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13.06.2019 Von: Manuela Moser

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Sie bringen Farbe auf den tristen Parkplatz


Hoffen, dass die Bevölkerung ihre Verschönerungsidee unterstützt: Andreas Biank, Kristine Scheiwiller und Christoph Krähenmann. Foto: Manuela Moser

Der Parkplatz hinter dem Bahnhof Küsnacht gilt nach den gescheiterten Überbauungsversuchen als farbloser Ort. Das Kunst-Komitee Parkplatz will dies mithilfe der Bevölkerung ändern.

«Kristine hat einen Nerv getroffen», sind sich Christoph Krähenmann und Andreas Biank einig, «nur ist sie viel zu bescheiden, um dies zuzugeben.» Biank zwinkert ihr zu. Und Krähenmann schiebt eine witzige Bemerkung nach: «Wir wollen aus Küsnacht eine Kunst-Gemeinde machen.» Alle lachen. Die drei verstehen sich, haben sie doch die gleiche Vision: Sie wollen den grossen Parkplatz hinter dem Bahnhof verschönern.
Nach zwei an der Urne gescheiterten Überbauungsvorlagen sei der Parkplatz «ein teurer, aber kein schöner Ort», sagt Kristine Scheiwiller, «wir wollen nach der leidigen Debatte etwas Freude dorthin bringen.» Ihr Aha-Moment sei gewesen, als ein Bekannter ihr Wochenend-Grüsse mit Street-Art- Bildern schickte. «Da dachte ich mir: Warum nicht auch in Küsnacht?» Scheiwiller denkt dabei nicht an gewöhnliche Graffiti, sondern «hochstehende Kunst». Vor ihrem geistigen Auge liess sie all die tristen Orte in der Gemeinde aufsteigen. «Viele Plätze könnte man freundlicher gestalten.»

Offene Türen eingerannt
Mit dieser Idee wurde Scheiwiller zusammen mit Krähenmann beim Gemeindepräsidenten Markus Ernst (FDP) und Gemeinderat Walter Matti vorstellig und rannte offene Türen ein. Nach kurzem Gespräch war aber auch klar: Nicht alle Bewohner sind gleich bereit für diese Vision, und es könnte zu Einsprachen kommen. So grenzte man den Wirkungskreis ein. Es sollte vorerst nur den Parkplatz beim Bahnhof betreffen, dieser gehört der Gemeinde, nicht der SBB. Scheiwiller, die zwölf Jahre lang Präsidentin des Frauenvereins war und daher über gute Beziehungen in der Gemeinde verfügt, holte den Küsnachter Goldschmied Christoph Krähenmann mit ins Boot.
Auch er ist im Dorf kein Unbekannter: Weil sein Geschäft etwas abgelegen oben Am Bach ist, machte er immer wieder von sich reden mit auffällig gestalteten Schaufenstern. Zuletzt, als 2014/15 direkt vor seiner Tür eine laute und lang andauernde Baustelle war. Er dekorierte seine Auslage mit alten Pflastersteinen, verrosteten Röhren und rot-weissen Latten. «Mitten drin aber legte ich eine Maus und einen Mäusebussard – ich war die Maus, die überlebt, trotz Baustelle.» Genau dies sei auch die Idee des aktuellen Parkplatz-Projekts: «Man soll immer das Schöne suchen, und mit wenig kann man auch dem Negativen etwas Positives abgewinnen.» Erst nannten sie sich «Positive Street-Art». Aber weil man nicht unbedingt einen englischen Namen wollte, änderte man ihn in «Kunst-Komitee Parkplatz ». Das Besondere an der Aktion ist, dass die Bevölkerung aufgerufen ist, die Verschönerung selbst vorzunehmen. «Wir suchen Küsnachterinnen und Küsnachter, die einen der 22 Betonblöcke gestalten wollen. Ob Künstler oder nicht, spielt dabei keine Rolle», so Scheiwiller.

Deadline ist Ende Juli
Ideen können bis Ende Juli eingesendet werden, noch diese Woche werden die Flyer namens «Kunst für alle in Küsnacht» verteilt. Mindestens die Hälfte der Blöcke zu verschönern ist das Ziel. Erlaubt ist alles: Man kann den Stein sogar mit Holz verkleiden. Einzig: Es soll wie ein Kunstwerk aussehen und eine positive Wirkung haben, die Leute zum Schmunzeln bringen. Aus Sicherheitsgründen kommen allerdings nur Erwachsene zum Zug, da Kinder – so das Kunst-Komitee – sich nicht an Abgrenzungen auf dem Parkplatz halten würden. «Eine solche Idee trage ich seit Jahren in mir», ergänzt Biank, in Küsnacht lebender Künstler des Kunstvereins Artischock. Als gebürtiger Deutscher habe er mit dem Blick eines Aussenstehenden in Küsnacht immer einen «künstlerischen Impuls» gespürt. «Das hat bestimmt mit dem Wasser, dem Wind, der Sonne und dem Wald zu tun.»
«Wir hoffen, dass wir genug Mutige finden, die ihre Motivation im Spass der Sache finden», sagt die Initiantin. Man kann anonym bleiben oder seinen Namen dezent auf dem Kunstobjekt verewigen – es ist jedem selbst überlassen. Bei der Abschlussveranstaltung anfangs September wird dann ein Gewinner ernannt. Jemanden kenne er schon, sagt Krähenmann, der bei der Aktion bestimmt mitmachen wolle. Und auf viele mehr hofft das Kunst-Komitee Parkplatz.
Dass die Migros sich neu auch für das Areal interessiert (siehe unten), beisst sich laut Gemeindepräsident Markus Ernst nicht mit dem Kunst- Projekt. «Es wird mindestens vier Jahre dauern, bis die Bagger auffahren.»



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