Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
03.04.2019
Zürich West, Zürich 2

Stadtrat lässt Deal mit CS platzen


Stark verdichtet, aber ähnlich hoch und weiter grün: Die neue Überbauung im Brunaupark-Areal. Visualisierung: zvg.

Jetzt ist klar: Die CS will den Brunaupark schon ab 2021 abreissen und neu bauen. Nach einem Rückzieher der Stadt ist aber offen, ob die Pensionskasse ihren forschen Fahrplan einhalten kann. 

David Herter

Die Pensionskasse der Credit Suisse Group muss sich ihrer Sache sicher gewesen sein. In der vor einer Woche versandten Medienmitteilung erklärt die CS nicht nur ihre Pläne für die Umgestaltung des Brunaupark-Areals, wo sie rund 240 Wohnungen abreissen und 500 Wohnungen neu bauen lassen will. Erwähnt wird in der Mitteilung auch ein Vertrag, über dessen Zukunft die CS mit der Stadt verhandelt hat. Es gebe eine Absichtserklärung, schreibt die CS. Diese regle die Kompensation der Mietzinskontrolle, die für einen Teil der neuen Wohnungen über den geplanten Baubeginn weiterläuft. Im Gegenzug werde die CS auch in der neuen Überbauung 16 Wohnungen zu günstigen Konditionen vermieten.

Kontrolle bis ins Jahr 2026

Der in den 70er-Jahren beschlossene Vertrag über die Mietzinskontrolle schreibt der CS vor, 78 bestehende Wohnungen im Brunaupark noch bis bis ins Jahr 2026 in Kostenmiete abzugeben. Die lange Laufzeit steht den Plänen der CS-Pensionskasse im Weg. Diese will schon im Jahr 2021 mit den Arbeiten im Brunaupark beginnen. Die erste Etappe mit Ladenzentrum sowie 270 Wohnungen soll 2024 fertig werden, ab 2027 sollen alle 500 neuen Wohnungen wieder vermietet sein. Die 1,5- bis 5,5-Zimmer-Wohnungen werden laut CS im «mittleren» Preissegment angeboten. Eine 3,5-Zimmer-Wohnung wird demnach netto 2200 bis 2650 Franken pro Monat kosten, eine 4,5-Zimmer-Wohnung zwischen 2750 Franken und 3200 Franken.
Mit der Stadt ist die CS seit 2015 in Kontakt. Im Zuge des begleiteten Planungsprozesses wurden Machbarkeitsstudien erstellt und es wurde entschieden, die Überbauung an der Wannerstrasse 31 bis 49 mit 166 Wohnungen stehen zu lassen. Erfolgreich verhandelt haben Stadt und CS auch die Kompensation der Mietzinskontrolle. Noch kürzlich machte sich Urs Spinner dafür stark («Zürich West» berichtete). Der Departementssekretär des Hochbaudepartements plädierte am Rand einer Medienkonferenz von SP, Grünen, AL und Mieterverband dafür, lieber den Spatz – die Weiterführung der Mietzinskontrolle für 16 Wohnungen – zu nehmen, als am Schluss mit gar nichts dazustehen, wenn die CS mit der letzten Brunaupark-Etappe erst nach 2026 beginnen sollte.

Der Stadtrat ist der Chef

Gekommen ist es anders. Am Abend bevor die CS verkündete, sie werde die Mietzinskontrolle wie vereinbart kompensieren, teilte der Stadtrat mit, er halte an deren Geltungsdauer bis 2023 respektive 2026 fest. Ein Schwenk sei das nicht, sagt Spinner. Der CS sei immer klar kommuniziert worden, dass am Schluss nicht die Verwaltung, sondern der Stadtrat über Kompensation und Mietzinskontrolle entscheide. «Die CS kann ihr Projekt trotzdem realisieren», sagt Spinner. So lange das private Bauvorhaben den Gesetzen und Vorschriften entspricht, steht es der CS frei, den Brunaupark zu verdichten. Die Pensionskasse der CS nimmt zum Entscheid des Stadtrats nicht direkt Stellung. Die CS bleibe mit der Stadt im Gespräch, sagt Sprecherin Anitta Tuure. «In den Gebäuden, die in der ersten Bauphase ersetzt werden, unterliegen keine Wohnungen der Mietzinskontrolle.» Diesbezüglich stehe dem Brunaupark nichts im Weg.

«Voreilig ausgesprochene Kündigungen»

Mehr als 400 Mieterinnen und Mieter im Brunaupark haben vergangene Woche von der Pensionskasse der CS Group Schweiz die Kündigung erhalten. Die Mieter von 75 Wohnungen sollen ihre Wohnungen bis Juni 2020 verlassen, die Mieter von weiteren 164 Wohnungen bis Juni 2023. Die CS will sie bei der Suche nach Ersatz unterstützen. Anschliessend sollen grosse Teile der Überbauungen abgerissen und verdichtet neu gebaut werden. Die Pläne der CS stossen aber auf Widerstand. Vor der Gemeinderatssitzung vom 27. März demonstrierten Brunau-Mieter gegen den Abriss. Der Gemeinderat erklärte eine Motion von SP, Grünen und AL für dringlich, die für das Brunaupark-Areal eine Gestaltungsplanpflicht und damit eine Debatte fordert. Ein definitiver Entscheid sei längst nicht gefallen, sagt Walter Angst vom Mieterinnen- und Mieterverband Zürich. «So lange jemand in einer Wohnung mit Mietzinskontrolle wohnt, wird kein Bagger auffahren können.» Der Mieterverband fordert die CS auf, die «voreilig» ausgesprochenen Kündigungen zurückzunehmen und an einen Runden Tisch zu sitzen. (dh.)

---

In der ursprünglichen Version dieses Artikels und in den Printausgaben dieser Zeitung hiess/heisst es irrtümlich, ALLE der mehr als 400 Mieterinnen und Mieter müssten ihre Wohnungen Ende Juni 2020 verlassen. Richtig ist: Zwar haben alle Mieterinnen und Mieter von der Pensionskasse der Credit Suisse Group die Kündigung erhalten. Für die Mieterinnen und Mieter der zweiten Bauetappe lautet der Kündigungstermin jedoch Ende Juni 2023. Nicht betroffen vom Bauprojekt sind die Mieterinnen und Mieter der Überbauung Wannerstrasse 31 bis 49, die stehen bleibt. (dh.)



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 16. Mai 2019
Zürich 2 vom 16. Mai 2019
Zürich Nord vom 16. Mai 2019
Zürich West vom 16. Mai 2019
Küsnachter vom 16. Mai 2019
Küsnachter Amtlich vom 16. Mai 2019

Sonderzeitungen

Abenteuer Stadt Natur 2019
Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger Volketswiler Nachrichten