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28.03.2019 Von: Elsbeth Stucky

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Der Tod kommt aus heiterem Himmel


Nils Müller und Claudia Wanger praktizieren auf ihrem Hof auf der Forch artgerechte Tierhaltung bis hin zur Weideschlachtung. Foto: zvg.

Bio-Bauer Nils Müller ist Pionier der Weideschlachtung. Er erlegt seine Tiere selber – auf dem Hof ob Küsnacht, wo sie geboren sind. Der stressige Gang zum Schlachthof bleibt ihnen erspart. Nun hat er seine Bewilligung für weitere zehn Jahre erhalten.

«Der Geist meiner Grossmutter schwebt über dem Hof», sagt Nils Müller. Ähnlich wie er heute habe sie vor gut 100 Jahren im Bernbiet gewirtschaftet. Der Bio-Hof Zur chalte Hose auf der Forch geht einher mit einem Gastbetrieb. So wie es früher gang und gäbe war in einem Dorf.
Nils Müller und Claudia Wanger betreiben ihren Bio-Betrieb naturnah. Sie halten die Angus-Kühe und Pferde in Herden, im Sommer kommen die Kühe auf die Alp im Muotathal. Die Schweine dürfen in der Erde wühlen und Mais und Soja werden nicht verfuttert. Die Tiere sind artgerecht gehalten und auf natürliche Weise gezeugt.
«Mit etwas konnten wir uns nicht anfreunden», so der Landwirt, «mit dem Transport in den Schlachthof.» Die Herde gebe dem Tier die Sicherheit, erklärt Müller. «Wird ein Tier von der Herde getrennt, bekommt es Angst, Stress und gerät in Panik.»

Weideschlachtung mit Jagdschein
Da die Hofschlachtung von Rindern in der Schweiz nicht gestattet ist, begann der Gang durch die Ämter. Als Erster in der Schweiz darf Müller seit einigen Jahren auf der Weide seine Rinder töten. Der Landwirt erwarb den Jagdschein und richtete auf seiner Koppel einen Hochstand ein. Wie ein Schlachttag vor sich geht, erklärt er beim Rundgang: «Ich treibe die ganze Herde in die Koppel und töte ein Tier mit gezieltem Kopfschuss. Innert 90 Sekunden muss es ausgeblutet werden. Die Herde weidet derweil unbekümmert weiter.» An das Geräusch von Schüssen gewöhne er die Tiere schon vorher. Abstrahieren könnten sie nicht, warum plötzlich «aus heiterem Himmel» einer von ihnen umfällt.
Die Weideschlachtung auf der Forch weckte das Interesse von Landwirten und Medien über die Landesgrenzen hinaus. Kürzlich sei in Paris über sie berichtet worden. Und Müller sagt erfreut: «Wir sind in der Schweiz bereits fünf Landwirte, die Weide- oder Hofschlachtung vornehmen.» Der Kugelschuss sei das kompromissloseste Vorgehen, die vier anderen Betriebe wählen die Tötung durch den Bolzenschuss eines Metzgers. Die Bewilligung zur Weideschlachtung wurde ihnen kürzlich vom kantonalen Veterinäramt für weitere zehn Jahre erteilt. Jeder Abschuss werde unter strikter Kontrolle, im Beisein des Amtstierarztes und des Metzgers, durchgeführt. Doch einfach sei der Weg nicht gewesen durch alle Instanzen, sagt Claudia Wanger. Gastronomin aus Berufung, tischt sie den Gästen das hofeigene Fleisch auf: als Braten, Salami oder aus der eigenen Räucherkammer. Nach Italien reiste Müller, um das Handwerk der Rohwurstherstellung zu lernen.

«Zurück zum Sonntagsbraten»
Das Konzept der Weideschlachtung überzeugt, wird dem Wohl des Tieres gerecht und fördert die Qualität des Fleisches. Doch kann man so die Welt ernähren? «Ja», sagt der Landwirt. Das Forschungsinstitut für Biologische Landwirtschaft (FiBL) konnte es belegen. Möglich sei es mit der Einschränkung von Food Waste und indem weniger Fleisch gegessen wird. «Zurück zum Sonntagsbraten wie früher», sagt der Landwirt, Fleisch als Höhepunkt der Woche. Eine Möglichkeit auch, sinniert er, wie die Schweizer Landwirtschaft überleben könnte. «Schliesslich sind wir von der Kultur her Landwirte. » Nach dem Ausbluten des Rindes wird es mit einem Spezialtransporter ins nahe gelegene Schlachtlokal Küsnachterberg und Umgebung gefahren, wo Metzger das Tier fachgerecht zerlegen. Keine Fliessbandarbeit. Müller ist sich sicher, die Lösung liege nicht in den Grossschlachtbetrieben.
«Etwas töten, was man liebt: Es ist der tragische Akt, dem wir nicht entkommen können», sagt Müller abschliessend. Aber Verantwortung für die Tiere übernehmen von der Geburt bis zum Todesschuss – das geht.



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