Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
04.04.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

«Kanton behandelt uns stiefmütterlich»


Wünscht sich eine bessere Anbindung ans Nationalstrassennetz. Foto: zvg.

Der Küsnachter Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) über den Anti-Goldküstenreflex und die Vorteile der Einheitsgemeinde. Anlass für das Gespräch sind die politischen Richtlinien, die der Gemeinderat diese Woche festgelegt hat.

Markus Ernst, der Küsnachter Gemeinderat hat seine politischen Richtlinien für die nächste Amtsperiode festgesetzt. Zum ersten Mal seit Langem sitzt kein Linker mehr im Gremium. Hat man das thematisch gemerkt?
Die Arbeit des Gemeinderats als Exekutivbehörde ist sachpolitisch ausgerichtet. Dementsprechend fehlen nach Rücktritten jeweils vor allem die Personen und nicht die parteipolitischen Ansichten.

Eine zweite Neuerung ist, dass das Gremium zum ersten Mal mit einem Schulvertreter beraten hat. Küsnacht ist neu eine Einheitsgemeinde. Sehen Sie bereits jetzt Vorteile?
Die Einheitsgemeinde ist insofern eine Bereicherung, als dass nun bei allen für den Gemeinderat relevanten Themen auch die Sicht der Schule vertreten ist und Mitglieder der Schulpflege beispielsweise in der Sozialkommission und der Liegenschaftenkommission die Interessen der Schule vertreten. Diese unmittelbare Zusammenarbeit ermöglicht qualitativ sicher ganzheitlichere Lösungen.

Als grosse Herausforderung nennen Sie für die kommende Amtsperiode das ungebrochene Bevölkerungswachstum.
Der Problematik des Wachstums müssen sich alle Gemeinden stellen. Sicher sind beispielsweise Gemeinden im Glatttal und die grossen Städte Zürich und Winterthur noch mehr gefordert, aber auch der Bezirk Meilen steht vor grossen Herausforderungen, beispielsweise beim Verkehr.

Mit ein Grund für die Zurückhaltung, an der Goldküste zu wohnen, sind die steigenden Bodenpreise. Was kann der Gemeinderat gegen diese Entwicklung unternehmen?
Ich spüre wenig Zurückhaltung, in unserer Region zu wohnen. Die Bodenpreise kann und soll der Gemeinderat nicht beeinflussen. Hingegen ist es notwendiger denn je, bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung zu stellen. Küsnacht stellt mit starker Unterstützung der Gemeinde seit bald 60 Jahren für über 10 Prozent der Bevölkerung vergünstigten Wohnraum zur Verfügung, durch günstige Baurechtszinsen auf Gemeindeland oder aber kostenbasierte Mieten bei Gemeindeliegenschaften.

Küsnacht soll ein attraktives Dorf bleiben, gleichzeitig wird die Bevölkerung mit Zuzügern aus dem Ausland und mit der Aufnahme von Flüchtlingen immer heterogener. Welche förderlichen Massnahmen zum harmonischen Zusammenleben sind geplant?
Die Heterogenität ist nicht per se ein Problem, im Gegenteil. Aber tatsächlich braucht es grosse Anstrengungen, neue Bewohnende unserer Gemeinde im Gemeindeleben zu integrieren. Hier helfen die Vereine sehr stark mit, aber auch die Schule und unzählige Freiwillige unterstützen unsere Integrationsbemühungen.

Eines der Legislaturziele ist, die Infrastruktur zu erhalten und den aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Ein reelles Problem sind die überlastete Seestrasse sowie der zunehmende Verkehr auf der Zürichstrasse. Was kann dagegen unternommen werden?
Die übergeordneten Verkehrsträger haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht, und die Anbindung des Bezirks Meilen an das Nationalstrassennetz einerseits, aber auch mit ÖV andererseits lässt stark zu wünschen übrig. Hier kämpfen wir gegen einen starken Anti-Goldküstenreflex, ähnlich wie der Kanton Zürich gegenüber dem Bund. Wir stellen auch fest, dass die Versorgung mit schnellen Datenleitungen, Strom, Wasser und Gas als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird, Bauarbeiten, die deren Erhalt dienen, aber auf weniger Verständnis stossen.

Kürzlich präsentierte CVP-Nationalrat Lorenz Schmid zur Verkehrüberlastung seine Idee in dieser Zeitung: Die Vision einer U-Bahn rund um den Zürichsee. Was halten Sie davon?
Das war ja keine Idee von Kantonsrat Schmid, sondern ein Wahlkampfaufhänger, den er gerne übernommen hat. Wenn ich bei einer Fee einen Wunsch offen hätte, wäre das sicher eine mögliche Lösung. Vorderhand wäre ich aber schon glücklich, wenn der Kanton die bereits in seinen Richtplänen vorgesehenen Massnahmen verwirklichen würde und auch unser Bezirk in das Agglomerationsprogramm des Bundes aufgenommen würde. Wir werden ja sehr stiefmütterlich behandelt und von der zuständigen Regierungsrätin auch nicht ernst genommen.

Die Liegenschaftenpolitik will der Gemeinderat aktiv gestalten. Was sind hier nennenswerte konkrete Projekte? Wird der Parkplatz beim Bahnhof, der seit der verpatzten Abstimmung weiterhin brachliegt, noch in dieser Legislaturperiode wieder ein Thema werden?
Die Parkplätze Zürichstrasse respektive auf der anderen Gleisseite beim ehemaligen Güterschuppenareal bieten tatsächlich ein Entwicklungspotenzial, das wir nutzen sollten. Die Herausforderung liegt darin, dass einerseits die Stimmbevölkerung ein Projekt bestellt und bis zur Baureife finanziert hat, die Umsetzung aber abgelehnt wurde, und andererseits, dass die SBB Eigentümerin des seeseitigen Areals ist und wir dementsprechend nur geringen Einfluss haben. In irgendeiner Form werden wir das aber trotzdem thematisieren müssen.

Was werden die grössten Herausforderungen der kommenden vier Jahre?
Bei den Projekten ist einiges in der Pipeline: zusätzliche Raumbedürfnisse der Schule, ein neues Feuerwehrgebäude, ein Mehrfamilienhaus für Familien und Einzelpersonen mit tiefem Einkommen, die Sanierung der Kunsteisbahn KEK, die Inbetriebnahme der neuen Kläranlage, die Sanierung des Gemeindehauses und viele mehr. Finanziell herausfordernd ist die Steuervorlage 17, deren Mindereinnahmen für die Gemeinden nicht bezifferbar sind und für uns eine seriöse Steuerfussplanung fast verunmöglichen.



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