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22.05.2019 Von: Leon Zimmermann

Zürich 2

Wollishofens Jungbürger feiern sich selbst


Rund 20 Wollishofer mit Jahrgang 2001 haben sich im örtlichen GZ getroffen, um gemeinsam ihre Jungbürgerschaft zu feiern– inklusive Rundfahrt auf dem Zürichsee. Foto: Leon Zimmermann

Politische Diskurse, grosse Ziele und Jungdesigner: Die diesjährige Jungbürgerfeier des QV Wollishofen hatte einiges an Überraschungen zu bieten.

Eine Gruppe von Jugendlichen sitzt um einen Tisch auf dem Ledischiff «Ufnau». Die Kibag, ein Wollishofer Bauunternehmen, hat es dem örtlichen Quartierverein (QV) wie bereits in den Vorjahren zur Verfügung gestellt, um die traditionelle Jungbürgerfeier in Form einer Rundfahrt auf dem Zürichsee abzuhalten. Die Jahrgangskollegen tauschen sich bei einem Glas Weisswein gut gelaunt über ihren Alltag aus, bis Martin Bürki, Präsident des QV Wollishofen und bis vor Kurzem auch des Stadtzürcher Gemeinderats, sie unterbricht. «Ist der Klimawandel bei euch auch ein Thema?», fragt er neugierig in die Runde.

Damit startet er eine angeregte Diskussion über Selbstverantwortung und CO2-Abgaben. «Man muss nicht 100 Prozent perfekt sein», findet Jungbürger Nico. Es gehe vielmehr darum, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. Dieser Grundtenor herrscht bei den meisten Jugendlichen in der politisch sehr interessierten Gruppe. Jahrgangskollegin Lena relativiert aber: «Nach Amerika kann man ja schon mal fliegen, aber an Orte wie Spanien kann man ruhig auch mit dem Zug fahren.»

Handlungsbedarf sehen die Jugendlichen eher bei den Politikern als beim Einzelnen. Was nicht heisst, dass sie keine Verantwortung übernehmen. Als gutes Beispiel geht Jesus voran – mit seinem Geburtstag Anfang Januar einer der ältesten der Gruppe. «Ich gehe oft an den Wochenenden mit meinem jüngeren Bruder im Wald wandern und sammle dabei den Müll auf, den die Leute zurücklassen», sagt er. Er findet, dass die Menschen der Natur gegenüber eine gewisse Verantwortung haben.

«Seit meinem letzten Geburtstag bin ich allgemein verantwortungsvoller geworden», sagt der 18-Jährige. Das hänge auch damit zusammen, dass er am 21. Juni die Geburt seines ersten Sohnes erwarte. Geplant sei die Schwangerschaft seiner Partnerin zwar nicht gewesen, er freue sich dennoch auf diesen neuen Lebensabschnitt. «Die Familie ist das Wichtigste für mich», erklärt er. Seinen eigenen Vater hat Jesus nie kennengelernt. Deshalb sei es ihm umso wichtiger, viel Zeit mit seinem künftigen Sprössling zu verbringen.

Grosse Pläne für die Zukunft
Kinder sollen auch in Sherrys Leben einmal eine wichtige Rolle spielen. Ein grosses Ziel des lernenden Fachmanns Gesundheit ist, später als Hebamme zu arbeiten. «Dafür muss ich nach meinem Lehrabschluss die Berufsmaturität nachholen», sagt der motivierte Jungbürger. Eine Wollishoferin mit kolumbianischen Wurzeln absolviert momentan eine Lehre als Kleinkindbetreuerin: «Das ist der beste Job, den ich wählen konnte.» Nach Abschluss ihrer Ausbildung möchte sie ein Jahr lang Berufserfahrung sammeln und dann für eine längere Zeit durch Australien reisen – ohne Begleitung. «Ich will an einen Ort, wo ich niemanden kenne», erklärt sie. Sie wolle erfahren, wie es ist, auf sich alleine gestellt zu sein.

Selbständig werden will auch Gian. Nicht auf einer Reise, sondern als Gründer eines Modelabels. «Meine Kollegen lachen zwar darüber, aber mir ist es ernst», sagt er. Zur Feier erschien er in einem ausgefallenen T-Shirt, das er selbst designt hat.

Organisiert hat die Jungbürgerfeier wieder Fiammetta Jahreiss vom QV Wollishofen. Wie Bürki amtete sie einst als Stadtzürcher Gemeinderatspräsidentin. Auch sie zeigt sich zufrieden und lobt insbesondere das Abschneiden des Jahrgangs beim Wollishofen-Quiz: «Der Gewinner erzielte 20 von 23 Punkten.»
Auch bei den Jugendlichen ist der Anlass gut angekommen. «Macht das weiter», fordert Maia die Organisatoren auf. Nur einen Kritikpunkt hat sie anzubringen: «Wir kennen fast niemanden, da wir zu den Jahrgangsältesten gehören.» Ihre ehemaligen Mitschüler seien alle schon vor einem Jahr da gewesen. «Vielleicht müsste man das ganze nach den alten Schulklassen gliedern», schlägt sie vor.
Martin Bürki entgegnet, dass man das leider nicht umsetzen könne: «Wir erhalten die Adressen der Jugendlichen aus Datenschutzgründen nicht direkt. Die Stadt leitet unsere Einladungen jeweils an die 18-Jährigen weiter.»



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