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27.03.2019
Zürich West

«Wiedikon ist kein Hotspot des Wachstums»


Für die bauliche Entwicklung Wiedikons in den nächsten 20 Jahren sollen die BZO-Reserven ausreichen. Foto: mai.

«Wie soll Wiedikon in 20 Jahren aussehen?» Dieser Frage widmete sich eine Veranstaltung mit Stadtrat André Odermatt im Anschluss an die letzte GV des Quartiervereins.

Lisa Maire

Geht es um Wachstum und Verdichtung, sind Flyer zu Infoveranstaltungen schon mal mit Fotomontagen dekoriert, die gewaltige Hochhaus-Skylines zeigen. Solche Szenarien, «bei denen einem ganz schwindlig wird», seien in Wiedikon sicher nicht zu erwarten, sagte SP-Stadtrat André Odermatt in seinem Referat vor den Mitgliedern des Quartiervereins und weiteren Gästen im «Falcone». Wiedikon sei «kein Hotspot starken Wachstums», betonte der Hochbauvorsteher. Bis 2039, so lauten die Prognosen, werden etwa 10 000 Menschen mehr im Quartier wohnen. Um dies baulich aufzufangen, brauche es jedoch keine zusätzlichen Aufzonierungen. Die Reserven innerhalb der bestehenden BZO reichten dafür aus, ist Odermatt überzeugt.

Infrastrukturen nicht vergessen

Wiedikon gilt bereits als eines der dichtesten Quartiere der Stadt. Für eine hohe Lebensqualität sorgen dabei seine zahlreichen Blockrandbauten. Aber auch Ersatz- und Neubausiedlungen wie «Les Hiboux» oder «Triemli I» beweisen gemäss Odermatt, dass gute verdichtende Projekte Wohnqualität auch an schwierigen Verkehrslagen möglich machen können. Verdichtung müsse aber stets einhergehen mit der Schaffung zusätzlicher Freiräume. In der ganzen Stadt seien dafür neue Flächen in der Grösse von 60 Fussballfeldern vorgesehen, so Odermatt. In Wiedikon mit seinen grossen grünen Lungen (Allmend, Uetliberg) habe man Grün Stadt Zürich mit Neupflanzungen und der Aufwertung kleinerer grüner Flächen beauftragt.

Nein, Wiedikon sei noch nicht gebaut, meinte Odermatt auf die entsprechende Frage von NZZ-Redaktor Daniel Fritzsche, der die anschliessende Fragerunde moderierte. Doch selbst wenn sich das Wachstum alleine über Aufstockungen oder Ersatzbauten gemäss BZO 2016 bewältigen lässt: Ohne Anpassung der Infrastrukturen – Schulraum, öV, Schutz & Rettung – wird es auch in Wiedikon nicht gehen. «Wir müssen stets die Gesamtentwicklung im Auge behalten», so Odermatt.

Eine weitere Frage drehte sich darum, ob es angesichts der Entwicklung des Onlinehandels noch zeitgemäss sei, in Quartierzentren EG-Nutzungen vorzuschreiben. Zürich sei zwar bisher noch nicht sehr stark betroffen vom Ladensterben, sagte Odermatt, gab jedoch zu: «Die EG-Nutzung muss irgendwie neu gedacht werden.» Damit sie attraktiv sei, brauche auch der öffentliche Raum darum herum eine gewisse Qualität. Fritzsche wollte zudem wissen, wieso man heute keine Blockrand-Siedlungen mehr baue, wo doch ihr hoher Wohnwert so gelobt werde. Der Hochbauvorsteher verwies auf die zunehmende sommerliche Hitzebelastung in der Innenstadt. Blockränder wirkten da wie Staumauern und verhinderten eine genügende Durchlüftung.

Zentren stärken, Freiräume sichern heisst der planerische Grundsatz zur Qualitätssicherung im städtischen Lebensraum. Aber lässt sich die von der Stadt definierte Vorgabe von acht Quadratmetern Grünfläche pro Einwohner auch in 20 Jahren noch erreichen? «Wir diskutieren diese Frage sehr intensiv», antwortete Odermatt. Im kommunalen Richtplan gebe es denn auch bereits viele Einträge für neue Parkanlagen. Die strategische Vorgabe bleibe jedoch eine grosse Herausforderung.

Starker Hebel: Genossenschaften

Auch die Hochhausfrage beschäftigt im Quartier. Ein Wiediker zeigte auf der Leinwand das Bild eines fünfstöckigen Hauses an der Birmensdorferstrasse mit doppelt so hohem Baugespann. «Wo überall kann so etwas passieren?» fragte er dazu. Dies sei kein Sonderfall, betonte Odermatt, sondern eben genau ein Beispiel dafür, dass auch ohne zusätzliche Aufzonierung verdichtet werden könne. «Manche nutzen jetzt einfach Möglichkeiten, die schon seit 20 Jahren bestehen.» Mit Blick auf die jüngsten Ereignisse rund um die Siedlung Brunaupark kam aus dem Publikum auch die Frage, wie die Stadt gedenke, bezahlbaren Wohnraum sicherzustellen. Odermatt: «Unser stärkster Hebel ist dort, wo es Genossenschaften gibt» – und von denen gebe es ja in Wiedikon einige. Auf den privaten Wohnungsbau, wie etwa auch beim Brunaupark, habe man leider nur beschränkt Einfluss.

Eine «leidenschaftliche Töfflifahrerin» im Publikum brachte schliesslich den Verkehr zur Sprache: «Wie wird er in 20 Jahren aussehen?» Der Hochbauvorsteher verwies bei dieser Frage auf den kommunalen Richtplan Verkehr, der im vergangenen Herbst neu aufgelegt wurde. Seine Stossrichtung: Zusätzliches Verkehrsaufkommen müsse im Velo-, Fussgänger- und ÖV-Bereich abgewickelt werden. «Das ist ganz klar», so Odermatt. 

Ansturm beim Quartierverein Wiedikon

Mit der Bevölkerung wächst auch der Quartierverein Wiedikon. Wenn das so weitergehe, sagte QV-Präsident Urs Rauber bei der Eröffnung der 103. GV im «Falcone», müsse man sich bald einen grösseren Saal suchen oder noch dichter stuhlen. In der Tat drängten sich 129 Stimmberechtigte um die Tische – das sind 45 mehr als an der GV 2018.

Der rege Zulauf folgt der Entwicklung der Mitgliederzahlen: Ende 2018 zählte der Quartierverein 718 Mitglieder – 103 mehr als im Vorjahr. Aus dem Jahresbericht hob Rauber verschiedene Veranstaltungshighlights hervor sowie die erfreuliche Bilanz bei den Homepage-Besuchen: Nicht zuletzt dank wöchentlich aufgeschalteten Berichten aus dem Kreis 3 und neuem Facebook-Link hat sich die Besucherzahl verdreifacht. Die von Finanzchef Flurin Capaul präsentierte, extrem präzise Jahresrechnung weist einen Überschuss von Fr. 1722.23 und ein Vereinsvermögen von Fr. 118 313.84 aus.

Auf der Traktandenliste – alle Punkte wurden einstimmig verabschiedet – standen schliesslich die Wahl von GLP-Gemeinderätin Isabel Garcia zum 11. Vorstandsmitglied sowie die Ernennung der Wiediker Urgesteine Andrea Flury, Monika Widmer und Hermann Schumacher zu Ehrenmitgliedern. Der vom Vorstand ebenfalls vorgeschlagene Ernst Hänzi, alt Präsident des QV, verweigerte sich jedoch der Ernennung. Er habe schon bei seinem Rücktritt vor drei Jahren kommuniziert, nie Ehrenmitglied werden zu wollen, sagte Hänzi. «Ich bin einfach der Altpräsident!» Sein Entscheid wurde nach etwas Hin und Her vom Vorstand schliesslich respektiert. (mai.)



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