Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
09.05.2019 Von: Martin Bachmann

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

SVP-BGB Küsnacht feiert 100. Geburtstag


Die SVP Küsnacht feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Alt- Gemeinderat Martin Bachmann hat in einer Festschrift die Entwicklung des Rebbauerndorfes Küsnacht aus der Perspektive der ehemaligen Bauernpartei nachgezeichnet. Sie beginnt mit der Parteigründung 1919.

Auf Einladung von Gemeindeammann Gottfried Elliker versammeln sich am Sonntag, 23. März 1919, die Vorstände der landwirtschaftlichen Vereine Küsnacht-Tal und Küsnacht-Berg im Restaurant «Neue Forch» zur Gründung der Bauernpartei. Man will, dass sich der Bauernstand kraftvoller ins politische Lokalgeschehen einbringen kann. Gottfried Elliker, Dorf, wird als Präsident, Jakob Weber, Goldbach, als Quästor und Johann Mathys, Neue Forch, als Aktuar gewählt. Für den Gemeinderat werden die Herren Gottlieb Welti-Uster, Heslibach, Arnold Schulthess, Neuhus, Forch, und Gottfried Alder, Goldbach, portiert.

Das letzte Jahrhundert
Die Protokolle der Bauernpartei zeigen auf eindrückliche Weise auch die Entwicklung der Gemeinde Küsnacht auf. Ein von Viehwirtschaft, Ackerbau und Rebbau geprägtes Dorf hat sich in dieser Zeitspanne zu einer wohlhabenden Gemeinde entwickelt. Der eigentliche Bauboom beginnt in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Rebhänge und Wiesland verschwinden, und es entstehen Einfamilienhaus-Quartiere und Villen. Glücklicherweise verfügt Küsnacht bereits 1927 über eine Bauordnung, welche einen Wildwuchs beim Bauen verhindert. Die Landwirtschaft wird dadurch immer mehr zurückgedrängt. Heute sind noch acht überlebensfähige Bauernbetriebe und ein Winzer aktiv. Dank einer geschickten Lokalpolitik unserer früheren «Gemeindeväter » verfügt die Gemeinde innerhalb des Siedlungsgebietes über bedeutende Grünflächen. Bis zum heutigen Tag wird Küsnacht als Arbeitsort und insbesondere als Wohngemeinde sehr geschätzt.

Die Partei gewinnt an Bedeutung
Die damalige Bauernpartei ist bestrebt, in sämtlichen Behörden vertreten zu sein. Die von der Partei portierten Kandidaten, welche im Dorf verankert sind, werden vom Stimmvolk grossmehrheitlich auch gewählt. Auch den «Brückenschlag» zwischen Berg und Tal gestalten insbesondere Vertreter der Bauernpartei beziehungsweise der späteren Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei in verdientem Masse. Während Jahrzehnten nehmen Landwirte im Gemeinderat Einsitz. 2002 tritt in der Person von Fritz Fenner, Chaltenstein, der letzte aktive Landwirt aus dem Gemeinderat zurück. Dieser Mix von «Studierten », Gewerbetreibenden und Bauern wird von der Bevölkerung geschätzt und führt zu durchdachten und fundierten Entscheiden der Exekutive.

2. Weltkrieg
Parteipräsident und Gemeinderat Gottlieb Welti- Walder stellt während der Kriegsjahre fest: «Es möge dem Schweizerbauern vergönnt sein, in Frieden zu säen und in Frieden zu ernten.» Weiter wird erwähnt, dass die «einseitige Graswirtschaft aufgehoben werde und die Landwirtschaft vermehrt zum Pfluge greife und damit den Beweis erbringe, dass sie der Nährstand unseres Schweizervolkes sei». Im Protokoll der Generalversammlung von 1943 wird vermerkt, dass die Anbaufläche der Gemeinde Küsnacht 542 Jucharten umfasse und damit fünfmal grösser sei als 1934.

Aufbruchstimmung
Die starke Bautätigkeit «frisst» kontinuierlich wertvolles Kulturland, und die Landwirtschaft wird endgültig nach dem Küsnachterberg verdrängt. Die bürgerlichen Parteien sind bestrebt, dass der «Berg» in den politischen Gremien weiterhin vertreten ist. Die in der Vergangenheit «friedlichen» Gemeindewahlen werden 1950 mit dem Auftreten des Landesrings der Unabhängigen stark «aufgemischt». Die von der Bauernpartei portierten Karl Egli, Landwirt im Limberg, und Oskar Trüb, Landwirt in Itschnach, werden mit guten Resultaten gewählt. Der Kandidat des Landesrings fällt als überzählig aus der Wahl.

Die BGB entsteht
Bei den Gemeindewahlen von 1954 nennt sich die Bauernpartei erstmals Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB). Rudolf Schmid, Präsident des Gewerbevereins, erklärt: «Es bestünde nun wirklich die Zeit, dass man einander näher käme, und er sei der Ansicht, diesen Schritt zu wagen.» Gemeindepräsident Eduard Guggenbühl, Sonnenwirt, freisinnig, tritt nach 24 Jahren von seinem Amt zurück. Guggenbühl «darf die Gewissheit haben, dass die gesamte Bevölkerung von Küsnacht seine Tätigkeit zu schätzen weiss». 1962 überschreitet die Gemeinde bereits die Grenze von 12 000 Einwohnern. 1973 erfolgt die Umbenennung in «SVP-BGB-Mittelstandspartei Küsnacht».

Weitere, erfolgreiche SVP-Jahre
Der Parteiname wird 1979 in «SVP Schweizerische Volkspartei Küsnacht» geändert. 1988 übergibt Präsident Ueli Welti nach acht Jahren das Zepter an Geri Zachs. Zachs operiert äusserst erfolgreich als Parteipräsident. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts ist festzustellen, dass sich die berufliche Herkunft der Parteimitglieder zusehends verändert und die Bauern sich – ortspolitisch betrachtet – «auf dem Rückzug » befinden. Dies zeigt sich bei der Besetzung des Parteipräsidiums und bei den Behördenvertretern. Ein «Grosserfolg» gelingt der SVP Küsnacht 2010, erringt sie doch erstmals vier Sitze im Gemeinderat (Martin Bachmann, Arnold Reithaar, Martin Schneider, Ueli Schlumpf). Die Behördenvertreter der «Volkspartei» sind sich der Bedeutung ihrer Arbeit bewusst und engagieren sich in der Regel während mehreren Amtsdauern in ihren Funktionen. Die Ortspartei schätzt sich glücklich, Nationalrat Roger Köppel und die beiden Kantonsräte Hans-Peter Amrein und Nina Fehr Düsel in ihren Reihen zu wissen.
Die Zusammenarbeit unter den Küsnachter Parteien war und ist vom Konsens getragen. Eine massvolle Entwicklung und das Wohlergehen der Küsnachterinnen und Küsnachter standen und stehen im Zentrum der Gemeindepolitik. In den letzten zwanzig Jahren entwickelt sich eine gewisse Polarisierung innerhalb der schweizerischen Parteienlandschaft. Diese schlägt auch auf die lokale Ebene durch, und die SVP muss bei Kommunalwahlen auch Niederlagen hinnehmen. Es ist bedauerlich, dass seit mehreren Jahren keine Vertreter der «Volkspartei» mehr der Schulpflege angehören.
Die Exponenten der SVP-BGB Küsnacht haben in diesem langen Zeitraum mit grossem Engagement zum «politischen Frieden» und zu konstruktiven Lösungen beigetragen. Mögen kommende SVP-Generationen mit kritischem Blick, mit Verantwortungsbewusstsein, mit Herz und Verstand, aktiv bleiben. Bei allem Tun ist zu bedenken, dass die Vergangenheit das Fundament für die Zukunft darstellt. *Schulpfleger (1986–2002) und Gemeinderat (2002–2016).



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 11. Juli 2019
Zürich 2 vom 11. Juli 2019
Zürich Nord vom 11. Juli 2019
Zürich West vom 11. Juli 2019
Küsnachter vom 11. Juli 2019
Küsnachter Amtlich vom 11. Juli 2019

Sonderzeitungen

Abenteuer Stadt Natur 2019
Ausstellungsführer Neuer Norden 2018
Neuer Norden 2018
Abenteuer Stadt Natur 2018
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger Klotener Anzeiger Volketswiler Nachrichten