekanntes mit Unerwartetem, Vertrautes trifft auf Fremdes. Auch Expertenstimmen finden Eingang in den Audio-Walk: Sie reflektieren die persönlichen Schilderungen von Quartierthemen wie Migration, Sexarbeit und Gentrifizierung und stellen sie in einen gesellschaftlichen Kontext.

Spiegel und Sprachrohr

Theater soll ein Spiegel der Gesellschaft sein – dies bedeutet, dass auf der Bühne nicht nur über, sondern vor allem mit den «Anderen» gesprochen wird. Das Sogar Theater möchte gezielt die Stimmen von Menschen hörbar machen, die sonst nicht auf der Bühne stehen. Bei einem landesweiten Ausländeranteil von 26 Prozent sind Referenten und Sprachrohre nötig. Für die zwei Millionen Menschen, die zwar von der politischen Mitsprache ausgeschlossen sind, von denen aber erwartet wird, dass sie unsere Bedürfnisse und Regeln verstehen und mittragen.

Im Projekt «Kreis 5» spielen deswegen sowohl professionelle Schauspielerinnen und Schauspieler – mit und ohne Migrationshintergrund – wie auch Menschen aus dem Quartier mit. In der besonderen Form des Live-Audio-Walks suchen sie alle einen lebendigen Austausch mit dem Publikum. Um den Kontext, in dem die verschiedenen persönlichen Geschichten aus dem Quartier spielen, besser verständlich zu machen, arbeitet die Basler Regisseurin und Schauspielerin Isabelle Stoffel auch mit vorproduzierten Einspielern: In Interviews mit Expertinnen und Experten werden Gesellschaftsstrukturen reflektiert und daraufhin geprüft, wie sie die Integration begünstigen oder erschweren.

Dialoge nach dem Walk

Am Ende des Spaziergangs greifen jeweils Podiumsgespräche die angesprochenen Themen wie Migration, Sexarbeit, Gentrifizierung, Armut, Chancengleichheit, Sucht, Prostitution und Menschenhandel nochmals auf und stellen sie in einen gesellschaftlichen Kontext. Publikum und Theaterteam treten an den etwa 45-minütigen Gesprächen mit verschiedensten Entscheidungsträgerinnen und -trägern aus Politik, Verwaltung und Institutionen in einen Dialog.

Die Podien finden jeweils in der Photobastei statt. Moderiert werden sie von Inés Mateos, Fachexpertin für Bildung und Diversität. Zu den Gästen am Tisch gehören Michael Bischof, Projektleiter Integrationsförderung Stadt Zürich, Simone Prodolliet, Geschäftsführerin Eidgenössische Migrationskommission, SP-Nationalrätin Min Li Marti, die Gemeinderäte Perparim Avdili (FDP), David Garcia (AL) und Muammer Kurtulmus (Grüne), Ursula Kocher, Leiterin Frauenberatung Flora Dora, Bea Schwager, Leiterin Sans-Papiers Anlaufstelle Zürich, Matthis Schick, Leiter Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik am Unispital Zürich, Max Elmiger, Direktor Caritas Zürich, Serena O. Dankwa, Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration FIZ, Carmen Berchtold, Leitung Soziale Stadtrundgänge Surprise, Kijan Espahangizi, Co-Präsident Institut Neue Schweiz, sowie Regisseurin Isabelle Stoffel.

 

Das Kleintheater wird grösser

Seit über 20 Jahren ist das Sogar Theater an der Josefstrasse 106 beheimatet, in einem Haus mit einer bewegten Geschichte. Nun stehen dem Kleintheater aufregende Zeiten bevor: Ab April bis Ende September wird das ganze Haus saniert. Auch der Theaterraum mitsamt Bar und Garderoben wird umgebaut.

Mehr Platz und bessere Luft

Gemäss der Dr. Stephan à Porta-Stiftung, der das Haus seit 2015 gehört, lässt sich eine Sanierung aufgrund des schlechten Zustands verschiedener Bauteile nicht mehr länger aufschieben. Weil die Publikumskapazitäten im Sogar Theater bisweilen knapp waren, wird gleichzeitig mit den Sanierungsarbeiten der Theatersaal vergrössert: Nach der Neueröffnung im Herbst wird es rund 20 Plätze mehr geben. Der Saal wird auch höher sein, und die sichtstörende Stütze mitten im Raum verschwindet. Darüber hinaus sollen die Akustik und die Luftqualität (dank neuer Lüftung) verbessert werden. Menschen mit einer Beeinträchtigung finden künftig einen barrierefreien Zugang zum Haus sowie eine angepasste WC-Anlage. Im Untergeschoss werden Künstlergarderoben und weitere Toiletten eingebaut. Nicht zuletzt soll künftig ein neues separates Foyer mit Theaterbar zum Verweilen einladen.

Einweihungsfest im Oktober

Während der Sanierungs- und Umbauarbeiten zieht das Theaterbüro an einen provisorischen Standort an der Josefstrasse, auf der anderen Seite der Langstrasse. Die Wiedereröffnung des neuen alten Sogar Theaters wird dann am 19. Oktober mit einem grossen Einweihungsfest gefeiert. (mai.)



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