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28.03.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Klimaschutz ist schon lange auf dem Plan


Bei der Sanierung des Dorfplatzes wurden auch die neuen Abwasserleitungen verlegt. Foto: zvg.

Jugendliche gehen weltweit fürs Klima auf die Strasse. An der Kanti Küsnacht ist der Umweltschutz schon lange ein Thema. Vor zwölf Jahren wurde eine eigene Solaranlage gebaut. Ab Juni ist nun die abwasserbetriebene Heizung bereit.

Wer möchte jetzt an Heizung denken? Schliesslich wird es draussen gerade wärmer. Doch der nächste Winter kommt bestimmt, und dann gibt es in Küsnacht eine Premiere: Die Kantonsschule und das Gemeindehaus werden nicht mehr mittels Erdgas, sondern mit Abwasser beheizt.
Dieser Tage gehen die Arbeiten an der neuen Wärmepumpe zu Ende, im Juni fliesst dann das erste Abwasser durch die neuen Leitungen. Initiiert haben das Projekt Christian Grütter, Rektor an der Kantonsschule Küsnacht, und sein Physiklehrerkollege Rainer Mertens.

Mit einer Solaranlage fing es an
Angefangen hatte alles mit der Idee, auf dem Dach der Kantonsschule eine Solaranlage zu bauen. Das war 2007. «Die Wissenschaft weiss schon lange, dass wir auf eine Klimakatastrophe zusteuern», sagt Mertens, «und dass die CO²-Reduktion das einzige Mittel ist, diese abzuwenden.» Darum wurden die beiden Physiklehrer tätig. Sie gründeten zusammen mit ihren Schülern die Genossenschaft Solécole. Die Kosten von rund 270 000 Franken deckte man mit Spenden, Subventionen vom Kanton und Investoren. Heute sind sogar zwei Anlagen gebaut – und eine dritte auf dem Alters- und Gesundheitszentrum Tägerhalde in Planung.
Die Darlehen der ersten beiden Anlagen kann Solécole bis diesen Herbst zurückbezahlen, und Auszeichnungen gab es auch. Beispielsweise den Umweltpreis der Zürcher Kantonalbank. In Fronarbeit hatten die Jugendlichen die Solaranlagen auf dem Dach der Schule installiert – und waren damit dem heutigen Engagement der Jugendbewegung um ein Jahrzehnt voraus. 2010 folgte dann der zweite Streich. Die Gemeinde teilte mit, dass die Abwasseranlage (ARA) in Zumikon stillgelegt werde. Es sollten 2016 neue Leitungen zur Küsnachter Abwasseranlage im Heslibach gebaut werden.

Warum nicht Abwasser nutzen?
«Da kam uns die Idee, dass wir die Wärme des Abwassers nutzen könnten, welches künftig nur einen Steinwurf von der Kantonsschule entfernt durchfliessen wird», sagt Grütter. Zwar messe man nur etwas über zehn Grad. «Das ist aber nur scheinbar kalt.» Denn verglichen mit Seewasser, das um vier Grad sei, ist es warm, und diese Wärme liefert viel Energie – wenn man sie mit einer Wärmepumpe zu nutzen weiss. Konkret: Man entzieht dem Wasser die Wärme und führt sie dem Haus zu.
Mit diesem Anliegen wurden die beiden Physiker bei der Gemeinde vorstellig – der Plan war es, nebst der Schule künftig auch das Gemeindehaus mit Abwasserwärme zu heizen. Beim Küsnachter Tiefbauvorsteher Albi Thrier stiessen sie auf offene Ohren. «Die Liegenschaften der Kantonsschule, das Gemeindehaus und der Gasthof Ochsen bilden seit langem einen Wärmeverbund.» Mit dem Rückbau der ARA Zumikon und dem Bau der Abwasserleitung von Zumikon nach Küsnacht sei die Möglichkeit entstanden, den Wärmeverbund mit erneuerbaren Energien aus der Abwärme zu versorgen.

Gegen alle Widerstände gekämpft
Eine Machbarkeitsstudie wurde erstellt, die herausfinden sollte, ob die Abwassermenge ausreicht, um genügend Wärme abzuleiten. Zugute kam dem Projekt, dass die Heizung sowieso hätte erneuert werden müssen. Doch es gab viele Widerstände zu überwinden: Das Projekt musste vom Mittelschul- und Berufsbildungsamt (MBA) genehmigt werden. Dieses bemängelte, dass Gelder statt in Bildung in eine Heizung investiert würden. Grütter: «Dabei argumentierten wir, dass wir das Bewusstsein der Jugend nicht nur für die Umweltprobleme schärfen, sondern sie auch praktisch einbinden wollten.» Auch ein zweites Gesuch wurde abgelehnt.
Doch zu diesem Zeitpunkt gab es Unterstützung vom Hochbauamt des Kantons. Die Sache ging bis auf Regierungsebene. «Dabei ergab sich die absurde Situation, dass die damalige Bildungsdirektorin Regine Aeppli mit dem damaligen Tiefbauvorsteher Markus Kägi die Sache diskutieren musste. Die SP-Frau war dagegen, der SVP-Mann dafür.» Schliesslich wurde es bewilligt, auch vom Awel. «Ganz nebenbei konnten wir den Schülerinnen und Schülern zeigen, dass sich Hartnäckigkeit auszahlt, wenn man etwas erreichen will.»
Als der Dorfplatz 2014 saniert und der Kanal zwei Jahre später erneuert wurde, sind die Wärmetauscher unter Grund eingebaut worden. Die Heizkessel sind auf mehrere Gebäude verteilt. Der grösste wurde diesen Monat im Kirchgemeindehaus platziert. Ab Juni fliesst dann das Abwasser von Zumikon nach Küsnacht. Bis zum tatsächlichen Gebrauch wird es aber Winter werden müssen.
Grütter sagt, ein Gefühl der Genugtuung stelle sich aber schon heute ein. «Für all den Aufwand, der dahintersteckt. »



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