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03.04.2019 Von: Silvan Rosser

Züriberg

Labile Wetterlagen sind typisch April


Die Grafik zeigt es sehr eindrücklich: Der April ist berechtigterweise bekannt für seine Wechselhaftigkeit. Weist er doch den tiefsten monatlichen Luftdruck im Jahresverlauf vor. Grafik: Silvan Rosser

Und schon ist er da: der April. Er steht wie kein anderer Monat für wechselhaftes Wetter. Warum ist das so? Unser Wettermann erklärt es.

Kaum ein anderer Monat geht mit weniger Vorschusslorbeeren an den Start. Jede Hochdruckphase überrascht indes doppelt – wird stabiles Wetter ja bekanntlich nicht mit dem April assoziiert. Doch ist der April wirklich wechselhafter als andere Monate, und falls ja, wie kommt die Wechselhaftigkeit zustande?

Wie wechselhaft?
Mal scheint für einige Stunden die Sonne, dann braust der nächste Regen- oder sogar Schneeschauer übers Land. Alle verstehen in etwa das Gleiche unter «Wechselhaftigkeit», doch wie kann die Wechselhaftigkeit eines Monats standardisiert gemessen werden? Ein wechselhafter Tag ist weder heiter noch trüb, sondern eben etwas dazwischen. Als heiter gilt ein Tag, wenn die Sonnenscheindauer mehr als 80 Prozent der möglichen Dauer erreicht.
Trüb sind Tage mit weniger als 20 Prozent der möglichen Sonnenscheindauer. Wechselhafte Tage sind sonnentechnisch also irgendwo dazwischen. Zudem sollte es gemäss Vorstellung auch noch häufig regnen. Ein Blick in die Wetterannalen zeigt, dass die Anzahl trüber Tage pro Monat in Zürich zwischen Januar und April kontinuierlich abnimmt, während die heiteren Tage leicht zunehmen. Diese Entwicklung setzt sich aber bis in den Sommer hinein fort. Der April ist hier keine Ausnahme. Auch der Mai bringt in Zürich im langjährigen Durchschnitt sechs heitere und elf trübe Tage pro Monat, genau gleich viele wie ein durchschnittlicher April. Und auch bei der Anzahl Regentage zeigt sich kaum ein Unterschied zwischen den Monaten. Von März bis August ist in Zürich mit 11 bis 13 Regentagen pro Monat zu rechnen. So einfach lässt sich die Wechselhaftigkeit des Aprils also nicht beweisen.

April = Tiefdruck
In der Theorie erklärt sich das wechselhafte Aprilwetter durch die grossen Temperaturunterschiede zwischen den noch kalten Meeren und den subpolaren Gebieten der Nordhemisphäre und dem durch die starke Aprilsonne bereits recht stark aufgeheizten Kontinentaleuropa. Bei günstigen Nord- oder Nordwestlagen werden folglich noch sehr kalte Luftmassen nach Mitteleuropa geschickt. Über dem Land erfährt die Kaltluft bodennah bereits eine starke Erwärmung in der Aprilsonne, während in der Höhe die Luft aus dem Norden weiter eiskalt bleibt (Höhenkaltluft). Es entsteht eine labile Schichtung, die durch einen grossen vertikalen Temperaturgradient gekennzeichnet ist. Dabei können in Bodennähe aufgeheizte Luftpakete aufgrund der fehlenden Stabilisierung rasch und ungehindert in die Höhe schiessen, wobei sie sich abkühlen, kondensieren und Quellwolken bilden. Labile Verhältnisse stehen sinnbildlich für Tiefdruckwetter. Anders bei Hochdruck: Hier ist der vertikale Temperaturgradient deutlich schwächer. Das Hoch wirkt wie ein Deckel und hindert Luftpakete daran, aufzusteigen und Quellwolken zu bilden. Tatsächlich zeigt der April häufiger als alle anderen Monate labile Verhältnisse und hat in Zürich den tiefsten mittleren monatlichen Luftdruck.

April, April
Typisches Aprilwetter herrschte letztmals 2002 und 2004. In beiden Fällen war der ganze April geprägt von wechselhaftem Wetter. Der April kann aber auch ganz anders. So kamen stabile Aprilmonate mit Frühsommerwetter in den letzten Jahren regelrecht in Mode. Die vier wärmsten Aprile mit einer Durchschnittstemperatur von 12 bis 14 Grad in Zürich wurden alle nach 2007 registriert. Der letztjährige April rangiert auf der ewigen Wärmeliste auf dem zweiten Platz. Dass der April aber regelrecht macht, was er will, zeigten die Jahre 1903, 1917 und 1919. Diese Aprile waren geprägt durch spätwinterliche Verhältnisse. Frühlingsgefühle kamen überhaupt keine auf. Mit durchschnittlich weniger als 5 Grad waren diese Aprile sogar noch kälter als ein normaltemperierter März.
Ein wechselhafter April 2019 würde also niemanden überraschen. Denn der April ist berechtigterweise für seine Wechselhaftigkeit bekannt. Ob er aber trotzdem macht, was er will und stattdessen Spätwinter-, Frühsommer oder einfach Frühlingswetter bringt, wird sich diese Tage zeigen.



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