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04.04.2019 Von: Céline Geneviève Sallustio

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Von der Sehnsucht, die stirbt


Alfred und Emma in jungen Jahren. Doch die Beziehung konnte dem Krieg nicht standhalten. Foto: zvg.

Die «Kulisse Küsnacht» begeisterte an der Premiere ihres Stücks «Die Ballade vom kleinen Mann» das Publikum. Besonders war vergangenen Freitagabend auch die Regieführung: Es spannten Mutter und Tochter zusammen.

Ein Theaterauftritt ohne Bühnenbild und minimalem Spielmobiliar – nur eine erhöhte Spielfläche inmitten des Raums: Die Szenerie des neusten Stücks vom Laientheater Kulisse Küsnacht ist ungewöhnlich. Aber nicht nur das. Bei der «Ballade vom kleinen Mann», die vergangenen Freitag im katholischen Pfarreizentrum Küsnacht Premiere feierte, ist auch die Zusammensetzung der Theaterregie aus Mutter und Tochter besonders. Die 30-jährige Sarah Deissler und ihre 66-jährige Mutter, Charlotte Joss sind für Regie, Konzeption und auch die Kostüme des diesjährigen Frühjahrsstücks verantwortlich.
Gemeinsam entwickelten sie das Theaterstück, wobei ihnen Josef Weinhebers Gedicht «Die Ballade vom kleinen Mann» als Ausgangslage diente. Inspiriert wurde das Stück von weiterem literarischen Material, wie beispielsweise von Max Frisch oder Peter Bichsel. Das Stück spielt in der Zeit zwischen 1922 und 1977 und beschreibt den einsamen und eintönigen Alltag eines älteren Mannes.
Der Beamte Alfred Behlmann führt ein geordnetes Leben mit täglichen Routinen: immer dasselbe ungesunde Frühstück, denselben hektischen Arbeitsweg, dieselbe unbefriedigende Arbeit und dieselben Begegnungen mit den betrunkenen Gästen am abendlichen Stammtisch. Doch Erinnerungen an seine heitere Kindheit, an den Optimismus seiner Jugend, an die erste grosse Liebe, aber auch solche an die schlimmen Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg, durchbrechen die tägliche Struktur Alfreds.

Ein eingespieltes Team
Die Frage nach dem Glückszustand des Protagonisten stellt sich dem Zuschauer unwiderruflich und sucht nach Antwort bei den Macherinnen. «Unendlich stirbt die Sehnsucht, doch zufrieden, aber nicht glücklich», zitieren Mutter und Tochter Peter Altenberg wie aus einem Mund und interpretieren so den Gemütszustand des kleinen Mannes. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Dies liegt daran, dass Deissler bereits seit dem zarten Alter von fünf Jahren mit ihrer Mutter, ehemalige Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), arbeitet. Die langjährige Zusammenarbeit mit «Lotti», so nennt Deissler ihre Mutter, erleichtere die Zusammenarbeit enorm. «Ausserdem können wir uns alles ehrlich und direkt sagen, ohne dass sich jemand von uns angegriffen fühlt», meint Sarah Deissler weiter, die ebenfalls an der ZHdK studierte.
«Der Weg war das Ziel», beschreibt Monica Langfritz, Präsidentin der «Kulisse Küsnacht», die Arbeitsweise der beiden Regisseurinnen und ist vom Laientheater begeistert. Auch sie hatte ihre Anfänge im Theater bereits mit jungen Jahren als Souffleuse begonnen. Nicht zuletzt deshalb, da ihre Mutter das Gründungsmitglied Günther Schoop geheiratet hatte. Doch im Gegensatz zu Deissler und Joss blieb das Theaterspiel für sie immer ein leidenschaftliches Hobby von Langfritz. «Die Konzentration und Vertiefung auf meine Rolle versetzen mich in einen Ausnahmezustand, bei welchem ich alles andere um mich herum vergesse. Das macht die Schauspielerei für mich zu etwas ganz Besonderem. »

Stimmen aus dem Publikum
Auch die Stimmen aus dem Publikum waren positiv. «Ich komme seit fünf Jahren an die Auftritte des Theatervereins Kulisse Küsnacht und bin jedes Mal überrascht, was die Laienschauspieler leisten», meint Emine Birgi aus Küsnacht. Die Mitwirkende, Eva Polgar, hat ihre Gymikollegin Anja Müller an die Premiere eingeladen. Die Szene «Männliche Regungen» von Frank Wedekind hat ihr besonders gut gefallen. «Zwei Männer sprechen über ihre Gefühle: Der eine ist in den Konventionen der Gesellschaft gefangen und unterdrückt somit seine Emotionen, wohingegen der andere diese zulassen kann.»



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