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05.06.2019 Von: Alexander Vitolic

Züriberg

Ein Stadtgärtchen und eine Mischrechnung


Als der Tiefbauvorstand den lang erwarteten Gestaltungsplan zur Aufwertung des Heimplatzes präsentierte, waren die Erwartungen zuerst hoch und die Reaktionen danach verhalten. Ein bisschen Mischverkehr, ein hübsches Café und ein breiteres Trottoir lösen das Verkehrsproblem nicht.

Ein Schmuckstück war der Heimplatz nie. Wirft man einen Blick in die Vergangenheit, kommt seiner Zweckmässigkeit als Verkehrsknotenpunkt, Nord-Süd-Achse mit Anschluss an die Kantonsschulen eine wesentlich grössere Rolle zu als die eines Ortes zum Verweilen. Doch schon nächstes Jahr wird der dreieckige Platz auf allen Seiten von Kultur umgeben sein: Schauspielhaus, Kunsthaus und dessen Erweiterungsbau.
Dieser geballten Ladung an Kulturinstitutionen steht das hässliche Antlitz maximaler Verkehrsverdichtung gegenüber, in dem Trams, Busse und Automobilisten um die Vorherrschaft kämpfen, während die Fussgänger und Velofahrer bei jedem Überqueren einer Kreuzung ein mulmiges Gefühl beschleicht.
Zeit also, sich dieses Problems anzunehmen: Konsens darüber, dass die Situation mittlerweile unhaltbar geworden ist, besteht schon lange. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, als Tiefbauvorsteher Richard Wolff nach einigen fehlgeschlagenen Anläufen seiner Vorgänger letzte Woche die vom Stadtrat favorisierte Studie vorstellte: Doch die «Place Jardin» vom Team Metron Verkehrsplanung AG, Roland Müller Küsnacht AG, Schmid Landschaftsarchitekten und Kuhn Landschaftsarchitekten sorgte nicht gerade für Begeisterungsstürme.

Eine Oase auf der Verkehrsinsel
Das buchstäbliche Zentrum des Projekts bildet die namensgebende kleine Parkanlage, welche die spröde Grünfläche mit der Büste des Komponisten Ignaz Heim hinter dem Kioskpavillon ablösen soll. Von einem mit Marmorstein belegten Stadtgarten, Bäumen, Staudenbeeten, Sitzstufen, einem Trinkbrunnen und einer kleinen Espressobar ist die Rede. Sozusagen ein Treffpunkt mittendrin. «Hübsch», urteilte etwa der «Tages- Anzeiger», «immerhin ein Plätzchen », titelte die NZZ. Nur ist diese «Oase», nicht nur an Quadratmetern bemessen, das kleinste Problem. Für Aufruhr sorgte vielmehr das Verkehrskonzept: Als Gewinner der Studie dürfen in erster Linie Fussgänger und Velofahrer gelten: Sie erhalten breitere Trottoirs – die Aufenthaltszone vor dem Schauspielhauseingang etwa wird von 2 auf 5,5 Meter verbreitert – und durchgängige Velowege in nahezu alle Richtungen.
Zu den wahrscheinlichsten Verlierern gehört der motorisierte Individualverkehr, der mithilfe zahlreicher neuer Abbiegungsverbote und einer Mischverkehrszone vor dem Schauspielhaus auf «Umfahrungsrouten via Bellevue, Kreuzplatz, Römerhof und Central oder über den Hirschengraben » umgeleitet werden soll. Kostenpunkt: rund 22,5 Millionen Franken. Baubeginn: 2023.

Zauberwort «Entflechten»
Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten: Während sich die Stadt von «einer Entflechtung der Verkehrsströme» mehr Raum und Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden erhofft, spricht ein partei- und gewerbevereinübergreifendes Komitee in einem gemeinsamen Communiqué vom 31. Mai «von einer vollständigen Kapazitätsvernichtung bedeutsamer Verkehrsbeziehungen».
Die vorgesehenen Umfahrungsrouten seien untauglich und bereits heute überlastet. Hottingen und Witikon würden erneut abgeschnitten und die Interessen der Quartierbevölkerung, die Umwegfahrten in Kauf nehmen müssten, nicht berücksichtigt. Warum also nicht die Velofahrer umleiten auf sichere Routen entlang der Höhenlinie: Freiestrasse, Mühlebachstrasse oder Sonneggstrasse?
Zusammen mit Exponenten der SVP, der FDP und CVP forderten die Gewerbeverbände der Stadt Zürich der betroffenen Quartiere Zürich Ost, Witikon und Seefeld den Regierungsrat daher auf, den «Plänen frühzeitig einen Riegel» zu schieben, auch weil die Rämistrasse «gemäss kantonalem Richtplan die einzige städtische Nord-Süd-Hauptverkehrsachse östlich der Limmat» darstellt.
Grosse Ideen haben es in Zürich schwer. Die «Place Jardin» ist wahrscheinlich keine. Noch im März hatte die Kulturdirektion angesichts der gescheiterten Pläne zur Sanierung des Schauspielhauses den Mut zu grossen «Würfen» vermisst. Nun scheint es, als tue man sich selber damit schwer.



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