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22.05.2019
Zürich West

In der Grünau brauchen Kinder Geduld


In der Grünau sind die Spielplätze in der Umgebung der Siedlung Bändli nach wie vor dieselben. Archivfoto: dh.

Was sich Kinder der Siedlung Bändli wünschen, lässt sich nicht leicht erfüllen. Im Seefeld ist das anders. Dort wird aus einigen Wünschen bald Realität.

David Herter

Die Stadt hat Kinder aus dem Seefeld und der Grünau gefragt, was sie stört in ihrer Umgebung. Die Kinder zogen los und notierten sich, was rings um ihren Wohnort verbessert werden könnte. Auf den Weg geschickt wurden sie im Rahmen des EU-Pilotprojekts «Metamorphosis», das Städte lebenswerter und vor allem kinderfreundlicher machen will.

Die Listen der Kinder, Quartieranalysen genannt, waren nicht kurz. Die Kinder der Siedlung Tiefenbrunnen im Seefeld wünschten sich unter anderem eine bessere Verbindung zum See. Die Kinder der Siedlung Bändli in der Grünau forderten einen sicheren Veloweg zur Skateranlage und attraktivere Spielplätze. Ihre Anliegen stellten die Kinder im September Stadtrat Richard Wolff (AL) vor. Zeit, nachzufragen, wie viele ihrer Wünsche sich zügig umsetzen lassen.

Pläne lassen auf sich warten

Fast alle, lautet die Bilanz für die Kinder aus dem Seefeld. Bloss wenige, lautet die Bilanz für die Kinder aus der Grünau. In der Umgebung der städtischen Siedlung Tiefenbrunnen wurde ein Fussgängertunnel besser beleuchtet, eine Begegnungszone auf den Weg gebracht und ein Fussgängerstreifen über die Bellerivestrasse aufgegleist. In der Umgebung der genossenschaftlichen Siedlung Bändli hingegen lässt sich der Veloweg nicht ohne weitreichende Massnahmen realisieren, und die Resultate der erbetenen Geschwindigkeitskontrollen entlang von Velorouten liegen noch nicht vor. Pläne für schönere Spielplätze gibt es bisher nicht einmal in der Siedlung Bändli, obwohl diese der am Projekt beteiligten Baugenossenschaft des eidgenössischen Personals (BEP) gehört.

Auf Anfrage teilt die BEP mit, in ihrem Bauprogramm sei im Moment kein Platz. Die BEP werde Verbesserungen an den Spielplätzen prüfen, wenn in der Siedlung Bändli Küchen und Bäder saniert würden.

Mit den Besitzern der Spielplätze im Umfeld der Siedlung Bändli hat die Stadt bisher noch nicht Kontakt aufgenommen. Die personellen Ressourcen seien knapp, sagt Evelyne Richiger, Leiterin Kommunikation im Tiefbauamt, das zusammen mit dem Büro Synergo für die Umsetzung von «Metamorphosis» in Zürich verantwortlich ist. «Wir können nicht alles miteinander abklären», sagt Richiger. Während im Seefeld viele Anliegen der Kinder öffentlichen Raum beträfen, gehörten in der Grünau viele Liegenschaften Genossenschaften oder Privaten. «Bei Anliegen auf privatem Grund sind wir Bittsteller und haben keine Möglichkeiten, Forderungen zu stellen.»

Fortschritte gebe es aber auch in der Grünau, sagt Richiger: Der von den Kindern als «schmutzig» bezeichnete Brunnen der Siedlung Werdwies werde wöchentlich geputzt. Und die Aufwertung öffentlicher Aufenthaltsorte im Quartier mache Fortschritte. «Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern von verschiedenen Nutzergruppen werden die Idee und die Standorte ausgearbeitet.» Ergebnisse und wenn möglich konkrete Pläne sollen im September präsentiert werden.

Unterschiede sind gewollt

Unterschiede zwischen den beiden Quartieren, in denen «Metamorphosis» durchgeführt wird, hat auch Richiger ausgemacht. Bisher hätten sich Kinder und Eltern aus der Siedlung Tiefenbrunnen an Anlässen und Angeboten deutlich stärker beteiligt als Kinder und Eltern aus der Siedlung Bändli. Unterschiedliche Resultate seien durchaus erwünscht, sagt Richiger. Die Siedlungen im Seefeld und in der Grünau seien gerade darum ausgewählt worden, weil ihre sozioökonomischen Strukturen verschieden seien. Im Seefeld sind etwa die Einkommen höher, in der Grünau leben mehr Menschen mit Wurzeln im Ausland. Die Unterschiede sollen nach Abschluss des Projekts differenzierte Erkenntnisse ermöglichen.
Aus diesen Unterschieden einen Zusammenhang zu konstruieren zum unterschiedlichen Tempo bei der Umsetzung der Anliegen der Kinder, sei aber falsch, sagt Richiger. Die Arbeit der Stadt erfolge unbeeinflusst von der Lage der Siedlungen, sei aber abhängig von äusseren Faktoren: «Es gibt Massnahmen, die sich einfacher umsetzen lassen, und solche, die zwar wünschenswert wären, aber in kurzer Zeit schwierig umzusetzen sind.»

EU-Projekt mit Schweizer Geld

An dem von der Europäischen Union lancierten Pilotprojekt Metamorphosis beteiligen sich neben Zürich unter anderem München, Meran und Southampton. Im Rahmen des bis Mai 2020 laufenden Projekts sollen die Siedlungen Tiefenbrunnen und Bändli sowie die umliegenden Quartiere kinderfreundlicher gestaltet, eine «stadtgerechte» Mobilität gefördert und Nachbarschaftsbeziehungen gestärkt werden. Das Projekt in Zürich wird vom Bund finanziert und vom Tiefbauamt begleitet. Das Kostendach für die Arbeit des Beratungsbüros Synergo beträgt eine halbe Millionen Franken. (dh.)



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