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22.05.2019 Von: Carole Bolliger

Züriberg

Mein Leben als Diplomat war wie ein Blumenstrauss


Max Schweizer war 32 Jahre als Schweizer Diplomat auf der ganzen Welt tätig. Er hat mehrere Textsammlungen zur Schweizer Aussenpolitik herausgegeben. Heute wohnt er an der Susenbergstrasse. Foto: Carole Bolliger

Südafrika, Saudi-Arabien, Türkei oder Finnland. Max Schweizer war von 1980 bis zu seiner Pensionierung vor ein paar Jahren Diplomat und lebte in den unterschiedlichsten Ländern.

Dass er Diplomat werden würde, war nicht schon immer klar. Max Schweizer wurde in Zürich geboren, wuchs ein paar Jahre dort auf, bis die Familie nach Dübendorf, danach nach Friedlisberg AG zog. Schon als Achtjähriger mussten er und seine beiden Geschwister einen herben Verlust verkraften: Der Vater starb unerwartet mit jungen 30 Jahren. Eine nicht einfache Zeit für die ganze Familie.
Er beendete die Schule, machte im Kunstgewerbe eine Ausbildung. «Doch ich wollte noch mehr Intellektuelles erreichen und wusste, dass ich für etwas in meinen Augen Sinnvolles die Matura brauchte», erzählt der heute 68-Jährige. So schloss er die Matura mit 24 Jahren ab und fing an zu studieren. Eigentlich wollte er sich mit Literatur und Germanistik beschäftigen. Doch kurz vor Beginn des Studiums entschied er sich um – und studierte Geografie, Geschichte und Politologie: der Anfang seiner Diplomatenkarriere.

Nur eine Chance
Seine Dissertation an der Universität Zürich schrieb Max Schweizer über Neu-Schweizerland: Genese und Funktion einer schweizerischen Einwandersiedlung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Zu diesem Thema konnte er auch eine Ausstellung im Zürcher Stadthaus machen. «Nach dem Studium musste ich mir überlegen, wie ich meinen Lebensunterhalt verdienen will. Da ging mir plötzlich wieder der diplomatische Dienst durch den Kopf.» Gedacht, getan. Er setzte alles auf eine Karte und bewarb sich beim Staat für den Aufnahmewettbewerb als Diplomatenanwärter. «Man hatte nur eine Chance; wenn man nicht angenommen wurde, dann konnte man sich kein zweites Mal mehr bewerben», erzählt er. Sein Mut wurde belohnt, er wurde angenommen und trat am 1. März 1980 mit 29 Jahren als Diplomatenanwärter ein. An den Moment, in dem er den Brief mit der Zusage erhielt, erinnert er sich gut: «Ich war aufgeregt und freute mich auf dieses neue, total unbekannte Kapitel in meinem Leben.»

Herausforderung mit Familie
Zwei Jahre lang musste er eine Ausbildung absolvieren: zuerst in Bern, dann in Genf und schliesslich noch ein Auslandjahr, das er auf der Schweizer Botschaft in Madrid verbrachte. Nach den bestandenen Schlussprüfungen war er Dritter Botschaftssekretär. Er kam in die Handelsabteilung, im damaligen Volkswirtschaftsdepartement, dem heutigen Seco. Seine erste Anstellung war damit in Bern. «Jeden Tag arbeiteten wir hart, Zeit für ein Privatleben blieb wenig.» 1985 wurde er nach Saudi-Arabien versetzt. «Ein Kulturschock » sei es gewesen, als er ankam. Drei Jahre war er dort, dann gings wieder nach Bern – ins Protokoll. Darauf weiter nach Südafrika, danach Finnland. Immer drei oder vier Jahre war er in einem Land. Nicht immer ganz einfach war das, besonders, als er nun auch seine Frau Barbara Schweizer-Meyer und die zwei Kinder Anne-Sophie und Caspar hatte. Die Sprösslinge kamen in Südafrika zur Welt, danach zog die Familie noch für drei Jahre nach Finnland. «Danach wollte meine Frau, eine wirklich begabte Pädagogin, mit den Kindern wieder in die Schweiz zurück», erzählt er. Einmal im Monat oder wann immer es möglich war, reiste Max Schweizer zu seiner Familie, in den Ferien besuchte diese ihn in seinem jeweiligen Aufenthaltsland. «Es gab anspruchsvolle Zeiten, aber wir haben es gemeistert. » Dieses Jahr ist er 28 Jahre mit seiner Barbara verheiratet, die Kinder sind mittlerweile erwachsen.
Auf die Frage, an welches Land oder Erlebnis er sich besonders gern erinnert, antwortet er: «Mein ganzes Leben als Diplomat war wie ein Blumenstrauss, die Buntheit macht es aus. Es quirlte nur so von Erlebnissen, ernsten, schönen, ab und zu auch grotesken.» Als Diplomat muss man sich innert kürzester Zeit in ein fremdes Land und dessen politischen Prozesse einarbeiten. Seine Neugier, Offenheit und Freude an der Welt und der Schweiz hätten ihm dabei immer stark geholfen. Zudem sollte man als Diplomat eine hohe Frustrationstoleranz haben, sagt er lachend.

Textsammlungen zur Schweizer Aussenpolitik
Jassir Arafat, Helmut Kohl, Nelson Mandela oder Margaret Thatcher. Mit all diesen und vielen anderen grossen Namen hatte Max Schweizer in seiner Laufbahn zu tun. Doch auch hier bleibt er ganz neutral, er will keine Begegnung herausstreichen. Wobei ihm ein Privatbesuch beim damaligen Präsidenten von Estland, Lennart Meri, doch etwas stärker in Erinnerung geblieben ist.
2012, nach 32 Jahren als Diplomat, liess Max Schweizer sich pensionieren. Zum ersten Mal. Denn von 2012 bis 2015 leitete er als Dozent den Bereich Foreign Affairs and Applied Diplomacy an der ZHAW School of Management and Law in Winterthur. Seit vier Jahren ist er Präsident des Vereins Swiss Diplomats – Zurich Network. Diesen Posten wird er allerdings Ende Mai an Christoph Bubb, a. Botschafter, weitergeben.
In all den Jahren hat Schweizer mehrere Textsammlungen zur Schweizer Aussenpolitik herausgegeben. Bilaterale Beziehungen beleuchtet er darin, so zu den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, aber auch zur Türkei. Während seiner Dozententätigkeit entstand zudem eine Trilogie zu wichtigen aussenpolitischen Themen: die Schweizer Diplomatie «Diplomatenleben», die Europapolitik «Integration am Ende?» sowie Welthandel «Die Schweiz im Welthandelsdorf». Schliesslich legte er noch ein «Aussenpolitisches Lesebuch» vor.



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