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05.06.2019
Züriberg

Flughafen reizt Vorschrift aus – Flugzeuge starten am Morgen 15 Minuten früher


Der Flughafen verlängert faktisch die Betriebszeit. Neu verlassen die ersten Jets das Gate schon um 5.45 Uhr. Das sorgt für Zoff.

Exklusiv: Der Flughafen Zürich bestätigt, dass neu das erste Flugzeug jeweils um 6.00 Uhr in der Luft ist anstatt wie bisher um 6.12 Uhr. Anrainer sind empört, auch der Pilotenverband ist gegen diese Ausdehnung.

Klammheimlich hat die Flughafen Zürich AG die Abflugzeiten am frühen Morgen verlängert. Neu verlassen die ersten Jets das Gate um 5.45 Uhr anstatt wie bisher um 6.00 Uhr. So sind die ersten Flieger um 6.00 Uhr in der Luft. Bisher war es beim Flughafen üblich, dass die ersten Flugzeuge erst ab 6.12 Uhr in der Luft waren.
Mediensprecherin Sonja Zöchling vom Flughafen bestätigt die Recherche. Zöchling: «Im April 2019 fanden insgesamt sieben Flüge mit Abflugslot um 5.45 Uhr statt, primär mit den Zielen Pristina und Palma de Mallorca. » Im Mai waren es schon 18 Flüge mit Abflugslot um 5.45 Uhr. Die Ziele: Pristina, Palma de Mallorca und zusätzlich Hurghada und Kos. Zöchling führt weiter aus, dass sich dies «während des Sommerflugplans in etwa so einpendeln» werde. Somit werden die Flugzeuge bei den frühen Slots ab 5.45 Uhr vom Standplatz wegrollen beziehungsweise von einem Dockstandplatz zurückgestossen. «Starten dürfen sie erst um 6.00 Uhr», versichert Zöchling.

Längere Betriebszeiten?
Dehnt der Flughafen Zürich so nicht die Betriebszeiten aus? Bisher galt ja die Regel, dass Flugzeuge sich erst punkt 6 Uhr in Bewegung setzen und durchschnittlich ab 6.12 Uhr von der jeweiligen Piste in die Luft starten. Für Sonja Zöchling ist die Sachlage klar. «Die Flughafen Zürich AG will die Betriebszeiten nicht ausdehnen. Die Flugbetriebszeiten dauern von 6.00 bis 23.30 Uhr inklusive der halben Stunde Toleranz für Verspätungsabbau. » Das sei so im Betriebsreglement wie auch im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) festgehalten. «Der Slotaufbau ab Sommerflugplan 2019 wurde im letzten September vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) bewilligt. »

Das Bazl lässt gewähren
Unterstützung bekommt der Flughafen bei seinem Ansinnen aus Bern. Urs Holderegger, Kommunikationsleiter des Bazl, sagt auf Anfrage: «Es handelt sich weder um eine neue Regelung noch um eine Neuinterpretation. Die Betriebszeiten des Flughafens umfassen die Zeit von 6.00 bis 23.30 Uhr, wobei die Zeit zwischen 23.00 und 23.30 Uhr nur für den Verspätungsabbau genutzt werden darf.» Laut Holderegger brauche es keine zusätzliche Bewilligung, «sofern der Start nicht vor 6.00 Uhr erfolgt».

«Korrekt wäre Schluss um 23 Uhr»
Thomas Hardegger hält mit Kritik gegen die früheren Abflugzeiten nicht zurück. Der Präsident des Flughafen- Schutzverbandes (SBFZ) sagt: «Das ist eine Ausdehnung der Betriebszeit und damit steigt die Lärmbelastung in den umliegenden Gemeinden. Begonnen hat es damit, dass wir durchsetzen mussten, dass am Abend als Startzeit das Abheben von der Piste gilt und nicht das Rückstossen vom Gate.» Hardegger zieht folgenden Schluss: «Das Gleiche wenden sie nun am Morgen an – nur praktizieren sie am Morgen etwas, was sie am Abend nicht einhalten, weil praktisch jeden Tag die Betriebszeit nicht eingehalten wird.» Der langjährige Gemeindepräsident von Rümlang hat eine klare Forderung: «Wenn der Flughafen dies am Morgen als Regel einfordert, müsste er korrekterweise um 23.00 Uhr Betriebsschluss haben.»

Verspätungsabbau bis 23.30 Uhr
Aktuell ist es so, dass eigentlich ab 23.00 Uhr das Nachtflugverbot gilt, die halbe Stunde bis 23.30 Uhr aber täglich für den bewilligungsfreien Verspätungsabbau genutzt wird. Nun kommen frühere Flüge hinzu, was zu mehr Flugbewegungen führt – mit entsprechenden Verspätungen.
Entsprechend negativ reagiert der Pilotenverband Aeropers auf die Ausdehnung der Flugzeiten am Flughafen Kloten. Kommunikationsleiter und A320-Captain Thomas Steffen: «Wir fordern, dass zuerst das System stabilisiert wird, bevor zusätzliche Flugbewegungen bewilligt werden. Die Erfahrungen unserer Piloten zeigen deutlich, dass zusätzliche Flugbewegungen im Moment nicht angebracht sind.» Steffen stellt klar: «Die Passagiere und das Personal sind zunehmend frustriert und beide sitzen in Bezug auf die Pünktlichkeit im selben Boot.» Dies spiele auch bei so früh startenden Flugzeugen eine Rolle, «denn irgendwann müssen die Jets hier wieder landen». Aeropers sei momentan ganz klar gegen eine Erhöhung der Flugbewegungen am Flughafen Zürich.
Laut den Angaben von Thomas Steffen ist die Fluggesellschaft Swiss von den früheren Abflugzeiten nicht betroffen, zumindest noch nicht. «Unsere ersten Flugzeuge starten alle nach 6.10 Uhr. Unser Dienst beginnt jeweils 1 Stunde und 5 Minuten vorher. » Ausgeführt werden besagte Frühflüge beispielsweise von Germania Schweiz.

Sache der Gesellschaften
Dass das Kabinen- und Bodenpersonal durch die früheren Starts noch mehr belastet werden, ist für den Flughafen Zürich AG kein Thema. Nochmals Sonja Zöchling: «Die Personaleinteilung und -zuteilung zu den bestimmten Zeiten ist Sache der Abfertigungsgesellschaften. Am Flughafen Zürich erbringen nebst Swissport auch noch d’nata und AAS Abfertigungsdienstleistungen. » Die Swissport International AG konnte bis Redaktionsschluss keine Auskunft geben.
So oder so bleibt die Tatsache, wie es Thomas Steffen vom Aeropers- Verband formuliert: «Irgendwann müssen die Jets hier wieder landen und brauchen weitere Slots.»



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